Africa Festival

Würzburg, 25. - 28. Mai 2012
Africa Festival in Würzburg
    
publiziert: 02.06.2011 20:18 Uhr
aktualisiert: 03.06.2011 08:42 Uhr
» zur Übersicht
    
    
Artikel
 
    
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text
Afro-karibische Brücke

Africa Festival

Ursprünglich, modern, international: Afrika hat viele Facetten. Bis Sonntag kann man ihnen in Würzburg begegnen.

  • Bummel übers Gelände: Seit 2004 sind die beiden Tuareg El Kassim und Alhous Ag Tajou aus Timbuktu (Mali) mit ihrem Lager auf dem Festival. Dort erzählen sie täglich um 11 Uhr über das Leben in der Wüste.
    Foto: THOMAS OBERMEIER
Bild von

Als wäre der Kontinent nicht gewaltig genug: Über eine Milliarde Menschen, über 2000 Sprachen, ein gutes Fünftel der globalen Landfläche. In fünf Wochen gründet sich mit dem Südsudan Afrikas 54. Staat. Als wäre dieser Kontinent nicht reich genug:

Die Wiege der Menschheit steht hier – dazu eine Geschichte mit hoch entwickelten Königreichen. Multinationale Konzerne und China strecken ihre Arme nach Bodenschätzen aus. Vom kulturellen und menschlichen Reichtum nicht zu reden. Und doch verlässt ausgerechnet das Würzburger Africa Festival – nach eigenen Angaben das größte seiner Art für afrikanische Musik und Kultur in Europa – diesen Kontinent und schwenkt vier Tage lang den Blick in die Karibik? Es gibt Gründe. Gute Gründe.

    
»Fotostrecke starten Fotogalerie
Africafestival
Africafestival
Africafestival
Eröffnung Africa Festival
Würzburg
02.06.2011
    

Probieren wir's mit Gedankenspielen. Wie stünde Afrika heute da, hätten europäische Kolonialpiraten – abgesegnet von der Kirche – nicht über Jahrhunderte den Kontinent ausgeplündert? Sie holten die Kräftigsten und legten sie in Ketten. Geschätzte 25 Millionen Sklaven wurden aus Afrika über den Atlantik verschleppt.

Zurückbleiben mussten zerrissene, verstörte Dörfer und Gesellschaften. Später kamen sie noch unter das koloniale Joch europäischer Besatzer und Ausbeuter. Afrika – da sind sich Experten einig – wäre ohne Sklaverei und Kolonialismus heute ein ganz anderes.

Und in Übersee? Dort haben die Afrikaner zwangsläufig neue Wurzeln geschlagen, haben ihre Spuren hinterlassen. Meist im Verborgenen lebten sie ihre Religion, ihre Sprachen, ihre Kultur, ihren Rhythmus. Sie sangen, sie trommelten, sie tanzten – und bewahrten sich ihre Identität. Das Leben in der Karibik haben sie damit nachhaltig beeinflusst und verändert. Man könnte sagen: Jenseits des Atlantiks ist ein zweites Afrika entstanden. Das 23. Africa Festival auf den Talavera Mainwiesen in Würzburg gibt ihm besonderen Raum: Mit Musik, Karneval und Rum aus der Karibik. Mit Bildern, Filmen und Dokumentationen. Unter anderem widmet sich die Universität in ihrem Zelt der Geschichte der Sklaverei.

Bei prächtigem Festivalwetter werden bis zum Sonntag wie in den Vorjahren rund 100 000 Besucher erwartet. Sie kommen aus der Region, aus Deutschland, aus dem Ausland. Viele sind Stammgäste, freuen sich auf die Begegnung, auf den kulturellen Schmelztiegel. Gaby Jünger und Toni Hütz aus Hamburg zum Beispiel. Jahr für Jahr reisen sie an, genießen einen „entspannten Kurzurlaub mit wunderbaren Begegnungen und Rhythmen“.

Andere sind zum ersten Mal auf dem Gelände, wie eine Familie aus dem schwäbischen Feuerbach. Die vier wollen wiederkommen. „Eine tolle kulturelle Mischung“, freut sich der Papa und ist dankbar für den Hinweis auf die Kinderbetreuung. Fast 17 000 Besucher wurden allein schon am Donnerstag bis 18 Uhr gezählt. Ein ungewöhnlich starker Eröffnungstag.

Früh um 10 Uhr hatten rund 200 Menschen an der Kasse um Restkarten für die Abendkonzerte angestanden. Am Nachmittag waren nur noch Tickets für Freitag und Samstag zu haben. Dass das Africa Festival ein Ereignis von weit überregionalem Interesse ist, zeigt die Medienpräsenz: Laut Festivalsprecherin Sabrina Betz sind (Fernsehteams inklusive) rund 100 Journalisten akkreditiert.

Bei der offiziellen Eröffnung formulierte der Kultusminister von Trinidad und Tobago, Winston Peters (siehe Interview), unter dem Applaus der Geladenen die Bedeutung der Veranstaltung: „In einer globalisierten Welt trägt das Africa Festival dazu bei, dass Menschen voneinander lernen und die Verschiedenheit der Kulturen schätzen.“ Auch die Botschafter aus Kolumbien, Jamaika und Südafrika nahmen an der kompakten Eröffnungsfeier teil.

    
»Fotostrecke starten Fotogalerie
    


Den Preis für ihr Lebenswerk erhielt Calypso Rose (Trinidad), die große Dame der Calypso-Musik. Sie trat am Abend im großen Zirkuszelt auf – an ihrer Seite stand mit Winston Peters erstmals in der Festivalgeschichte ein Minister auch als Musiker auf der Bühne. Der weitere Festivalaward ging an die Fotografin Angele Etoundi Essamba, deren Frauenporträts bis 12. Juni im Würzburger Spitäle zu sehen sind.

Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal erinnerte an das Unrecht der Vergangenheit: „Europa hat andere Kulturen und Menschen verachtet.“ Das Africa Festival sei nicht nur eine kulturelle Veranstaltung. „Es hat auch eine politische Botschaft.“

Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Jungbauer
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein um zu bewerten)
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Termine Heute

 
    

Morgen

 
    

Suche

    
    

Live-Ticker 

    
Anzeige
    

s.Oliver Baskets TV

    
    

KLASSE! 

KLASSE!
Das Medienprojekt für Schulen - alle Informationen. »mehr
    
    

Gas

 
    

DSL

 
    

Strom

Gas
Tarifrechner
Kostenloser Gas-Tarifrechner mit allen aktuellen Anbietern und Tarifen.
Ihre PLZ
Verbrauch
    
    

Börsendaten

    
    

Anzeigen 

Traueranzeigen
Täglich aktuell auf mainpost.de: Traueranzeigen aus der Region.  »mehr
    
    

Pfiffikus - Zeitung für Kinder 

Die Zeitung für Kinder jetzt auch täglich im Internet auf mainpost.de lesen. »mehr
    
    

111 Dinge 

...die Sie in Mainfranken tun müssen:
Mit unserer großen Serie lernen Sie die Region neu kennen. »mehr
    
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr
    
    

Main-Post intern