Africa Festival

aktualisiert: 03.06.2011 08:42 Uhr
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Afro-karibische Brücke
Africa Festival
Ursprünglich, modern, international: Afrika hat viele Facetten. Bis Sonntag kann man ihnen in Würzburg begegnen.
Als wäre der Kontinent nicht gewaltig genug: Über eine Milliarde Menschen, über 2000 Sprachen, ein gutes Fünftel der globalen Landfläche. In fünf Wochen gründet sich mit dem Südsudan Afrikas 54. Staat. Als wäre dieser Kontinent nicht reich genug:
Die Wiege der Menschheit steht hier – dazu eine Geschichte mit hoch entwickelten Königreichen. Multinationale Konzerne und China strecken ihre Arme nach Bodenschätzen aus. Vom kulturellen und menschlichen Reichtum nicht zu reden. Und doch verlässt ausgerechnet das Würzburger Africa Festival – nach eigenen Angaben das größte seiner Art für afrikanische Musik und Kultur in Europa – diesen Kontinent und schwenkt vier Tage lang den Blick in die Karibik? Es gibt Gründe. Gute Gründe.
Probieren wir's mit Gedankenspielen. Wie stünde Afrika heute da, hätten europäische Kolonialpiraten – abgesegnet von der Kirche – nicht über Jahrhunderte den Kontinent ausgeplündert? Sie holten die Kräftigsten und legten sie in Ketten. Geschätzte 25 Millionen Sklaven wurden aus Afrika über den Atlantik verschleppt.
Zurückbleiben mussten zerrissene, verstörte Dörfer und Gesellschaften. Später kamen sie noch unter das koloniale Joch europäischer Besatzer und Ausbeuter. Afrika – da sind sich Experten einig – wäre ohne Sklaverei und Kolonialismus heute ein ganz anderes.
Und in Übersee? Dort haben die Afrikaner zwangsläufig neue Wurzeln geschlagen, haben ihre Spuren hinterlassen. Meist im Verborgenen lebten sie ihre Religion, ihre Sprachen, ihre Kultur, ihren Rhythmus. Sie sangen, sie trommelten, sie tanzten – und bewahrten sich ihre Identität. Das Leben in der Karibik haben sie damit nachhaltig beeinflusst und verändert. Man könnte sagen: Jenseits des Atlantiks ist ein zweites Afrika entstanden. Das 23. Africa Festival auf den Talavera Mainwiesen in Würzburg gibt ihm besonderen Raum: Mit Musik, Karneval und Rum aus der Karibik. Mit Bildern, Filmen und Dokumentationen. Unter anderem widmet sich die Universität in ihrem Zelt der Geschichte der Sklaverei.
Bei prächtigem Festivalwetter werden bis zum Sonntag wie in den Vorjahren rund 100 000 Besucher erwartet. Sie kommen aus der Region, aus Deutschland, aus dem Ausland. Viele sind Stammgäste, freuen sich auf die Begegnung, auf den kulturellen Schmelztiegel. Gaby Jünger und Toni Hütz aus Hamburg zum Beispiel. Jahr für Jahr reisen sie an, genießen einen „entspannten Kurzurlaub mit wunderbaren Begegnungen und Rhythmen“.
Andere sind zum ersten Mal auf dem Gelände, wie eine Familie aus dem schwäbischen Feuerbach. Die vier wollen wiederkommen. „Eine tolle kulturelle Mischung“, freut sich der Papa und ist dankbar für den Hinweis auf die Kinderbetreuung. Fast 17 000 Besucher wurden allein schon am Donnerstag bis 18 Uhr gezählt. Ein ungewöhnlich starker Eröffnungstag.
Früh um 10 Uhr hatten rund 200 Menschen an der Kasse um Restkarten für die Abendkonzerte angestanden. Am Nachmittag waren nur noch Tickets für Freitag und Samstag zu haben. Dass das Africa Festival ein Ereignis von weit überregionalem Interesse ist, zeigt die Medienpräsenz: Laut Festivalsprecherin Sabrina Betz sind (Fernsehteams inklusive) rund 100 Journalisten akkreditiert.
Bei der offiziellen Eröffnung formulierte der Kultusminister von Trinidad und Tobago, Winston Peters (siehe Interview), unter dem Applaus der Geladenen die Bedeutung der Veranstaltung: „In einer globalisierten Welt trägt das Africa Festival dazu bei, dass Menschen voneinander lernen und die Verschiedenheit der Kulturen schätzen.“ Auch die Botschafter aus Kolumbien, Jamaika und Südafrika nahmen an der kompakten Eröffnungsfeier teil.
Den Preis für ihr Lebenswerk erhielt Calypso Rose (Trinidad), die große Dame der Calypso-Musik. Sie trat am Abend im großen Zirkuszelt auf – an ihrer Seite stand mit Winston Peters erstmals in der Festivalgeschichte ein Minister auch als Musiker auf der Bühne. Der weitere Festivalaward ging an die Fotografin Angele Etoundi Essamba, deren Frauenporträts bis 12. Juni im Würzburger Spitäle zu sehen sind.
Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal erinnerte an das Unrecht der Vergangenheit: „Europa hat andere Kulturen und Menschen verachtet.“ Das Africa Festival sei nicht nur eine kulturelle Veranstaltung. „Es hat auch eine politische Botschaft.“
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