Africa Festival

aktualisiert: 07.06.2011 11:38 Uhr
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Leitartikel: Austausch auf Augenhöhe
Das Africa Festival und die globale Verständigung
Machen wir an dieser Stelle ausnahmsweise einen Test. Dazu ein Schlagwort: Afrika. Was verbinden Sie damit? Löwen und Elefanten? Wüste und Urwald? Trommeln und wilde Tänze? Hunger und Aids? Kriege und Katastrophen? Womit nur die gängigsten Schablonen genannt seien, derer wir uns im Zusammenhang mit dem schwarzen Kontinent bedienen. Wir nutzen diese Schablonen für das Unbekannte, für das Fremde – als Hilfsmittel, um uns ein Bild zu machen.
Was herauskommt, ist Einbildung. Als gäbe es das eine Afrika und nicht eine unendliche Vielfalt an Lebensformen zwischen Kairo und Kapstadt, zwischen Nairobi und Dakar. Ehrlich dagegen wäre das Eingeständnis, wenig zu wissen. Wenig zu verstehen. Und umso neugieriger auf Afrikas Menschen, seine Kulturen und Gesellschaften zuzugehen. Das Africa Festival, zu dem in den vergangenen vier Tagen rund 100 000 Besucher nach Würzburg kamen, war erneut eine wunderbare Gelegenheit dazu. Eine kunterbunte Plattform der Begegnung.
Wer verstehen will, muss zuhören. Gegenüber Afrika wird uns dies erschwert durch ein eurozentriertes Zerrbild, das insbesondere die Medien transportieren. Schriftsteller Henning Mankell – er lebt abwechselnd in Schweden und in Mosambik – formuliert das folgendermaßen: „Solange wir akzeptieren, dass die Afrika-Bilder vom Leiden, vom Sterben beherrscht sind, werden wir die Afrikaner nicht als ebenbürtig betrachten.“ Dies nährt Arroganz, wo mehr Demut geboten wäre. Wo Europa und die industrialisierte Welt sich selbstkritisch fragen müssten, ob unser ressourcenfressender Lebensstil zur Nachahmung taugt. Aber, um bei Mankell zu bleiben: „Warum soll man einem ausgemergelten Menschen zuhören, der mit so leiser Stimme spricht, dass man ihn kaum verstehen kann?“
Das Würzburger Africa Festival trägt seit 22 Jahren zu einem differenzierteren Bild bei, indem es die Schönheit, den kulturellen und menschlichen Reichtum Afrikas in den Mittelpunkt rückt. Und: Indem es Themen setzt und kritisch hinterfragt. Wie gestern den Wüstenstrom aus der Sahara. Zuhören – nicht nur den Musikgruppen auf der Bühne. Zuhören den Tuareg, die vom Nomadenleben erzählen. Zuhören den Wissenschaftlern, die Afrikas Ausbeutung durch die Sklaverei früher beleuchten. Zuhören dem Menschenrechtler aus Mauretanien, der über Sklaverei heute berichtet.
Und doch stößt das Africa Festival an Grenzen. Dass es in diesem Jahr nur eine Podiumsdiskussion gab statt wie früher drei, erklärt Festivalchef Stefan Oschmann mit fehlendem Personal. Auch die lokalen Eine-Welt-Initiativen waren diesmal nicht mit einem Zelt vertreten, „aus organisatorischen Gründen“. Es wäre bedauerlich, sollte die Veranstaltung inhaltlich bröckeln. Hier ist Oschmann, Gründer und zentrale Figur des Festivals, gefordert: Als Netzwerker, der für andere Afrika-Initiativen offen ist. Der auf sie zugeht und deren Kompetenz nutzt. Man denke an die Städtepartnerschaft zwischen Würzburg und Mwanza (Tansania) oder das außergewöhnliche Projekt des Mainfranken Theaters in Burkina Faso. Es gibt viele Würzburger Brücken über den Main nach Afrika – und keine Exklusivrechte.
Das Africa Festival hat wieder vier Tage internationales Flair in die Stadt gebracht und auf das Gelände – wie vielfach bekundet – eine überaus freundliche und entspannte Atmosphäre. Auf der einen Mainseite das fränkische Weindorf, am anderen Ufer Afrika. Schöner kann Globalisierung kaum sein.
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