WÜRZBURG

Deutsche Richter würdigen iranischen Anwalt

Dankbar, ein wenig stolz und sichtlich gerührt hat der iranische Rechtsanwalt Nasser Zarafshan im Congress Centrum Würzburg den Menschenrechtspreis 2007 des Deutschen Richterbundes entgegen genommen.
Richtertag
Rechtsanwalt Nasser Zarafshan aus dem Iran wurde in Würzburg mit dem Menschenrechtspreis des Deutschen Richterbundes aus... Foto: FOTOs (3) Norbert Schwarzott

Bis zuletzt war es nicht sicher, ob die iranischen Behörden Nasser Zarafshan für die Preisverleihung ausreisen lassen. Der 60-Jährige setzt sich in seiner Heimat als Rechtsanwalt vor allem für die Rechte von Frauen und religiösen Minderheiten ein und versucht, Menschenrechtsverletzungen vor Gericht zu bringen. Als er die Familien von Opfern politisch motivierter Morde als Anwalt vertrat, wurde immenser Druck auf ihn ausgeübt. Im März 2002 wurde Zarafshan in einem Geheimprozess vor einem Militärgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt. Trotz schwerer gesundheitlicher Probleme durfte der politische Gefangene sich keiner fachärztlichen Untersuchung unterziehen. Erst seit dem 15. März ist der Jurist und Menschenrechtsaktivist wieder frei und kämpft jetzt um die Wieder-Zulassung als Rechtsanwalt.

Dass der 60-Jährige die Auszeichnung in Würzburg persönlich entgegen nehmen konnte, hat er seinem Einfallsreichtum zu verdanken. Statt das gebuchte Flugzeug zu besteigen, habe der Anwalt einen Umweg genommen, erklärte der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Christoph Frank, der Festversammlung. „Das hat es seinen Begleitern schwer und uns leichter gemacht“.

Hertha Däubler-Gmelin, Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestags, hielt die Laudatio auf Nasser Zarafshan. Mit deutlichen Worten warnte die SPD-Politikerin und ehemalige Bundesjustizministerin vor den Gefahren, die entstehen, wenn man „Staat und Religion als Einheit begreift“. Nur die Trennung schaffe „den Raum für Menschenrechte“.

Preisträger Nasser Zarafshan lobte die Laudatorin für seinen Mut und sein Engagement für Recht und Gesetz im Iran. Mit seiner ungebeugten Haltung stehe der Aktivist „in einer eindrucksvollen Reihe großer Männer und Frauen, die in ihren Ländern unter schwierigsten Bedingungen für die Menschenrechte eintreten“.

Zarafshan dankte dem Deutschen Richterbund und Amnesty International für die Hilfe und Solidarität während seiner Haft und strahlte Optimismus aus. Deutschland im 20. Jahrhundert sei „ein anschauliches Beispiel“ dafür, dass „sich bestehende Verhältnisse immer ändern können“. Gleichzeitig kritisierte der Jurist, der auf die aktuelle Lage im Iran nicht einging, dass es in den letzten Jahren „sogar in westeuropäischen Staaten Einschränkungen von Bürgerrechten und Freiheiten unter dem Vorzeichen des Kampfes gegen den Terrorismus gegeben“ habe.

Zarafshan betonte, dass Menschenrechte „eine Angelegenheit der Menschen selbst“ seien. Deshalb wolle er im Iran „eine Basis für die Menschenrechtsbewegung in der Bevölkerung aufbauen“.

Den Menschenrechtspreis des Richterbundes nannte Zarafshan eine Unterstützung nicht nur seiner Person, sondern auch der Menschenrechtsbewegung im Iran.

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Richtertag in Würzburg - Teil 2 (Preisverleihung)

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