BAD KISSINGEN

Das Geld reicht nicht für Kinderspielzeug

Jennifer möchte auch gern für die Schule so ein Diddl-Mäppchen wie ihre große Schwester Julia hat. Am liebsten auch eines in rosa. Doch für neue Diddl-Sachen ist nur noch selten Geld da, seit Papa Jürgen arbeitslos ist (alle Namen geändert, die Red.).
Wie viele kleine Mädchen stehen Jennifer und Julia auf Diddl-Sachen. Doch für solche Wünsche haben ihre Eltern fast nie ... Foto: FOTO Wahler-Göbel

„Mit einem gequetschten Finger ging alles los“, erzählt der 40-jährige Vater. Ein Arbeitsunfall im Sommer, während einer Speditionsfahrt durch Europa. Beim Verladen ist es passiert. „Äußerlich hat man erst mal gar nichts gesehen“, erinnert sich der ehemalige Lastwagenfahrer. Nur der Schmerz war heftig, und er blieb es auch, während Jürgen seine Tour noch Tage fortsetzte.

Der gequetschte Finger entpuppt sich als komplizierter Trümmerbruch und muss in einer Klinik für Handchirurgie operiert werden. Danach ist Jürgen mehrere Monate krank geschrieben. „Er macht halt keine halben Sachen“, sagt seine Frau Manuela mit Selbstironie in der Stimme. Im September wird Jürgen gekündigt, seitdem ist er arbeitslos.

„Ich hatte schon damit gerechnet, dass das Endglied runter muss“, sagt Jürgen und zeigt den gequetschten Finger. Bewegen kann er ihn wieder, „aber wer nimmt mich jetzt noch?“, fragt er. „Wer gibt mir die Chance, wieder neu einzusteigen ins Berufsleben?“ Eigentlich sei er gesundheitlich ansonsten fit.

Seine Tochter Julia, die in die zweite Klasse geht, macht am Küchentisch Hausaufgaben. In der Schule hat sie von der Heiligen Elisabeth gehört, die armen Menschen geholfen hat. Julia malt ein Arbeitsblatt dazu aus, zeigt stolz die Stifte aus ihrem rosafarbenen Diddl-Mäppchen. Sie hat es vor kurzem zum Geburtstag bekommen.

Finanziell richtig rosig war es noch nie, meint Manuela. Sie steht jeden Morgen um drei Uhr auf und trägt zwei Stunden Zeitungen im Ort aus. „Ein kleiner Zuverdienst“, sagt sie, während sie einen Schluck heißen Tee trinkt. Das Haus, das sie im Landkreis Bad Kissingen gemietet haben, ist nicht im besten Zustand, und das Auto fährt nur noch, „bis der TÜV uns scheidet“, sagt Jürgen. Er rechnet damit, dass es bald soweit sein wird.

„Vor dem Euro hatte man mit 100 Mark noch was im Einkaufswagen drin“, meint der 40-Jährige. Seit zwei Jahren fährt die Familie regelmäßig zur Kissinger Tafel. „Bald backen wir da Plätzchen“, erzählt Julia begeistert von einem Angebot für Kinder. „Gekocht haben wir auch schon mal“, erinnert sich die sechsjährige Jennifer. „Mmmhhh, Spaghetti.“

Zu Hause essen die Mädchen am liebsten Mamas Pfannkuchen oder Grießbrei. „Und die Obstspieße vom Power-Frühstück in der Schule“, plappert Julia munter weiter. Sie geht gern mit ihrer Schwester und ihren Freundinnen auf den Spielplatz im Ort. Im Sommer war sie das erste Mal im Terrassenbad in Bad Kissingen. Die Tante hatte sie mitgenommen, sagt Julia. „Das war toll, da würde ich gern öfter hin.“

Manuela legt Holz nach im Ofen. Ihre frühere Ausbildung konnte sie wegen einer Allergie nicht abschließen, erzählt sie. Das älteste Kind Andreas, vor kurzem volljährig geworden, ist erst mal in einem Berufsförderungsprogramm untergekommen.

Julia hat ihr Bild von der Heiligen Elisabeth fertig gemalt. Jetzt hat sie wieder Zeit zum Spielen. Puppen mag sie, Lego und auch Puzzle. Was sie sich zu Weihnachten wünscht? Die Antwort kommt prompt. „Am liebsten was von Diddl.“

Rückblick

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  2. Aktion Patenkind: Spendable Leser helfen
  3. Gebeugt von Schicksalsschlägen
  4. Standpunkt: Was heißt da „helfen“?
  5. Das Büro ist wieder besetzt
  6. Melden Sie sich, wir machen dann das Foto
  7. Der Kampf gegen die Armutsspirale
  8. Wenn eine Tafel Schokolade Luxus ist
  9. Von Narben gezeichnet
  10. Menschen in Not die Hand reichen
  11. Standpunkt: Helfen als Mode?
  12. Wir kommen gern, wenn Sie uns rufen
  13. Start der Aktion Patenkind
  14. Gemeinde Rödelsee zeigt Herz
  15. Bernd K. und sein mühsamer Weg aus der Depression
  16. 500 Euro für die Aktion Patenkind
  17. Schicksalsschläge hörten nicht auf
  18. Beim Feiern an Menschen in Not denken
  19. Bibi und die Weihnachtsspende
  20. Erst backen, dann spenden
  21. Patenkind intern: Über den Tag hinaus
  22. 305 000 Euro für die Patenkinder
  23. Ein Renault für den guten Zweck
  24. Aktion Patenkind: Kein Geld für das Töchterchen
  25. Das Spenden-Label hilft
  26. Aktion Patenkind bittet wieder um Spenden für Menschen
  27. Sie rufen an, wir kommen
  28. Eine Familie in großen Nöten
  29. Aktion Patenkind: Spendendaten
  30. Aktion Patenkind: Hilfsaktion geht weiter
  31. Leben in einer schimmeligen Baustelle
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  33. Aktion Patenkind: Ohne die Leser läuft nichts
  34. Damit Viktor es eines Tages besser hat
  35. „Wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt“
  36. Das Geld reicht nicht für Kinderspielzeug
  37. Aktion Patenkind: Andere nicht alleine lassen
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