BAD KISSINGEN

Bernd K. und sein mühsamer Weg aus der Depression

Der Mann, der die Wohnungstür öffnet, ist auffallend hübsch. Er trägt Jeans und T-Shirt und ein wenig Gel in den Haarspitzen. Ein schlanker Typ mit einem sympathischen Lächeln. Bernd K. (Name geändert) gehört zu jenen Menschen, denen man auf den ersten Blick nicht ansieht, was sie alles mit sich herumschleppen.

K. ist 37 Jahre alt und Frührentner. Vor drei Jahren bekam der gelernte Handwerker aus dem Landkreis Bad Kissingen die Diagnose Multiple Sklerose. Seitdem, sagt K., „ist in meinem Leben nichts mehr, wie es war“.

Durch die Krankheit hat der 37-Jährige seinen Job verloren und bekam Depressionen. Seine Augen haben stark an Sehkraft eingebüßt. Seine Frau hat ihn mit den drei gemeinsamen Kindern verlassen. Zeitweise war K. obdachlos und hatte keinen Euro mehr in der Tasche. Dass er seine Kinder kaum noch sieht, ist für ihn am schlimmsten. Schon mehrere Male hat er versucht, sich das Leben zu nehmen.

Doch wenn man sich mit Bernd K. unterhält, wird klar: Im Grunde seines Herzens will er leben, nicht tot sein. Ab Januar hat er einen Platz in einer psychosomatischen Klinik, die auf MS-Patienten spezialisiert ist. „Darauf arbeite ich hin, bis dahin muss ich jetzt durchhalten.“

Während Bernd K. seine Geschichte erzählt, laufen ihm immer wieder die Tränen über das Gesicht. Eine Psychotherapie, meint er, helfe ihm seit einigen Monaten, seine Vergangenheit anzuschauen. K. weiß heute, dass von klein auf vieles nicht gut bei ihm gelaufen ist und dass er auch selbst nicht verantwortungsbewusst mit sich umgegangen ist. „Zuviel Alkohol und Drogen“, sagt er.

„Manche Tage bin ich nur im Loch“, sagt Bernd K. einerseits. Dann ist der erste Gedanke am Morgen: irgendwie den Tag durchstehen. Andererseits kann er sehen, dass es trotz des Schicksals, das über ihn hereingebrochen ist, auch Schritte heraus aus dem Loch gibt. „Vor kurzem habe ich zum ersten Mal in meinem Leben meine Mutter umarmt.“ Man spürt, wie wichtig dem 37-Jährigen diese Erfahrung ist. „Ich hoffe, wir finden neu zueinander.“ Und auch in einer ehrenamtlichen Gruppe engagiert sich der Mann seit einiger Zeit. „Das macht mir Spaß und gibt mir Sinn.“

Mit seiner Rente kommt der 37-Jährige finanziell kaum über die Runden. Dass er überhaupt wieder ein Dach über dem Kopf hat, hat er einer Stiftung zu verdanken, die MS-Patienten unterstützt. Die hat die Kaution für die Wohnung übernommen und ihm auch Möbel besorgt. „Aber es fällt mir sehr schwer, etwas von anderen anzunehmen.“ Wenn K. an Weihnachten denkt, wird ihm mulmig, bekommt er Schweißausbrüche. „Ich würde wenigstens meinen Kindern gern etwas schenken.“ Doch der 37-Jährige weiß nicht einmal, ob er seine Kinder überhaupt treffen kann.

Rückblick

  1. Aktion Patenkind betreut Menschen mit den unterschiedlichsten Problemen
  2. Aktion Patenkind: Spendable Leser helfen
  3. Gebeugt von Schicksalsschlägen
  4. Standpunkt: Was heißt da „helfen“?
  5. Das Büro ist wieder besetzt
  6. Melden Sie sich, wir machen dann das Foto
  7. Der Kampf gegen die Armutsspirale
  8. Wenn eine Tafel Schokolade Luxus ist
  9. Von Narben gezeichnet
  10. Menschen in Not die Hand reichen
  11. Standpunkt: Helfen als Mode?
  12. Wir kommen gern, wenn Sie uns rufen
  13. Start der Aktion Patenkind
  14. Gemeinde Rödelsee zeigt Herz
  15. Bernd K. und sein mühsamer Weg aus der Depression
  16. 500 Euro für die Aktion Patenkind
  17. Schicksalsschläge hörten nicht auf
  18. Beim Feiern an Menschen in Not denken
  19. Bibi und die Weihnachtsspende
  20. Erst backen, dann spenden
  21. Patenkind intern: Über den Tag hinaus
  22. 305 000 Euro für die Patenkinder
  23. Ein Renault für den guten Zweck
  24. Aktion Patenkind: Kein Geld für das Töchterchen
  25. Das Spenden-Label hilft
  26. Aktion Patenkind bittet wieder um Spenden für Menschen
  27. Sie rufen an, wir kommen
  28. Eine Familie in großen Nöten
  29. Aktion Patenkind: Spendendaten
  30. Aktion Patenkind: Hilfsaktion geht weiter
  31. Leben in einer schimmeligen Baustelle
  32. Aktion Patenkind: Hilfsaktion geht weiter
  33. Aktion Patenkind: Ohne die Leser läuft nichts
  34. Damit Viktor es eines Tages besser hat
  35. „Wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt“
  36. Das Geld reicht nicht für Kinderspielzeug
  37. Aktion Patenkind: Andere nicht alleine lassen
  38. Aktion Patenkind: „Ich spende aus Überzeugung“
  39. Aktion Patenkind: Gutes tun mit der Turbo-Party
  40. Aktion Patenkind: Wir wollen ohne Umwege spenden
  41. Aktion Patenkind: Wir wollen ohne Umwege spenden
  42. Aktion Patenkind: Wir wollen ohne Umwege spenden
  43. Helfen hilft weiter
  44. Thema intern: Vom Geben und Nehmen
  45. Das Büro ist wieder besetzt
  46. Kontakt
  47. Helfen hilft weiter
  48. Das Büro ist wieder besetzt
  49. Thema intern: Vom Geben und Nehmen
  50. Wenn man keine Hoffnung hat

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