RHÖN-GRABFELD

Wenn eine Tafel Schokolade Luxus ist

„Ich habe nicht gedacht, dass es finanziell so schwierig wird“, erzählt Elke Richter (Name von der Redaktion geändert). Nach der Scheidung von ihrem Mann, der gerne dem Alkohol zugesprochen hat, ist sie in ein riesiges Loch gefallen. Sowohl emotional als auch finanziell. Eine Arbeit findet sie nicht in der ländlichen Gegend der Rhön, zumal sie kein Auto hat.

Schwierig ist der Alltag für die dreifache Mutter besonders in der Weihnachtszeit, wenn überall die schönsten Geschenke in den Läden warten – und Elke Richter und ihre Kinder wissen, dass sie nicht unter ihrem Weihnachtsbaum landen werden.

Täglich kommen neue Herausforderungen auf die Mutter zu. „Meine Große hat nächstes Jahr Kommunion. Und ich muss jetzt schon dafür Geld auf die Seite legen.“ Vor kurzem war Elternabend, daran konnte Elke Richter nicht teilnehmen. Sie hatte einfach nicht das Geld für einen Babysitter. „Das kostet mich so viel wie ein Wocheneinkauf“, sagt sie. Und auf die Unterstützung von Oma und Opa oder anderer Verwandtschaft kann sie nicht bauen. Sie leben nicht in der Nähe.

Oft fühlt sich die dreifache Mutter alleine. Keiner ist da, mit dem sie ihre Sorgen und Nöte besprechen kann. Da ist Elke Richter froh, dass sie Hilfe bei einem Wohlfahrtsverband im Landkreis bekommt. Dort komme sie mit anderen Leuten in Kontakt, die in ähnlicher Situation sind wie sie, und kann sich mit ihnen austauschen. „Wenn es hilft, ist es gut, wenn nicht, muss ich mir etwas anderes einfallen lassen“, sagt sie pragmatisch.

Große Schwierigkeiten hat Richter, ihren Kindern Sachen zu ermöglichen, die sie brauchen. 30 Euro für einen Schulausflug muss sie sich vom Mund absparen, ihre Kinder mit Winterkleidung ausstatten „geht nicht einfach so“. Von den Winterjacken, die in den Bekleidungsgeschäften in Massen hängen, können ihre drei Kinder nur träumen. „Ich muss im Secondhand-Laden schauen“, erzählt sie niedergeschlagen.

Die Familie hat nicht nur mit einem knappen Budget zu kämpfen, auch die Reaktionen anderer Leute belasten sie. „Wenn ein Vermieter sagt, dass in der Wohnung Tiere erlaubt sind, Kinder aber nicht, trifft mich das sehr“, gesteht sie.

„Meine Kinder sind betroffen, wenn sie etwas wollen, es aber nicht bekommen können.“ Aber dann kommt auf das Gesicht der Mutter, das oft von Sorgenfalten gezeichnet ist, ein Lächeln. Als ein Fremder ihren Kindern im Supermarkt ein Überraschungsei gekauft hat, haben sie es für eine besondere Gelegenheit aufgehoben.

Auch wenn ihre Kinder rücksichtsvoll sind und um die angespannte finanzielle Lage ihrer Mutter wissen, leiden sie oft darunter. Ihr Sohn habe bei einem Schnuppertraining in einem Sportverein mitgemacht. Der Jahresbeitrag kostet aber so viel, wie sie vom Vater des Kindes Unterhalt bekommt. „Dafür bleibt einfach kein Geld übrig“, macht Elke Richter klar. „Ich muss erst schauen, dass die Kinder was Warmes auf dem Tisch zu essen haben, dann wird Luxus gekauft.“ Luxus sind für die Richters solche Dinge wie mal eine Tafel Schokolade.

Mieten steigen und Energie wird immer teurer. Deshalb in die Schuldenfalle zu tappen, davor hat Elke Richter große Angst. Mit diesem Thema wurde sie bereits auf schmerzliche Art konfrontiert. Vor ein paar Jahren kurz vor Weihnachten wurde bei der Familie der Strom abgestellt. „Das war besonders schlimm.“ Wo sie noch sparen soll, weiß die alleinerziehende Mutter nicht. Sie habe kein Auto, kein Telefon und Internet. Auch bei den Lebensmitteln spart sie, wo es nur geht. Ohne die Hilfe der Tafel müssten sie auf vieles verzichten. „Ich habe einige Anläufe gebraucht, dorthin zu gehen, jetzt ist es aber zum wöchentlichen Ritual geworden“, erzählt sie.

Den Mut hat Elke Richter dennoch nicht verloren – allein schon für ihre drei Kinder muss sie stark bleiben. „Man wächst täglich mit seinen Aufgaben“, blickt sie zuversichtlich in die Zukunft. Und nach dem größten Wunsch für Weihnachten gefragt, muss Elke Richter nicht lange überlegen: „Ich wünsche mir einfach, dass uns die Leute so akzeptieren, wie wir sind.“

Aktion Patenkind: Hoffnung für Menschen in Not

Angst vor der Zukunft, manchmal nicht wissen, wie es weitergehen soll – die Mutter, um die es im nebenstehenden Text geht, ist nicht alleine damit. Bei der Aktion Patenkind melden sich täglich Menschen, denen es schlecht geht. Menschen, denen finanzielle Sorgen schlaflose Nächte bereiten. Alleinerziehende Mütter, die sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder machen. Alte Leute, die der Gedanke an ein einsames Weihnachten traurig macht.

Die Aktion Patenkind kann keine schwierigen Lebenssituationen grundlegend verbessern. Aber sie kann mit den Spenden der Leserinnen und Leser ein bisschen Hoffnung geben. Denn die Einkaufsgutscheine und Überweisungen sorgen nicht nur für ein schönes Weihnachtsfest. Sie zeigen Menschen in Not, dass jemand an sie denkt.

 

Rückblick

  1. Aktion Patenkind betreut Menschen mit den unterschiedlichsten Problemen
  2. Aktion Patenkind: Spendable Leser helfen
  3. Gebeugt von Schicksalsschlägen
  4. Standpunkt: Was heißt da „helfen“?
  5. Das Büro ist wieder besetzt
  6. Melden Sie sich, wir machen dann das Foto
  7. Der Kampf gegen die Armutsspirale
  8. Wenn eine Tafel Schokolade Luxus ist
  9. Von Narben gezeichnet
  10. Menschen in Not die Hand reichen
  11. Standpunkt: Helfen als Mode?
  12. Wir kommen gern, wenn Sie uns rufen
  13. Start der Aktion Patenkind
  14. Gemeinde Rödelsee zeigt Herz
  15. Bernd K. und sein mühsamer Weg aus der Depression
  16. 500 Euro für die Aktion Patenkind
  17. Schicksalsschläge hörten nicht auf
  18. Beim Feiern an Menschen in Not denken
  19. Bibi und die Weihnachtsspende
  20. Erst backen, dann spenden
  21. Patenkind intern: Über den Tag hinaus
  22. 305 000 Euro für die Patenkinder
  23. Ein Renault für den guten Zweck
  24. Aktion Patenkind: Kein Geld für das Töchterchen
  25. Das Spenden-Label hilft
  26. Aktion Patenkind bittet wieder um Spenden für Menschen
  27. Sie rufen an, wir kommen
  28. Eine Familie in großen Nöten
  29. Aktion Patenkind: Spendendaten
  30. Aktion Patenkind: Hilfsaktion geht weiter
  31. Leben in einer schimmeligen Baustelle
  32. Aktion Patenkind: Hilfsaktion geht weiter
  33. Aktion Patenkind: Ohne die Leser läuft nichts
  34. Damit Viktor es eines Tages besser hat
  35. „Wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt“
  36. Das Geld reicht nicht für Kinderspielzeug
  37. Aktion Patenkind: Andere nicht alleine lassen
  38. Aktion Patenkind: „Ich spende aus Überzeugung“
  39. Aktion Patenkind: Gutes tun mit der Turbo-Party
  40. Aktion Patenkind: Wir wollen ohne Umwege spenden
  41. Aktion Patenkind: Wir wollen ohne Umwege spenden
  42. Aktion Patenkind: Wir wollen ohne Umwege spenden
  43. Helfen hilft weiter
  44. Thema intern: Vom Geben und Nehmen
  45. Das Büro ist wieder besetzt
  46. Kontakt
  47. Helfen hilft weiter
  48. Das Büro ist wieder besetzt
  49. Thema intern: Vom Geben und Nehmen
  50. Wenn man keine Hoffnung hat

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