Berlin (dpa/tmn)

Daheim sterben oder im Hospiz? Wille des Patienten ist entscheidend

Für viele sterbenskranke Menschen ist es eine schreckliche Vorstellung, ihr Lebensende im Krankenhaus zu verbringen. Die Klinik als letzte Station lässt sich vermeiden, wenn beizeiten ein Platz im Hospiz oder eine gute Betreuung organisiert wird.

 

Daheim sterben oder im Hospiz?
Schmerztherapie und gute Pflege allein reichen nicht: Sterbenskranke brauchen auch Gesellschaft und Geborgenheit.

Ein Lebensende in Würde: Für schwer kranke Menschen bedeutet das oft, ihre letzten Tage im Kreise ihrer Angehörigen verbringen zu können. Das kann zuhause, in einem Hospiz oder auch auf einer Palliativstation sein. «Viele Patienten sagen, im Krankenhaus war ich lange genug», erläutert Benno Bolze vom Deutschen Hospiz- und Palliativverband in Berlin. Sie möchten zum Sterben zurück in die eigenen vier Wände. Für die Angehörigen bedeutet dies, dass sie ein ganzes Versorgungsnetzwerk organisieren müssen, damit der Patient seinen Wünschen und Bedürfnissen entsprechend versorgt werden kann.

Wer ohne Hilfe von außen einen Sterbenskranken betreuen will, läuft Gefahr, sich zu verausgaben. Dadurch leide aber auch die Beziehung zum Angehörigen, warnt die Verbraucherzentrale Hamburg in einem Ratgeber zum Thema Sterbebegleitung. Die gemeinsame Zeit könne schlimmstenfalls nicht mehr miteinander genutzt werden.

Erste Ansprechpartner sind Pflegedienste und ein - möglichst schmerztherapeutisch geschulter - Hausarzt. Aber auch die Angehörigen müssen wissen, wie mit den Medikamenten umzugehen und was bei Schmerzattacken zu tun ist. Doch eine gute Begleitung in den letzten Tagen und Wochen erfordert oft mehr: «Sterbebegleitung bedeutet für mich die bestmögliche medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Betreuung von schwer kranken Menschen und ihren Angehörigen», erläutert Prof. Friedemann Nauck, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.

Hilfe bieten in dieser Situation auch ambulante Hospizdienste. Neben hauptamtlichen, vor allem beratend tätigen Mitarbeitern vermitteln sie auch ehrenamtliche Helfer. Diese können Sterbenskranken Gesellschaft leisten, Einkäufe oder Aufgaben im Haushalt übernehmen. Wenn eine Versorgung zuhause nicht möglich ist oder der Betroffene das nicht will, kommt ein Hospiz infrage. «Ins stationäre Hospiz kann man nicht eingewiesen werden», betont Bolze. Die Erkrankung muss unheilbar und weit fortgeschritten sein, weiter fortschreiten und der Patient nur noch eine Lebenserwartung von wenigen Monaten haben.

Im Durchschnitt bleiben die jährlich rund 19 000 Hospizpatienten 19 Tage dort. Nicht immer ist der Tod das Ende ihres Aufenthalts: Manche von ihnen werden auch wieder entlassen, weil sich ihr Zustand so stabilisiert hat, dass sie die letzte Phase ihres Lebens daheim verbringen können. «Jeder lebt anders und stirbt anders», begründet Bolze den verständlichen Wunsch, nicht bis zum Ende im Hospiz bleiben zu wollen.

Den Patienten soweit zu stabilisieren, dass er wieder nach Hause kann, sei auch das Ziel der Palliativstation einer Klinik, sagt Nauck. Dorthin kommt, wessen Symptome zuhause, in einer Pflegeeinrichtung oder auf einer allgemeinen Station nicht ausreichend gelindert werden können und bei denen eine Krankenhausbehandlung nötig ist. Nauck beschreibt Palliativstationen deshalb als eine Art Kriseninterventionsstation. Er schränkt zugleich ein: «Palliativstationen sind keine Sterbestationen - aber Stationen, auf denen gestorben werden darf.»

Service:

Verbraucherzentrale Hamburg: Bleib bei mir, wenn ich Abschied nehme. Ratgeber für Schwerkranke, Angehörige und ehrenamtliche Hospizhelfer, 100 S., Euro 5,90


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