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PROGRAMM

Termin: Freitag, 11. November 2011
Beginn: 20 Uhr
Ort: Vogel Convention Center
   
  Anfahrtsplan (PDF)
   
Prager Kammerphilharmonie
   
Solist: Katarzyna Mycka, Marimba
Gábor Boldoczki, Trompete
   
Programm: J. S. Bach (1685-1750)
3. Brandenburgisches Konzert BWV 1048
Emmanuel Séjourne (*1961)
Konzert für Marimba und Streichorchester
G. F. Händel (1685-1759)
Suite für Trompete, Streicher und Basso Continuo
Ney Rosauro (*1952)
Konzert für Marimba und Streichorchester
G. Donizetti (1797-1848) Concertino für Trompete und Streicher in G-Dur (orig. für Englisch Horn)
E. Grieg (1843 – 1907)
Aus Holbergs Zeit: Suite im alten Stil op. 40
   
Konzertende: ca. 22.30 Uhr, anschließend Spendenübergabe und Ausklang mit Gesprächen und Gaumenfreuden
   
 Eintritt: 80,00 Euro (mit Speisen und Getränken)
Für Mitarbeiter der vier Veranstalter: 60,00 Euro
   

Zu den Werken:

Johann Sebastian Bach
Brandenburgisches Konzert Nr. 3 G-Dur BWV 1048

Im Jahr 1721 erhielt Johann Sebastian Bach vom Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg den Auftrag, ihm einige Werke für sein Orchester zu schicken, das er an seinem Hof unterhielt. Bach, damals Kapellmeister im anhaltinischen Koethen, kam diesem Wunsch nach und sandte sechs recht verschiedenartige Konzerte, die er anscheinend in den unmittelbar vorangegangenen Monaten geschrieben hatte. Die französisch gehaltene Widmung lautet: „Six concerts avec plusieurs instruments dédiées à son Altesse Royale Monsigneur Chrétien Louis, Markgraf de Brandenbourg“. Der heute gebräuchliche Titel für diese sechs Werke, nämlich Brandenburgische Konzerte, stammt also nicht vom Komponisten. Die Werke scheinen am brandenburgischen Hof nicht sonderlich erfolgreich gewesen zu sein; weder ist das Datum einer Aufführung festgehalten, noch finden sie sich in den Inventarlisten. Vielleicht sind sie, wie der Musikwissenschaftler, Organist und Arzt Albert Schweizer in seiner Bach-Biographie meint, unter den „77 Konzerten verschiedener Meister“, die in den Inventarlisten mit einem Gesamtwert von „zwölf Talern“ ausgewiesen sind, oder gar unter den „hundert Konzerten, die nur auf 16 Taler geschätzt wurden – was umgerechnet auf jedes Werk eine geradezu niederschmetternde Summe ausmacht. Das dritte Konzert dieser Reihe, dessen Orchester sich aus je drei Violinen, Violen und Violoncelli sowie Streichern und Cembalo im Tutti-Part zusammensetzt hat einen festlichen und bewegten Charakter. Formell stellt es – ebenso wie sein Schwesterwerk, das erste Brandenburgische Konzert – eine Ausnahme dar, weil es nur aus zwei Sätzen besteht. Der erste Satz beruht auf einem breit angelegten, kraftvoll-federnden Thema. Es durchläuft eine Reihe von Variationen und verdichtet sich im weiteren Verlauf dramatisch, ohne jedoch deshalb seinen heiteren Grundcharakter zu verlieren. An der Stelle, an der ansonsten der langsame Satz steht, setzt Bach hier nur zwei Akkorde in einem einzigen Adagio-Takt – als Überleitung, Innehalten und Ruhepunkt gewissermaßen. Das Allegro, das unmittelbar darauf einsetzt, ist fröhlich und graziös. Sein Zwölf-Achteltakt und seine fließende, ununterbrochene Bewegung in Sechzehnteln verleihen ihm eine tänzerische Leichtigkeit. Das Konzert entfernt sich vom damals üblichen Grundtypus des Concerto grosso, aber auch vom Solistenkonzert, denn eigentlich lässt sich von einer Gegenüberstellung, einem musikalischen Wettstreit der beiden Gruppen Soli/Tutti im herkömmlichen Sinne nicht sprechen.

Emmanuele Séjourne
Marimbakonzert

Er ist ein Grenzgänger zwischen den musikalischen Welten und den Welten der Kunst insgesamt, der französische Komponist Emmanuele Séjourne – nicht festzulegen auf ein Genre der Musik, einer Spielart der Kunst insgesamt. Umreißen könnte man sein bisheriges Werk vielleicht noch am besten mit dem postmodernen englischen Begriff „fusion“. Und dabei „fusioniert“ er nicht nur innerhalb der Musik, sondern überschreitet auch deren Grenzen, liebt Sparten überschreitende Projekte, bei denen die Musik etwa mit den bildenden Künsten, dem Theater, dem Tanztheater und auch dem Film in Dialog tritt. Für ihn gelten auch keine musikalischen Genregrenzen, wie wir sie in Deutschland so hinlänglich kennen und pflegen: Ernste Musik und Unterhaltungsmusik, Kunstmusik und Kitsch, Klassik und Jazz respektive Rock und Pop. So verwundert es auch nicht, dass Séjourne ein eigentlich urafrikanisches Instrument, die Marimba, mit dem Inbegriff klassischer Kammermusik, dem Streichquartett, zusammenspannt. In seinem 2006 komponierten Konzert für Marimba und Streichquartett finden wir dann auch die unterschiedlichsten musikalischen Elemente: von romantischen, fast russischen, an Rachmaninoff gemahnenden Klängen im ersten Satz bis hin zum Flamenco im zweiten Satz.

Georg Friedrich Händel
Suite für Trompete und Orchester (Orgel) D-Dur HWV 341

Spricht man heute von Georg Friedrich Händel, so denkt man zunächst an sein Oratorium „Der Messias“; denkt man eventuell an verschiedene Opern wie „Armide“, „Julius Caesar“, „Alcina“ oder „Rinaldo“, die allesamt seit einigen Jahren auf den Bühnen wieder eine Renaissance erleben; denkt man natürlich auch an seine Feuer- bzw. Wassermusik, an höfischen Prunk und Pomp einer vergangenen Epoche. Im Konzertsaal hingegen ist es um den Engländer aus dem sächsischen Halle verhältnismäßig ruhig geworden. Selten nur bekommt man eines seiner zahlreichen Violin- oder Oboenkonzerte zu Gehör. Das mag in Bezug auf die Violine seinen Grund darin haben, dass nachfolgende Komponistengenerationen größere und gewichtigere Werke für dieses Instrument geschrieben haben, oder aber – das betrifft die Oboe – das Instrument ist als Soloinstrument weitgehend aus der Mode gekommen. Dem Strahlglanz der Trompete hingegen (trotz all seiner unseligen Assoziationen) hat sich kaum je ein Publikum versagt, zumal Händel in seiner Suite für Trompete und Orchester D-Dur HWV 341, die auch in einer Bearbeitung vorliegt, in der die Orgel den Orchesterpart übernimmt, die Grenzen des Concerto in Richtung auf das Instrumentalkonzert erweitert und besonders eingängige und zündende Themen gefunden hat, die er souverän verarbeitet. Das Soloinstrument dominiert, dem Orchester (oder auch der Orgel) kommt nur eine begleitende Funktion zu.

Ney Gabriel Rosauro
Konzert für Marimba und Streicher (1986)

Ney Gabriel Rosauro gilt als einer der originellsten und dynamischsten Schlagzeuger und Komponisten des südamerikanischen Kontinents. Er wurde am 24. Oktober 1952 in Rio de Janeiro geboren und begann mit zwölf Gitarre zu spielen. Mit 15 Jahren wurde er von Luiz de Anunciacão, einem Schlagzeuger des Orquestra Sinfonica de Rio de Janeiro, in die Welt der Schlaginstrumente eingeführt. Später studierte Rosauro Komposition und Dirigieren an der Universität von Brasilia. Ein Stipendium der Bundesrepublik Deutschland ermöglichte ihm ein zusätzliches Studium bei Siegfried Fink an der Musikhochschule von Würzburg! Nachdem Rosauro bei diversen brasilianischen Orchestern als Schlagzeuger und Pauker tätig gewesen war, erhielt er einen Lehrauftrag an der Universidade Federal de Santa Maria. Heute leitet Rosauro die Schlagzeugklasse an der University of Miami. In seinen zahlreichen Kompositionen orientiert sich Rosauro vor allem an der brasilianischen Volksmusik, die naturgemäß stark vom Schlagwerk dominiert wird. Das Konzert für Marimba und Streicher entstand 1986. Rosauro hat das Werk seinem Sohn Marcello gewidmet. Die vier Sätze des Stücks orientieren sich am alltäglichen Geschehen und den Gefühlen von Menschen. Der mit Sandação (Greetings/Begrüßung) überschriebe erste Satz schildert die ausgelassene Stimmung beim Zusammentreffen von Freunden. Der langsame zweite Satz (Lamento) ist als ergreifender Klagegesang gehalten. Dann gewinnt im dritten Satz (Dança) die ausgelassene Stimmung bei mitreißenden Tänzen wieder die Oberhand. Im vierten Satz (Despedida/Farewell) nimmt man lärmend Abschied von einander, aber man hört der Musik zugleich an, dass sich die Freunde bald wieder treffen und erneut mit einander feiern werden.

Gaetano Donizetti
Concertino für Trompete und Streicher G-Dur

Ein jugendliches Werk ist Gaetano Donizettis Concertino, das er 1816 für einen Kommilitonen am „Liceo Filarmonico“, dem renommierten Konservatorium in Bologna als Prüfungsstück schrieb. Hierhin war der junge Mann kurz zuvor auf Empfehlung seines deutschstämmigen Lehrers Johann Simon Mayr gelangt, der Donizetti seit seiner frühen Jugend in Bergamo unterrichtet und geprägt hatte. Der noch nicht Zwanzigjährige war schon als Studienanfänger ein fleißiger Komponist und legte mit seiner Arbeitsgeschwindigkeit die Grundlage für ein trotz frühen Todes enorm umfangreiches Werk, das allein 70 Opern umfasst. Opernhafter Schwung kennzeichnet über weite Strecken auch das Concertino, dessen originales Soloinstrument eine im Vergleich zu heute tiefer gestimmte Oboe war, die mittlerweile nicht mehr gebräuchlich ist. Normalerweise wird das Instrument durch das moderne Englischhorn ersetzt, allerdings ist das zehnminütige Werk als virtuose Herausforderung auch mit einer Trompete reizvoll besetzt. Es ist ein fröhliches, locker gegliedertes, jedoch ohne Zäsuren durchkomponiertes Stück, das sich nach der eher ruhigen Vorstellung des Themas mit den folgenden Variationen im Wechsel zwischen Solo und Tutti steigert, um als lebhaftes Allegro ganz im Stile einer Opernouvertüre zu enden – und eine Art Ouvertüre war dieses Concertino im Grunde ja auch, als Auftakt zur intensiven Karriere eines Komponisten, dessen Werk heute zum größten Teil vergessen ist, dessen Ruf als Meister der „Italianitá“ aber zu Recht überdauert hat.

Edvard Grieg
Aus Holbergs Zeit – Suite im alten Stil G-Dur op. 40
Prelude
Sarabande
Gavotte
Andante religioso
Rigaudon

Die Streichersuite „Aus Holbergs Zeit“ op. 40 hat Edvard Grieg 1884 aus Anlass der 200. Wiederkehr des Geburtstags von Ludwig Holberg (1684-1754) komponiert. Holberg war einer der großen norwegischen Dichter, der sich mit seinen satirischen Bühnenwerken den Ruf eines „Molières des Nordens“ erschrieben hat. Sie ist ein Beispiel dafür, dass ein begabter Musiker auch dann nicht versagen muss, wenn er einem Irrtum erliegt. Grieg wollte nämlich dem an ihn ergangenen Kompositionsauftrag anlässlich der Holberg-Feierlichkeiten durch eine Art „Perückenstück“ gerecht werden. Da er sich jedoch „im alten Styl“ nicht heimisch fühlte, wählte er eine Anzahl stilisierter Tanzformen jener Zeit und versuchte, Form und Stil des Rokoko mit norwegischer Melodik und persönlicher Harmonik zu verbinden. Von den alten Tänzen sind durch diese Vorgehensweise wenig mehr als die Titel übrig geblieben. Aber die neuen Inhalte sind einfühlsam und farbenreich von nordischem Kolorit erfüllt. Das einleitende Präludium ist heute ein beliebtes Zugabenstück geworden, das seinen Fanfarenrhythmus mit altertümlichen Kadenzen verbindet und hinter der bunten Maske des Rokoko den Komponisten Grieg hörbar werden lässt. Es folgt eine innig dahinströmende Sarabande, die allerdings ihren Tanzcharakter völlig verloren hat. Liebenswürdiger Schalk zeichnet die Gavotte aus; in der Air (Andante religioso) dominieren ernste und schmerzhafte Züge; und erst im Rigaudon mit seinem naiv-süßen Trio und seinem abrupten Schluss verflüchtigt sich die Schumannsche „Fast-zu-ernst“-Stimmung in neckischen Humor. Grieg hatte die Suite ursprünglich für das Klavier geschrieben und erst später für Streichorchester eingerichtet.
    
    

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