Port Louis An das Lächeln von Saarah (mit drei A und H) könnte man sich gewöhnen. So viel positive Energie verströmt die 24-jährige Reiseleiterin, dass die aus dem grauen Norden angereisten Urlauber schnell die Tristess des Alltags vergessen. "Ich liebe dieses Land und die Menschen, die hier leben. Sie sind so freundlich und so ausgeglichen", sagt sie ein bisschen schüchtern und doch stolz. Dabei ist es nicht so, dass sie kein anderes Land kennt. Geboren auf Mauritius, leben ihre Eltern in England, sie selbst arbeitete als Opair in in der Nähe von Frankfurt. Und so sehr es ihr in Europa gefallen hat, sie wollte unbedingt wieder zurück. Besonders der Süden der ehemaligen Kolonialinsel, die von holländischen Seefahrern nach ihrem Prinzen Moritz von Oranien benannt wurde, hat es ihr angetan. Hier sei es ruhig, und man könne ungestört die Natur genießen.
Saarah selbst ist ein Beispiel für die mauretanische Toleranz. Ihre Mutter ist Hindu, ihr Vater Tamile, sie selbst weiß nicht genau, zu welcher Religion sie sich hingezogen fühle.
In der Vielfalt der Kulturen auf Mauritius spiegelt sich die wechselvolle Geschichte des Landes wider. Dinarobin nannten arabische Seefahrer ihre Entdeckung um das Jahr 1000: die silberne Insel im Indischen Ozean. Sie galt als ein Garten Eden. Erst 500 Jahre später landeten erst Portugiesen, dann Holländer. Danach übernahmen die Franzosen ihre Ile de France, bis schließlich 1810 die Engländer den Kampf um Mauritius gewannen. Seit 1992 ist die Insel eine selbstständige Republik.
Bekannt ist Mauritius unterdessen vor allem als mondäner Urlaubsort für die Reichen und Schönen dieser Welt. Rudi Völler, Elton, Bonnie Tyler und Till Schweiger besuchten das Eiland und genossen die weißen Sandstrände und das warme Wasser des indischen Ozeans. Überhaupt: Mauritius bietet für Wassersportler aller Art selbstverständlich die optimalen Voraussetzungen. Auch bei einem harmlosem Bootsausflug begegnen einem schon mal Wale, die sich in der Sonne aalen, während das eigene Gefährt von Delfinen begleitet wird. Außerdem umgibt die komplette Insel ein Korallenriff.
Naturliebhaber lockt die klare Bergluft im Süden der Insel zum Wandern. So führt Saarah ihre Reisegruppe auf schmalen Pfaden durch den dichten Urwald, der immer wieder beeindruckende Ausblicke auf tiefe Täler und mächtige Wasserfälle bietet, wie im Canyon des Riviere Noire und dem mauretanischen Naturwunder nahe dem Dörfchen Chamarel, das "Terres de Couleur" (Tal der Farbe) in der Savanne Mountains. Das wellenförmige Vulkangestein funkelt in den unterschiedlichsten Farben. Beobachtet werden die Besucher von einer neugierigen Affenart und von Riesenschildkröten, die die Vergänglichkeit auf der Erde offenbar überdauern. Zur Erfrischung reicht Saarah Baby-Ananas, mariniert mit einer scharfen Chilisoße, die einen die Exotik des Landes auch schmecken lässt.
Wie sehr die einst menschenleere Insel unter den Neuankömmlingen aus aller Welt aber auch gelitten hat, zeigt ein Ausflug auf die im Südosten vorgelagerte Ile aux Aigrettes, ein Naturschutzpark mit einheimischen Pflanzenarten. Die Mauritius Wildlife Foundation hat hier wieder einen Ebenholzwald angepflanzt, eine Baumart, die mit dem Dodo fast ganz von der Insel verschwunden ist. Der Dodo war ein auf Mauritius lebender, flugunfähiger Vogel, der im 17. Jahrhundert gegen die von den Menschen mitgebrachten Tiere keine Chance hatte.
Zum Abschluss führt Saarah ihre Reisegruppe zur hinduistischen Wallfahrtsstätte am Grand Bassin, dem heiligen See, wo Gläubige Ganga, der Göttin des Wassers, und Hanoman, dem Gott des Neuanfangs, huldigen. Auf dem Weg dorthin passieren die Besucher katholische Kirchen und Moscheen, an denen schon mal eine Prozession tamilischer Gläubiger vorbeiführt. "Das ist hier kein Problem", lächelt Saarah, als wollte sie sagen: Mauritius bietet auch Urlaub von den Sorgen dieser Welt.
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