Ein Bischof drückt die Schulbank
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Mit unzähligen Menschen hat Landesbischof Johannes Friedrich, der höchste Lutheraner Bayerns und leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD)in den eineinhalb Tagen seiner Visitation im Dekanatsbezirk Schweinfurt gesprochen: mit Mitarbeitern der Kirche, Gottesdienstbesuchern, Vertretern des öffentlichen Lebens, Unternehmern. Das Programm war gedrängt, die Fülle an Informationen gewaltig. Auch die Friedrich-Rückert Grundschule, die er vor seiner Abreise noch besucht, will sich und ihre gute Integrationsarbeit vorstellen.
In einem Klassenzimmer findet ein außergewöhnlicher Religionsunterricht statt: Evangelische und muslimische Kinder sitzen im Kreis, Bibel und Gebetsteppich vor sich, zeigen und erklären sich gegenseitig, wie sie beten. Der Landesbischof ist ganz Ohr. Immer wieder macht er sich Notizen, beugt sich vor, um besser zu sehen, wie sich ein Junge auf dem Gebetsteppich verneigt, wie Lehrerin Zeynep Cetinkaya einem Mädchen das Kopftuch bindet.
Langsam verlieren die Kinder ihre Scheu, vor allem als sich Johannes Friedrich und der Schweinfurter Dekan Oliver Bruckmann fürs Foto mit in den Stuhlkreis setzen. Plötzlich ist der Landesbischof in seinem langen schwarzen Lutherrock nicht mehr nur Respekt einflößender Beobachter. Zu gerne würde er länger bleiben, den Kindern Fragen stellen, sagt er. Aber die Zeit drängt.
Der islamische Unterricht auf Deutsch ist nur ein kleines Projekt im Rahmen des großen Projekts Ganztagsschule, ein Mosaikstein im Kampf gegen die drängenden Probleme, die Schulleiter Günther-Leo Redolfi mit wenigen Zahlen charakterisiert: gut 60 Prozent Schüler mit Migrationshintergrund, 40 Prozent der Mütter alleinerziehend, jedes vierte Kind gilt als arm, viele sind in psychiatrischer Behandlung, zwei Kinder müssen damit leben, dass ein Elternteil ermordet wurde.
Johannes Friedrich ist sichtlich angetan vom Engagement an dieser Schule, auch von der Lebendigkeit, mit der Religionspädagogin Michaela Gobs-Knoche von der Integrationsarbeit jenseits des normalen Unterrichts erzählt. Unterstützt von der protestantischen Kirchenstiftung Schweinfurt, die sechs Wochenstunden finanziert, kann Gobs-Knoche mit den Schülern soziales Verhalten trainieren, bei den Hausaufgaben helfen, multireligiöse Schulfeiern organisieren. Bei einer dieser Feiern habe es diesen besonderen Moment gegeben, als der Imam auf arabisch sang, begleitet vom evangelischen Pfarrer auf der Geige. „Da spüren wir, dass wir Teil einer großen Gemeinschaft sind, in der jede Religion ihr Recht hat“, sagt Gobs-Knoche.
Kurz schaut sich der Landesbischof noch den Hort an, der auch Samstags und abends geöffnet hat für Kinder zwischen drei und zehn Jahren, deren Eltern um diese Zeit arbeiten müssen. „Sehr beeindruckend“, sagt Johannes Friedrich zum Abschied. Er werde all diese Informationen mit nach München nehmen.





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