OB redet Klartext im Fall Wang
![]() |
|
Jin Wang sagte, Kulturreferent Muchtar Al Ghusain und Personalreferent Christian Schuchardt hätten ihm während einer Probe am Freitag die Nachricht überbracht. „Ich habe noch nicht einmal meine persönlichen Sachen aus meinem Büro holen dürfen“, berichtete Wang, der am Samstag die Premiere der Oper „Hänsel und Gretel“ dirigieren sollte. Dies wird nun Kapellmeister Ulrich Pakusch tun. Wang erhält am Montag oder Dienstag in Anwesenheit eines Zeugen Gelegenheit, sein Büro zu räumen.
Als klar war, dass er sofort das Theater verlassen müsse, seien die Musiker aufgestanden und hätten ihm applaudiert. „Ich war sehr berührt“, beschreibt Wang diesen Moment, der das Vorgehen der beiden Rathaus-Referenten als „unmenschlich“ empfand. „Ich bin doch kein Terrorist oder Verbrecher“, sagte er sichtlich um Fassung ringend.
Wangs Bewunderer in der Würzburger Kulturszene sehen ihn als Opfer einer Intrige, nachdem bekannt geworden war, dass der Generalmusikdirektor im vorigen Jahr versucht hatte, eine junge Musikerin sexuell zu nötigen. Die junge Frau hatte auf eine Anzeige verzichtet. Die Stadt hatte aber selbst Nachforschungen angestellt, nachdem dies bekannt geworden war, und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Strafrechtlich wurde der Fall mit einem Täter-Opfer-Ausgleich und der Zahlung von 5000 Euro an zwei Frauenhäuser beendet, Wang darf weiter sagen, er habe sich nicht strafbar gemacht. „Arbeitsrechtlich ist der Fall aber problematisch,“ sagt ein mit dem Fall vertrauter Jurist. Daneben gab es ein fast einhelliges Votum des Orchesters gegen Wang.
Bisher schwieg die Stadt aus rechtlichen Erwägungen öffentlich zum Vorwurf, Wang sei von Kulturreferent Muchtar Al Ghusain bespitzelt und gemobbt worden. Als Wangs Fans für Montag erneut eine Pressekonferenz androhten (mit voraussehbaren neuen Attacken), platzte dem Oberbürgermeister der Kragen: „Ich weise die haltlosen Beschuldigungen gegen den Kulturreferenten zurück,“ sagte er. Es gebe „kein Dossier gegen Herrn Wang.“
Bisher hat die Stadt – beraten von einer renommierten Fachanwältin für Arbeitsrecht – versucht, den Fall diskret und ohne Gesichtsverlust für alle Beteiligten zu lösen. Rosenthal hatte nach einem dreistündigen Gespräch mit Wang den Eindruck, auch dieser schien dazu bereit.
Nachdem Presseberichte am Wochenende eine Lanze für Wang gebrochen und er mit seiner Anwältin gesprochen hatte, verschärfte er aber am Montag den Druck auf die Stadt. Er habe den Vorschlag für eine Vereinbarung vorgelegt, die Rosenthal „Kriegserklärung“ nennt, und „einen Unterwerfungsvertrag“, auf den man angemessen reagieren musste.
Rosenthal kündigte an, entgegen seiner ursprünglichen Absicht die Premiere von „Hänsel und Gretel“ zu besuchen. „Ich werde unser Vorgehen erläutern. Denn einige sind gewiss unterwegs, um im Theater einen Heiligenschein zu suchen.“
Noch sei die Tür zu vernünftigen Gesprächen nicht zu, sagte er. „Ich habe kein Interesse an einem Eskalieren der Situation. Aber ich entziehe mich dem auch nicht,“ erklärte er.





Bewertungen können nur angemeldete Benutzer abgeben!


























