Personalvertreter fordert härtere Strafen und mehr Hilfe bei Gewalt gegen Beamte
Fälle wie dieser alarmieren Politiker und Personalvertreter: Für den Polizisten Peter K. schien es in Kitzingen zunächst ein Einsatz zu werden wie viele andere. Mit nur einem Kollegen sollte er die nächtliche Ruhestörung vor einer Kneipe beenden.
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Unversehens sahen sich zwei Polizisten einer Meute von 30 Angetrunkenen gegenüber. Als Peter K. einen aggressiven Schreihals zu Boden zwang, trat ein anderer ihm von hinten an den Kopf, sodass ihm das Bewusstsein schwand.
Ein zweiter Fall: Rauschgiftfahnder B. aus Aschaffenburg wollte im November bei Miltenberg einen Verdächtigen aus dem Drogenmilieu festnehmen. Plötzlich schlug der Mann mit einer Wasserrohrzange auf ihn ein, stach mit einem Messer zu. An den Folgen leidet der Kriminalbeamte bis heute.
Holger Zimmermann, Bezirksvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Unterfranken, kennt ein halbes Dutzend Geschichten allein von 2009. Die Gewalt gegen Polizisten hat in zehn Jahren um 31 Prozent zugenommen. „In Unterfranken wurden 2009 fast 350 Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte registriert – fast jeden Tag ein Angriff auf einen Polizisten“, bilanziert er. „Was früher eine angesehene Instanz war, ist oft nur noch der Prügelknabe der Nation.“ Er erinnert auch an Randale aggressiver Bayern-Fans am Würzburger Hauptbahnhof: „Versuchte Gefangenenbefreiung kannte man früher nur aus Krimis. Heute gehört das zum Repertoire jugendlicher Gewalttäter.“
Die Zahlen alarmieren: 90 Prozent der Täter sind Männer, fast 50 Prozent waren schon zuvor wegen Körperverletzung vorgeahndet, 43 Prozent der Täter ist unter 21 Jahren und bei den alkoholisierten Tätern liegt die Steigerungsrate bei 125 Prozent.
Die GdP in Bayern will die Entwicklung nicht hinnehmen. Per Unterschriftenaktion mobilisiert man seit Montag landesweit zum Thema „Keine Gewalt gegen Polizeibeamte“. Gefordert wird ein neuer Paragraf 115 im Strafgesetzbuch, der Attacken gegen Ordnungshüter stärker unter Strafe stellt. Bisher müsse ein Straftäter bei solchen Angriffen mit einer Strafe rechnen wie bei Fischwilderei (zwei Jahre), vergleicht Zimmermann. Er weiß bei der Forderung nach bundesweit härteren Strafen Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ebenso auf seiner Seite wie Justizministerin Beate Merk.
Aber auch der Dienstherr ist gefordert: Wenn Polizisten von Tätern Schmerzensgeld wollen oder Ersatz für zerschlagene Brillen und Uhren und zerrissene Kleidung, müssen sie heute oft auf eigene Kosten oder mithilfe der Gewerkschaft einen Anwalt bemühen. „Es kann nicht sein, dass im Dienst verletzte Kollegen Forderungen gegenüber Dritten ewig hinterherlaufen und am Ende auf vorgestreckten Arztkosten sitzen bleiben oder Sachschäden selbst bezahlen müssen“, mahnt Zimmermann.
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Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Schweidler
6 Kommentare
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von 28041953
am 10.02.2010 01:40
@Bakunin
Sie sehen anscheinend zu viele Action- bzw. SF-Filme oder spielen zuviel Gewaltspiele am PC, anders ist Ihr Kommentar nicht zu erklären. Das kann wirklich krank machen, echt, kann sogar in den Verfolgungswahn treiben! Sie sind wirklich nicht zu beneiden und sollten dringend eine Arzt Ihrer Wahl aufsuchen, aber hören Sie keinesfalls auf Ihrem Apotheker und schon garnicht auf die Aliens, das kann böse enden!
von Bakunin
am 10.02.2010 01:26
Und immer wieder der Ruf nach mehr Polizei(staat)...
wer einmal erlebt hat, wie provokativ und kampflustig sich heissspornige, junge Polizisten gruppendynamisch in martialischer Robo-Cop-Kampfmontur, die alle wichtigen Körperteile mit Carbonprotektoren abdeckt, vor den an,-ab-und durchreisenden Fußballfans am Würzburger Bahnhof aufbauen, braucht sich nicht verwundern, wenn dies nicht der Deeskalation dient, sondern nur Macht und Stärke demonstrieren soll. Ausserdem drängt sich der Verdacht auf, dass gewisse "Scharmützel" gar nicht so ungelegen sind, weil so stets mehr und mehr Polizeipräsenz- und Aktionen, die der gebeutelte Steuerzahler zahlt, leichter zu rechtfertigen sind. Die meist undifferenzierten Lobhudeleien über unsere Polizei widern an. Es gibt sehr viele gewalt, die auch von Polizei ausgeht und wo vermehr auch geschossen wird. Dies bleibt meist für die Polizisten folgenlos (Einstellung des Verfahrens oder Freispruch)
von 28041953
am 09.02.2010 23:46
Mehr Unterstützung durch das Gesetz!
Die Beamten im Einsatz, sprich Streifendienst etc. sollten per Gesetzgebung wesentlich mehr unterstützt und nicht nur zum Prügelknaben der Nation herabgestuft werden, allerdings unter strenger Kontrolle der Gesetzgebung um eventuellen Amtsmißbrauch zu vereiteln, welcher auch dann auf´s schärfste bestraft werden müßte!
von rowa
am 09.02.2010 06:57
Unser Polizisten ...
... sind unser Schutz und verdienen bei ihrer Arbeit unsere Solidarität.
Hier wird auch mit Unterbesetzung am falschen Punkt gespart. Wie sollen 2 Polizisten mit 30 Randalierern fertig werden?
Und warum lassen die Richter die Gewaltverbrecher immer wieder auf uns, auf die Bevölkerung los?
"... fast 50 Prozent waren schon zuvor wegen Körperverletzung vorgeahndet, ..."
von firejoe
am 08.02.2010 22:18
Das Problem
Leider ist es in unserem, mittlerweile zur Bananenrepublik verkommenen Land so, dass der Verbrecher mehr Rechte hat als ein anständiger Mensch. Das geht von den Bankern bis zu den Kleinkriminellen. Die Gerichte sind überfordert und oft zu lasch. Die Regierung schläft in dieser Beziehung. Das ganze System ist krank.
von franka1
am 08.02.2010 21:57
Gewalt gegen Polizisten
Es ist nicht erträglich, wie sich polizisten verprügeln lassen müssen und noch für den erlittenen Schaden selbst aufkommen müssen. Gebt den Polizisten wieder den Knüppel, damit sie sich endlich wieder wehren können. Randalierer haben es nicht besser verdient. Wenn dann ein Rechtsverdreher meint, er muß den Polizisten anzeigen, dann sperrt ihn gleich ein, denn der ist auch nicht mehr wert als die Raudies.