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Porträtserie
Serie "Was uns glücklich macht"

07.04.2010 20:21 Uhr
Randersacker

Unterwegs für die Demokratie

Wahlbeobachtung: Sabine Ludwig aus Randersacker reist ehrenamtlich nach Tadschikistan

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Eiseskälte, Erdbeben, aber auch beeindruckende Gastfreundschaft erlebte Sabine Ludwig im mittelasiatischen Tadschikistan: Als ehrenamtliche Wahlbeobachterin verbrachte Sabine Ludwig dort Ende Februar eine ganze Woche. Erlebnisse, die andere aus der Fassung brächten, verbucht die Publizistin aus Randersacker (Lkr. Würzburg) als Erfahrungsgewinn: „Ich habe ein starkes Interesse daran, dass Menschen in demokratischen Verhältnissen leben“, begründet Ludwig ihr nicht alltägliches Engagement.

Bei ihrer jüngsten Mission war sie sehr von der Gastfreundschaft der Tadschiken beeindruckt. „Wir waren mit einer mobilen Wahlurne hoch oben in einem Bergdorf bei einem 100-Jährigen und seiner Familie“, erzählt Ludwig. An den Wänden des Hauses hingen überall Teppiche. In einem Ofen brannte ein wärmendes Holzfeuer. Die Menschen waren festlich gekleidet. „Wir wurden freundlich aufgenommen und bewirtet. Es war für die Familie eine Ehre, uns zu empfangen. Das war zu spüren.“

Gemeinsam mit einem italienischen Kollegen wurde Ludwig in einer Region östlich der Hauptstadt Duschanbe eingesetzt. Vor Ort galt es dann, die Vorbereitungen und vor allem die eigentlichen Wahlen zu beobachten. Der Wahltag selbst begann am frühen Morgen mit einem leichten Erdbeben, was sie glücklicherweise aber verschlafen habe, erzählt Ludwig. Vor Ort im Wahllokal musste jedes der international besetzten Zweierteams mittags, abends und in der Nacht seine Beobachtungen per Fax der zentralen OSZE-Stelle in Duschanbe melden. „Es war bitterkalt in unserem Lokal“, erinnert sich Ludwig an den langen, eisigen Tag, an den sich schließlich in den frühen Morgenstunden des Folgetages noch eine Verfolgungsjagd per Pkw anschloss: „Wir waren gewarnt worden, dass die Wahlleiter die Stimmzettel und Wahllisten nicht ordnungsgemäß in der regionalen Wahlzentrale abgeben könnten. Deshalb wollten wir den alten Pkw Lada, in dessen Kofferraum die Unterlagen verstaut wurden, dorthin begleiten. Daraus wurde aber nichts. Unterwegs gelang es dem Fahrer, uns abzuschütteln“.

„Als Wahlbeobachter können wir unsere Beobachtungen nur öffentlich bekannt machen, aber in keiner Weise bei Unregelmäßigkeiten eingreifen“, berichtet Ludwig. Dass die Wahlen in Tadschikistan davon nicht frei sein würden, habe sie mehr oder weniger erwartet. Nach der Rückkehr von dem Einsatz, der mit einer Aufwandsentschädigung vergolten wird, muss nun jeder Teilnehmer einen Bericht für das Auswärtige Amt schreiben.

„Um in das Wahlbeobachter-Team aufgenommen zu werden, sind internationale Erfahrungen, aber auch gute Sprachkenntnisse und eine solide Gesundheit gefordert“, sagt Ludwig. Sie hat sich schon sehr früh für fremde Kulturen interessiert, das Interesse ließ auch während ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften und des Journalismus nicht nach. Wer als Wahlbeobachter tätig werden will, muss seit 2002 zunächst erfolgreich ein Training (Sprache Englisch) beim Berliner Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) absolvieren. „Als ich vor acht Jahren damit begann, suchte das Auswärtige Amt dafür Teilnehmer“, sagt Ludwig. Heute gebe es hingegen viele Interessenten. Das ZIF betreut auch den aus den Trainings hervorgehenden Expertenpool und organisiert die Einsätze.

„Um in eine Wahlbeobachter-Mission entsandt zu werden, muss man sich kurzfristig innerhalb von wenigen Tagen entscheiden“, erklärt Ludwig. Seit sie als freie Publizistin arbeite, sei ihr das leichter möglich als in den zurückliegenden Jahren, in denen sie beim Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in Bonn gearbeitet hat. Erst nach Anreise im Einsatzland werden die Teilnehmer mit den Gegebenheiten vertraut gemacht. Nach Tadschikistan wurden 150 Wahlbeobachter, darunter 15 Deutsche, entsandt.

Faszinierende Reisen

Sabine Ludwig will auch künftig für derartige Missionen bereitstehen und dafür sogar Russisch lernen. „Die in Warschau ansässige OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) ist vor allem in Ländern des Ostens tätig. Bei entsprechenden Einsätzen neben den westlichen Sprachen wenigstens etwas Russisch zu können, kann dabei sehr hilfreich sein“, sagt Ludwig. Im Übrigen möchte sie gern „an den Entwicklungen in der internationalen Szene dranbleiben“. „Reisen in weniger bekannte Regionen konfrontieren mit dem Unerwarteten“, sagt Sabine Ludwig. „Und sie bieten die Chance, etwas zu tun und zu erleben, was vielen Menschen so nicht möglich ist.“

In Tadschikistan war sie bereits zum zweiten Mal auf einer Wahlbeobachter-Mission. 2002 bereiste sie in vergleichbarem Auftrag Aserbaidschan. Davor war sie für den DED schon einmal zwei Jahre im westafrikanischen Benin tätig, und auch bei der Deutschen Außenhandelskammer in Hongkong hat sie schon gearbeitet. Doch auch rein privat reist sie in ferne Länder, wie sie erzählt. „Es ist das Eintauchen in eine andere Welt, aber verbunden mit dem Bewusstsein, wieder sicher in die Heimat zurückkehren zu können“, beschreibt Sabine Ludwig das, was sie am Reisen fasziniert.