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aktualisiert: 18.01.2010 17:41 Uhr
PARTENSTEIN

Ein Hund für Marie

Dank Spenden hat Marie Anderlohr seit November einen Begleithund
Etwas aufheben, wenn es zu Boden fällt, eine Türe öffnen, Besorgungen machen und viele andere kleine Dinge im alltäglichen Leben – selbstverständlich für die meisten. Für Marie Anderlohr nicht. Das elfjährige Mädchen aus Partenstein leidet an „Spina bifida“ (offener Rücken, siehe auch Infobox) und ist auf den Rollstuhl angewiesen.

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Doch jetzt ist vieles anders, leichter. Leo sei Dank. Leo ist schwarz und wuschelig und seit November ausgebildeter Begleithund. Viele Aktionen und Spenden haben es Maries Familie ermöglicht, die 12 000 Euro teure Ausbildung zum Begleithund zu finanzieren.
 
Im Juni 2008 ging es los. Leo, ein Black River, wurde vom Verein „Cantis- Lupus Therapeuticus“ ausgebildet. Der Verein ist auf die Ausbildung von Behindertenbegleit- und Therapiehunden spezialisiert.

Nicht nur Leo musste lernen

Aber nicht nur Leo musste lernen, Befehle auszuführen. Auch Marie und ihre Familie wurden gemeinsam mit dem vierbeinigen Freund ausgebildet. Mit großem Erfolg – bei der Prüfung im November erreichten sie ein hervorragendes Ergebnis. Ausgebildet wurden sie von Claudia Mollo, die selbst im Rollstuhl sitzt, und Matthias Neumann. Bei der Prüfung war außerdem Birgit Geiger dabei – sie kannte weder Hund noch Frauchen. „Wir wollten eine neutrale Person haben“, erzählt Ausbilderin Mollo.

Marie war das erste Kind im Rollstuhl, das von Geiger geprüft und von Claudia Mollo und Matthias Neumann ausgebildet wurde. Geiger war sehr überrascht, wie gut es zwischen Marie und Leo funktionierte. Überhaupt war Marie Anderlohr das erste Kind, das die Prüfung ganz alleine mit ihrem Hund absolvierte. Beim ersten Teil der Prüfung mussten beide beweisen, dass sie sich alleine in der Stadt zurecht finden. Dazu ging es nach Lohr – für das Team „Marie & Leo“ überhaupt kein Problem. Ob Verkehr oder Einkauf, alles meisterten die beiden mit Bravour.

Zeigen, wie sie zu Hause klarkommen

Anschließend mussten sie in Partenstein zeigen, wie sie zu Hause miteinander klarkommen. Aber auch das war kein Thema. Leo befolgte alle Befehle und erledigte alle Aufgaben, die Marie ihm stellte. Glücklich über das sehr gute Prüfungsergebnis ist nicht nur Maries Familie, sondern auch ihre Ausbilderin. „Ich kann nur sagen „Hut ab“ – sie haben es beide sehr gut gemacht“, sagt Claudia Mollo. Auch wenn Leo jetzt offizielle Begleithund ist und alles beherrscht, stehen Claudia Mollo und Matthias Neumann bei Fragen und Problemen immer noch zur Verfügung.

„Jetzt haben beide sozusagen den Führerschein und durch Übung wird es noch besser“, so Maries Vater Erik Anderlohr. „Marie kann jetzt alleine mit Leo zu Hause bleiben, das ist überhaupt kein Problem mehr“, erzählt ihre Mutter. „Freunde, Firmen und fremde Leute haben uns mit Spenden und Aktionen für Marie diese Ausbildung ermöglicht und wir sind sehr dankbar, dass sich so viele Menschen dafür eingesetzt haben“.

Lernen, den richtigen Ton zu treffen

Dank der großen Unterstützung ist der benötigte Betrag für die Ausbildung der beiden zusammen gekommen, die Marie nicht nur den Alltag erleichtert, sondern auch ein großes Stück Selbstständigkeit gibt. Doch so einfach wie es scheint, war die Ausbildung für Marie und ihre Familie nicht. Vor allem musste sie lernen, den richtigen Ton für die Befehle zu treffen. Aber auch ihre Eltern und Bruder Moritz waren bei der Ausbildung gefragt.

Alle mussten und müssen sich beispielsweise einig sein, wann Leo das Auto verlassen darf. „Leo darf erst raus, wenn Marie und der Rollstuhl draußen sind und wir ausgestiegen sind. So haben wir, bevor wir das Auto verließen, immer erst einmal gesagt „Leo zum Schluss“, damit ihn nicht einer zuvor ruft“, erzählt Sonja Anderlohr.

Für Marie selbst war die Übung „Vorausgehen“ schwer. Hierbei muss Leo, etwa wenn sie das Haus verlassen will, vorgehen und dann warten, bis sein Frauchen mit dem Rollstuhl nachkommt. „Das war gar nicht so einfach“, erzählt Marie. Aber auch dieses Problem haben die beiden mit viel Übung gemeistert.

Die Mischung stimmt

„Hier hat einfach die Mischung gestimmt, der Hund ist intelligent und alle haben an einem Strang gezogen“, so Ausbilder Matthias Neumann. Dass alle von dieser Ausbildung profitiert haben, zeigt der Blick in die glücklichen Gesichter von Maries Familie. Die Zeiten, in denen sie ständig nach Mama rufen musste, wenn ihr etwas runter gefallen war oder sie etwas brauchte, sind vorbei.

„Jetzt macht das Leo für mich“, strahlt Marie und erzählt lachend, dass ihr Hund verflixt schlau sei und sich auch schon mal selbst die Tüte mit Leckerli hole.



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