Nahwärme ist mehr als nur heiße Luft
![]() |
|
Zu einem Informationsabend hatten die Stadt Bad Königshofen, die Agrokraft GmbH, die Architekturbüros Helfrich Ingenieure, Armin Röder und Peter Wieczorek am Montagabend in den Gewölbekeller der Schranne eingeladen, um über ein Energiekonzept für Bad Königshofen und den Anschluss an ein Nahwärmenetz zu diskutieren, für das gerade eine Fragebogenaktion läuft.
Mathias Klöffel, Geschäftsführer der Agrokraft GmbH, erläuterte, warum es so wichtig ist, das heimische Energiepotenzial zu nutzen und die eigenen Kräfte zu bündeln. Ein schlüssiges kommunales Energiekonzept für Bad Königshofen könnte entstehen, wenn genug Interesse vorhanden sei. Die Agrokraft und die Ingenieurbüros würden sich einbringen und das Projekt unterstützen. Er wies auf die bereits erfolgreich gelaufenen Projekte hin, die von der Agrokraft angeschoben wurden, vom Bürgersolarkraftwerk bis zur Tribünenüberdachung mit Fotovoltaikanlage in Großbardorf, die gezeigt haben, dass das EEG (Energie-Einspeise-Gesetz) ein Wegbereiter für die regionale Projektentwicklung ist, wenn es nur richtig genutzt wird. Erdöl ist endlich und eigentlich als wichtiger Rohstoff für Medikamente und Waren, die nicht aus anderen Materialien hergestellt werden können, zu schade zum Verbrennen, machten Kurt Hemmert von den „Helfrich Ingenieuren“ und Ingenieur Peter Wieczorek den rund 70 Interessierten klar. „Energie muss teuer eingekauft werden, das Geld geht nach Saudi Arabien oder Russland. Die Wertschöpfung sollte in der Region bleiben“, so Wieczorek. Neue Wege sollte man gehen und so wegkommen von der Importabhängigkeit. Gleichzeitig ließe sich das klimaschädliche CO2 verringern und alle Fördermöglichkeiten nutzen. Schließlich soll nicht nur in erneuerbare Energien investiert werden, es soll sich auch finanziell lohnen.
Interesse ist da
Zunächst wurden deshalb Fragebögen an alle Haushalte ausgeteilt, wo ein Nahwärmenetz am besten realisiert werden könnte. Das betrifft den östlichen Teil der Stadt, also die Bamberger Straße, den Marktplatz, die Sparkassenstraße, die Martin-Reinhard-Straße, das Neubaugebiet Hopfenkreuzlein und alles, was dazwischen liegt. Bereits auf dem Weg ist wie berichtet die Gründung einer Wärmegesellschaft durch die Stadt Bad Königshofen (30 Prozent der Anteile), den Landkreis Rhön-Grabfeld (25 Prozent), die Bayerische Rhöngas GmbH (25,9 Prozent) und die Bioenergie Bad Königshofen GmbH & Co KG (20,1 Prozent). Das geplante Nahwärmenetz wird die Schulen beliefern, sowie voraussichtlich die Senioreneinrichtungen „Franken Care“ und das „Haus am Kurpark“. Von dort könnten sich Trassen für Privathäuser anschließen, weil das System erweiterbar ist. Die Interessenten könnten aber auch eine eigene Genossenschaft gründen, noch sind alle Gesellschaftsformen denkbar.
Wenn viele Anteilseigner gemeinsam ein Projekt stemmen, zerstreuen sich auch die Bedenken, die in der Diskussion geäußert wurden, dass man von einer Abhängigkeit in die nächste komme, der Betreiber in Konkurs gehen und die Investitionen sich in Rauch auflösen könnte. „Wer selbst beteiligt ist und mitbestimmt, sieht das Projekt mit anderen Augen. Dass produktive Zusammenarbeit Früchte trägt, sieht man an der Biogasanlage in Bad Königshofen“, so Mathias Klöffel.
Technische Fragen wurden bei der Versammlung gestellt, so ging es um den eventuellen Wärmeverlust an einem Strang, der höchstens ein bis zwei Grad betragen könnte, so die Fachleute. Die Vorlauftemperatur beträgt 80 Grad, die Rücklauftemperatur ungefähr 60 Grad. Eine Übergabestation mit einem Wärmetauscher ist das Herzstück für alle, die sich an ein Nahwärmenetz anschließen. Dort werden auch die verbrauchten Kilowattstunden registriert. Sie werden auf jeden Fall billiger sein als die, die mit fossilen Energien erzeugt werden.
Sobald es neue Informationen gibt, werde er wieder zu einem Informationsabend einladen, sagte Bürgermeister Thomas Helbling. Zunächst wird der Rücklauf der Fragebögen abgewartet, die noch bis 18. Februar bei der Stadt abgegeben werden können.





Bewertungen können nur angemeldete Benutzer abgeben!















