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aktualisiert: 09.02.2010 16:52 Uhr
SCHWEINFURT

Neue Wege für unser Leben

Großer Erfolg für den ersten Mehrweg-Gottesdienst in St. Johannis

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Die noch junge evangelische Citykirche will für jene Menschen da sein, die mit der Institution Kirche nicht gut zurechtkommen. Die Fragen und Zweifel haben, die neue Wege gehen wollen. Genau diese Ziele verfolgte am Sonntag auch der erste sogenannte Mehrweg-Gottesdienst der Citykirche, der unter dem Thema „Alles Maske? Gott ist anders – ich auch“ stand und die St. Johanniskirche fast bis auf den letzten Platz füllte.

Ungewohnt beginnt dieser Gottesdienst, der von keiner Pfarrerin oder keinem Pfarrer gehalten wird, sondern den ein 16-köpfiges Team erarbeitet hat, dem auch Christen der katholischen Citypastoral angehören. Heiko Herbert verbindet freies meditatives Singen mit Obertongesang, begleitet sich auf zwei indischen Shruti-Instrumenten. Acht Menschen kommen durch die Kirche nach vorn, legen ihre Masken ab. Einige heißen Griesgram, Lästerer, Jammerlappen, Klassenclown, Opfer. Bei der Begrüßung fragt Philipp Völker: „Kommen Ihnen diese Masken bekannt vor, hinter welcher verstecken Sie sich?“ Und nach einer Pause: „Schützt Sie Ihre Maske oder engt sie Sie ein, wer sind Sie wirklich?“

Ein Rollenspiel vertieft diese Fragen, ebenso die Lieder „Ich bin, der ich bin“, „Prinzessin“ und „Stained glass masquerade“ von der amerikanischen Softrockband „Casting crowns“. Das sind neue Klänge mit anspruchsvollen Texten, kraftvoll interpretiert von der Band „Blessing“.

Kreatives Team

Citykirchen-Pfarrer Heiko Kuschel beginnt seine Ansprache mit dem – „hoffentlich veralteten“ – Erziehungsdruckmittel „Der liebe Gott sieht alles“. Damit könne man Kindern leicht ein schlechtes Gewissen einreden. Doch Gott sei keine Bedrohung, Jesus habe Gott diese von den Menschen gemachte Maske weggerissen. Gott sei radikal liebevoll, aufmerksam, ganz anders. Sei unser Gottesbild zur Maske erstarrt, oder würden wir ihm noch einmal neu begegnen wollen? „Vor Gott kann ich meine Maske fallen lassen“, ermuntert Kuschel, „denn wie ich bin, so hat es Gott gewollt.“ Und er lädt die Besucher für die nächste halbe Stunde ein, sich auf den Weg zu machen: Die Stationen im Kirchenraum zu besuchen, die abseits dessen liegen, was sonst im Gottesdienst passiert. Vieles sei vielleicht neu oder überraschend – doch unser Lebensweg könne dadurch bereichert, mehr, werden. Interessanter, spannender.

Die Besucher machen sich auf den Weg. Und spätestens hier ist ein Lob fällig für die Kreativität, die Begeisterung und die Arbeit des Teams. Ihr Konzept geht auf: Im Gotteshaus entsteht allmählich eine lebendige Gemeinschaft, bei allen der elf Stationen spürt man neben einer gewissen Ernsthaftigkeit auch viel Fröhlichkeit. Man begreift, dass Spiritualität vor allem in der Gemeinschaft entsteht und wächst.

Hier seien nur einige der Wegstationen aufgezählt: Ein Spiegel fordert auf, sich nach jeder Zeile eines dort platzierten Gedichts in die Augen zu sehen: „Nimm die Maske ab.“ Die kann man auch zusammen mit seinen Sorgen an ein Holzkreuz nageln. Auf der Empore besuchen die Wandernden einen Meditationsraum, in zwei Seitenräumen bieten Teammitglieder ein Gespräch und ein Segenswort an.

Agape-Mahl in der Gemeinschaft

Am Taufstein zünden viele Besucher als Zeichen ihres Gebets eine Kerze an, die Anliegen einer Gebetswand fließen später in die Fürbitten ein. Regen Zuspruch findet die Einladung zum meditativen Tanz, und Gottes Vielfalt kann man an einer Wand mit Bibeltexten entdecken.

Die Fürbitten, das Gebet und das Vaterunser spricht Pastoralreferent Günter Schmitt von der Heilig-Geist-Kirche. Um auch mit den katholischen Mitchristen die Gemeinschaft feiern zu können, schließt sich kein traditionelles Abendmahl an, sondern ein Agape-Mahl: Ein Stück Brot symbolisiert die Verbundenheit untereinander und mit Gott.

Der nächste Mehrweg-Gottesdienst findet am Sonntag, 18. April, um 17.30 Uhr statt. Schon am kommenden Sonntag, 14. Februar, am Valentinstag, lädt die Citykirche um 19 Uhr zu einem „Gottesdienst für Liebende“ ein.
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