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aktualisiert: 09.10.2008 12:47
WÜRZBURG

Wie der Klimawandel Ihrer Gesundheit schadet

Welche Auswirkungen eine sich aufheizende Welt auf Menschen hat – Tipps eines Würzburger Experten
Neue Studien beweisen, dass der Klimawandel die Entwicklung von Allergien und Atemnot verschärfen kann. Ein Würzburger Allergie-Experte nennt Folgen des Treibhauseffekts für die Gesundheit des Menschen und erklärt, was Sie tun können, um die Umwelt zu schonen und Ihrer Gesundheit Gutes zu tun.

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Die Welt heizt sich auf. Als sicher gilt, dass die Jahresmitteltemperatur bis Ende des 21. Jahrhunderts um ein bis zwei Grad steigen wird, ganz pessimistische Studien schätzen die Steigerung auf über vier Grad Celsius. Privatdozent Dr. Axel Trautmann, Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie des Universitätsklinikums Würzburg: „Der Klimawandel hat Auswirkungen auf die Entwicklung von Allergien und die Gesundheit des Menschen im Allgemeinen.“ Schon jetzt nehmen Allergien und Asthma dramatisch zu. In den USA hat sich der Anteil der Asthmatiker von 1980 bis 1998 um zwei Drittel auf 7,5 Prozent der Gesamtbevölkerung erhöht, ähnliche Zahlen hat das Robert-Koch-Institut für Deutschland veröffentlicht, so die Online-Ausgabe der Zeitschrift „Geo“.

Eine neue Studie aus den USA sollte vor allem Gräser- und Baumpollenallergiker alarmieren: Offenbar regt die stetig steigende CO•-Konzentration in der Luft das Wachstum von Pflanzen an – und damit die Pollenproduktion. Nach dreijähriger Forschung weiß man das für die Ambrosia artemisiifolia. Das Beifußblättrige Traubenkraut, dessen Samen aus den USA nach Europa eingeschleppt wurde, hat sich mittlerweile eingenistet, vermehrt sich unkrautartig und ist ein besonders aggressives Allergen. Dr. Trautmann nennt einige Folgen des Treibhauseffekts für die Gesundheit:

Die Extreme nehmen zu

• Klimaextreme nehmen zu. Sogenannte Jahrhundertsommer wie anno 2003, als europaweit die Sterberate vor allem bei Älteren massiv anstieg, werden häufiger. Eine vom WWF, einer der größten Naturschutzorganisationen der Welt, in Auftrag gegebene und vom Kieler Institut für Weltwirtschaft erstellte Studie sagt, dass sich bis 2100 die Anzahl der Hitzetoten in Deutschland um mehrere Tausend erhöhen kann.

• Wie die Ozonbelastung, nimmt auch die Luftverschmutzung ständig zu. Ozon ist ein die Atemwege reizendes Treibhausgas, in der Luft wird sich noch mehr Feinstaub sammeln als heute. Folge: Nicht nur die Anzahl von Asthmaerkrankungen wird zunehmen, die Betroffenen werden auch schwerer leiden.

• Der Pollenflug-Kalender muss immer häufiger umgeschrieben werden. Die Saison beginnt früher und dauert länger. Statt ab Februar fliegen die Pollen schon im Dezember und auch nicht mehr nur bis April oder Mai, sondern bis Juli und August.

• Infektionskrankheiten werden zunehmen. Bei höheren Temperaturen fühlen sich viele hochansteckende Bakterien, etwa Salmonellen, pudelwohl, die Erwärmung begünstigt Verschleppung und Ausbreitung. Auch durch Insekten übertragene Krankheiten werden zunehmen. Wärmeliebende Schädlinge, Zecken etwa, werden sich in Regionen ausbreiten, die heute noch zu kühl für sie sind. Und in den Regionen, wo sie zu Hause sind, werden sie sich ungehemmter vermehren heute. Zecken können beim Menschen die Krankheiten Borreliose (durch Bakterien, keine Impfung möglich!) und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME, durch Viren, es gibt eine Impfung!) verursachen.

Trautmann will aber nicht nur ein Schreckensszenario malen: „Durch ein paar Verhaltensänderungen kann jeder im Alltag zur Reduzierung der Treibhausgase beitragen und gleichzeitig noch etwas für seine Gesundheit tun.“ Seine Tipps:

• Fortbewegung: Weniger Auto fahren, häufiger öffentliche Verkehrsmittel nutzen, mehr zu Fuß gehen und Fahrrad fahren. Der CO•-Ausstoß wird gesenkt, die Luft wird weniger stark verschmutzt. Mehr Bewegung ist gut fürs Herz-Kreislaufsystem und bekämpft Übergewicht.

• Ernährung: frische Lebensmittel aus der Region, weniger Fleisch (schlechte Öko-Bilanz), mehr Obst, Gemüse, Getreideprodukte. Weitere Vorteile gesunder Ernährung: verbesserte Lebensmittelqualität, da Lagerung und Transport reduziert sind und weitgehend auf Konservierungsmittel verzichtet werden kann; geringere Aufnahme von Zusatzstoffen oder Verunreinigungen (Pestizide).

• Nicht zuletzt dienen alle Energiespartipps (von der Sparlampe übers Vermeiden von Stand-by bis zur richtigen Dämmung und Isolation von Haus und Wohnung) der Gesundheit, weil die Luft weniger verschmutzt wird und „das so gesparte Geld in gesundheitsfördernde Freizeitaktivitäten investiert werden kann“, wie Trautmann empfiehlt.

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