Die unglaublichsten Fälle in der Medizin
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Einen Schwangerschaftstest auf vier Beinen dürfte es nicht allzu oft geben, aber Polly scheint sich als solcher bewährt zu haben. Die Hündin der Rasse Golden Retriever „erkannte Schwangerschaften zuverlässig“, schreibt die Wissenschaftsjournalistin Martina Frei in ihrem neuen Buch über „unglaubliche Fallgeschichten in der Medizin“. Polly zeigte diese erstaunliche Fähigkeit, indem sie ausgiebig am Schoß schwangerer, aber noch nichts ahnender Frauen schnüffelte. Liebe geht offenbar durch die Hundenase, zumindest wenn sie mehrere Wochen zurückliegt.
Mal vergnügliche, mal lehrreiche Gesundheitsanekdoten hat Martina Frei, Redakteurin des Zürcher „Tages-Anzeigers“ und Ärztin, in ihrem Buch „Das Mädchen mit den zwei Blutgruppen“ versammelt. Die Schrift wende sich „an alle, denen ihre Gesundheit am Herzen liegt“. Vertraut man Umfragen, dann sind das praktisch alle Menschen; nimmt man hingegen die tatsächlichen Ess-, Trink- und Bewegungsgewohnheiten zum Maßstab, dann lichten sich die Reihen schon gewaltig. Doch mögliche Leser bleiben genug.
Tranchiermesser im Rücken
Ohnehin hat Frei ihr mit ironischem Unterton geschriebenes Werk auch für all jene verfasst, die ihren Arzt „mal mit etwas Originellerem beeindrucken wollen als mit Husten-Schnupfen-Heiserkeit“ – für diese Gruppe von besonders am Kranksein interessierten Patienten halte das Buch „eine Fülle an Ideen“ bereit. Es gibt schließlich so viele Möglichkeiten, krank zu sein.
Beispielsweise könnte man das Fernsehprogramm mit der Fernbedienung in der Hand so lange durchsuchen, bis man eine Moderatoren- oder Ansagerstimme gefunden hat, die einem so richtig übel mitspielt. Bei einer 45-Jährigen aus den USA hat das geklappt: Sie reagierte auf die Stimme der blonden Moderatorin Mary Hart mit epileptischen Anfällen und Bewusstseinsstörungen – und zwar nur auf diese eine Stimme. Ein wenig Mühe beim Senderabsuchen muss also sein, doch zum Glück gibt es ja viele TV-Programme.
Freis Buch warnt zwar – oft augenzwinkernd – vor so manchem Gesundheitsrisiko, etwa vor dem allergischen Potenzial von Arzneien, die der Geschlechtspartner einnimmt. Doch „es beruhigt auch“, behauptet die Medizinjournalistin, die vor ihrem Job als Zeitungsredakteurin acht Jahre lang in Deutschland und der Schweiz als Ärztin gearbeitet hat.
So könne man durchaus „mit einem 31 Zentimeter langen Messer im Rücken noch durch die Gegend laufen“. Das nämlich hat ein 60-jähriger Angler aus dem südbadischen Laufenburg bewiesen, dem eines Tages ein Fremder von hinten einen heftigen Stoß versetzt hatte, worauf der Petri-Jünger in den Rhein fiel. Wenig später, wieder auf festem Boden, fühlte der Mann sich unwohl und geschwächt, „aber es war nicht so schlimm, dass er das Spital, das auf seinem Heimweg lag, aufgesucht hätte“, merkt Martina Frei an. Erst der Frau des Anglers sei aufgefallen, dass ihrem Gatten ein Tranchiermesser im Rücken steckte. Der Mensch hält eben eine Menge aus.
Auch die Wege zur Heilung können wundersam sein. Eine Dame namens Hubmann sollte in Köln an der Bandscheibe operiert werden, kam jedoch gar nicht erst in den Genuss der Prozedur, weil sich ihr Problem durch einen Auffahrunfall löste. Die Pflegekraft hatte die Patientin mitsamt ihrem Bett auf dem leicht abschüssigen Flur abgestellt, leider jedoch – ach was: glücklicherweise! – vergessen, die Bremsen des Krankenbettes festzustellen.
Also nahm das Heil seinen Lauf: „Das Bett fing an zu rollen, wurde schneller und schneller, die Patientin kreischte auf – und donnerte am Ende des Gangs in ihrem Bett gegen die Wand.“ So beschreibt Frei den Unfall, der für die Versichertengemeinschaft ein Kosten sparender war. Denn die Bandscheiben-Nöte „hatten sich erledigt, die Operation wurde abgeblasen“.
Allerdings zieren sich Mediziner bislang, diese rustikale Therapie zu empfehlen – schon weil es „für die Methode, Patienten liegend gegen die Wand zu fahren, keinerlei wissenschaftliche Studien“ gebe, wie die Autorin anmerkt.
Schon etwas größer sind die Chancen, den Zahnarzt aufzusuchen und ihn mit einer lockeren Schraube zu verlassen. Man muss sie nur einatmen. Einem 52-Jährigen ist das passiert, als er sich einen Zahnersatz einsetzen lassen wollte und seinem Dentisten eine Metallschraube entglitt. „Sie blieb unauffindbar – bis sich der Patient auf Anraten des Zahnklempners den Brustkorb röntgen ließ“, berichtet Frei.
Verschluckte Zahnprothesen
Und siehe da: Die Schraube ruhte im rechten Lungenflügel, wohin der arme Mann sie noch auf dem Zahnarztstuhl inhaliert hatte. Als ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt den Fremdkörper später mit einer endoskopischen Sonde entfernen wollte, musste der unglückliche Patient niesen – was das Schräubchen zur Abwechslung in die linke Lunge beförderte. Offenbar war damit die Unternehmungslust des frechen Metalls befriedigt, so dass es sich beim zweiten Versuch entfernen ließ.
Schrauben sind in guter Gesellschaft: Amalgamfüllungen und Zahnprothesen, Fixierdrähte und Kronen, selbst Gazetupfer und zahnärztliche Instrumente hätten Zahn-Patienten schon verschluckt, listet Martina Frei auf. Dagegen würde am Ende nur eines helfen: Klappe halten. Gerade das aber fällt beim Zahnarzt auf Dauer schwer.





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