Freitag der 12.03.2010 14:09 Uhr
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aktualisiert: 09.02.2010 09:05 Uhr

Jeder darf lachen, wann und über was er möchte

Die Meinungen von Journalisten über ein und dieselbe Veranstaltung können sich widersprechen
Die Fastnacht, in ihrer Ernsthaftigkeit, will auch ich an dieser stets ernsthaften Stelle wenigstens in diesen Tagen nicht vernachlässigen.

Steckte mir doch jüngst der Präsident aller hiesigen Narren, Bernhard Schlereth, verschmitzt dreinschauend, zwei Kopien von unterschiedlichen Beiträgen dieser Zeitung zu. Als ich sie gelesen hatte, wurde ich das Gefühl nicht los, dass mich Schlereth als Leseranwalt journalistisch in die Bütt holen wollte.

Da bin ich nun. Hatte ich noch gezögert, so waren mir widersprüchliche Zuschauerreaktionen auf die quotenträchtige Veitshöchheimer TV-Sitzung vom vergangenen Freitag weiterer Anstoß zu diesen Zeilen. Bei meinem Stolz als Franke fühlte ich mich selbstverständlich der Meinung eines fast uneingeschränkt begeisterten Landsmannes verbunden. Konnte ich mich doch dieses Mal leider nicht selbst über das prunkvolle Spektakel am Bildschirm amüsieren. Ich war eingeladen, und die Gastgeber pflegten das Gespräch bei Tisch, nicht TV-Quoten.

Das tut aber auch nichts zu der Sache, um die es hier exemplarisch gehen soll. Zu diesem Zweck blicke ich weiter zurück, nämlich auf die Närrische Weinprobe im Würzburger Hofkeller. An deren Frohsinn dürfen Fernsehzuschauer ebenfalls alljährlich teilhaben. Wir berichteten in der Zeitung (1. Kopie) im Januar über dieses Ereignis so wohlwollend, dass alle, die nicht eingeschaltet hatten, zumindest wussten, „da haben wir was versäumt.“ Unser Korrespondent ließ in seinem Beitrag erkennen, dass es dort auch für Spaßbremsen nicht ohne Lachanfälle abging.

Aber dann erlaubte sich doch tatsächlich in einer Lokalausgabe ein Kollege, von einer „Wehtu-Sendung“ zu schreiben (2. Kopie). Er wurde deutlich: „Unterste Regionalliga. Die immer gleichen Witze. Die immer gleichen Nasen im Publikum. Die immer gleichen Typen auf der Bühne. Wieso stoppt das keiner?“ – Über soviel Klarheit reibt sich mancher Leser vergnüglich die Hände, so er nicht Nase und Type war.

Zwei Journalisten widersprechen sich in einer Zeitung über ein und dasselbe Ereignis. Darf das sein? Die Frage hat sich in der Fastnachtsverbands-Obrigkeit vielleicht nicht nur Schlereth gestellt. Meine Antwort ist einfach, für die Bütt zu wenig pointiert und reicht über Fastnacht hinaus: Die beiden Kollegen haben tatsächlich unterschiedliche Meinungen. Dazu stehen sie. Also waren ihre Beiträge mit ihren Namen gezeichnet. Meinungen und Geschmäcker lassen sich nicht gleichschalten. Das ist in einer Redaktion Grundgesetz. Wir erkennen, nicht nur zu Fastnachtszeit soll jeder lachen können wann und über was er will. Ich finde es gut, dass mir Bernhard Schlereth zwei Kopien übergeben konnte.

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