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aktualisiert: 23.12.2009 10:13 Uhr

Wenig Schmeichelhaftes für die Redaktion im Advent

Erinnern Sie sich lieber an Erfreuliches und ärgern Sie sich an den Festtagen nicht über Zeitungsbeiträge

Unendlich enttäuscht und frustriert“ zeigte sich jetzt eine Leserin, weil sie nach einer humanitären Aktivität glaubt, dass sie dieser Zeitung „nichts, aber auch gar nichts wert ist.“ Mit ihrem Zeitungsfrust steht sie nicht alleine da. Ein anderer Leser plagt sich nämlich damit herum, dass sich unsere „Kulturabteilung ein Armutszeugnis höchster Güte“ bei der Besprechung eines Konzertes ausgestellt habe.

Ein langjähriger Abonnent schimpft unter Angabe seiner Kundennummer, es könne kein Platzmangel sein, dass ein Chorkonzert nicht ausreichend gewürdigt worden sei. Schließlich ist er sich sicher, „dass in nächster Zeit über Faschingsveranstaltungen wieder seitenlange Bilder und Berichte erscheinen werden“.

Überdenken sollte die Redaktion endlich mal, dass die Fehler, die Journalisten ins System schreiben, einfach nur abgedruckt würden. Zu viele Bilder belästigen jenen Herrn, der sich stattdessen mehr lokale Texte wünscht. Eine Leserin teilt mir sogar ihre Wut darüber mit, dass die Strafen für Kinderschänder bei unserer Rechtsprechung zu gering ausfallen würden. Ein schockierter Leserbriefschreiber beweist mir mittels Kopie, dass ihm nach der Veröffentlichung seines Textes „Unmenschlichkeit“ unterstellt worden ist. Dabei sind es doch die Medien, die „verantwortungslos mit dem Weltgeschehen umgehen“, will ein anderer Kritiker wissen und wieder ein anderer wartet seit Tagen vergeblich auf die Entschuldigung des Autors einer Konzertkritik. Nicht zum ersten Male wird Geschmacklosigkeit unterstellt, weil sich Todesanzeigen neben Glückwunschanzeigen gefunden haben.

Stopp. Damit soll es genug sein mit meiner Auswahl wenig schmeichelhafter Zitate aus digitalen, gedruckten und handschriftlichen Zuwendungen für die Redaktion dieser Zeitung zur Adventszeit. Ich danke für die übermäßig offenen Worte und entschuldige mich für Fehler, die wir zu verantworten haben. Nein, das ist kein weihnachtlicher Gefühlsanfall. Gewiss, mehr Sachlichkeit wünsche ich mir mitunter. Noch wichtiger ist mir heute aber, dass niemand seinen Ärger über einen Zeitungsbeitrag in die Festtage hineinschleppt. Einige haben eben versucht, ihn loszuwerden und können sicher sein, dass sie keine Zeile umsonst geschrieben haben. Alle sind angekommen und angenommen. Wir haben uns in der Redaktion jede Kritik zu Herzen genommen. Ich bitte lediglich um Verständnis, dass ich hier, schon wegen der Menge, nicht auf die Zuschriften eingehen kann. Meine Antworten direkt an die Absender folgen. Nicht alles soll sich in Wohlgefallen auflösen. Aber vielleicht sind Sie, so wie ich, ein wenig versöhnlich gestimmt. Mir hilft, dass ich anerkennende Schreiben (Dank an die Absender) aufbewahrt habe. Nachlesen stärkt.

Deshalb mein Tipp: Holen auch Sie hervor, was Freude bereitet hat – vielleicht sogar in der Zeitung. Fühlen Sie sich auf jeden Fall von mir verstanden, selbst wenn ich Sie vor den Festtagen nicht mehr erreichen sollte.

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