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aktualisiert: 07.12.2009 20:21 Uhr

Wenn eine persönliche Sichtweise aus Bildern Botschaften macht

Auch fotografische Perspektiven bedürfen oft journalistischer Erklärung – Es geht um Wahrhaftigkeit
Ein Bild ist bei einem Leser, der das sehr deutlich gemacht hat, gänzlich anders angekommen, als von der Redaktion beabsichtigt.

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Es geht um das Minarett auf der Titelseite der Zeitung vom 1. Dezember, das den Bericht über das Ergebnis des Schweizer Volksentscheids illustriert. Das hohe Foto (das hier verkleinert noch einmal zu sehen ist) entstand an einer Moschee des Würzburger Stadtteils Rottenbauer. Nachrichtlich kommt es auf das Minarett an. Deshalb ist es groß im Vordergrund sichtbar. In einiger Entfernung, also kleiner im Hintergrund, erkennt man noch den Kirchturm.

Am gleichen Tag wirft ein äußerst erboster Anrufer aus Rottenbauer unserer Redaktion, speziell aber unserem Fotografen, üble Diskriminierung des Islam vor: Es sei Absicht, das Minarett so riesig zu zeigen, um Stimmung gegen Muslime zu machen. In Wirklichkeit sei der Kirchturm im Hintergrund nämlich deutlich höher als das Minarett. Auf dem Titel der Zeitung messe er aber 35 Zentimeter Minarett und nur 3,5 Zentimeter Kirchturm.

Ja, die Redaktion weiß, dass der Kirchturm in Rottenbauer höher ist als das Minarett. Dennoch hat mich die Kritik des am Telefon schimpfenden Franken überrascht. Immerhin offenbarte er ein sonst sehr erfreuliches Streben nach Toleranz für alle Religionen. Aber von seiner Überzeugung, dass die Redaktion absichtlich manipuliert habe, ließ er sich aber nicht abbringen – weder durch die Erklärung, dass wegen der fotografischen Perspektive Gebäude in größerer Entfernung kleiner erscheinen, noch dadurch, dass es in diesem Fall eben darauf angekommen sei, ein Minarett groß und deutlich zu zeigen. Nicht einmal den Kommentar in der gleichen Ausgabe, der das Votum der Schweizer gegen Minarette als verheerend bezeichnet, hat der Anrufer zur Entlastung der Redaktion gelten lassen.

Zugeben will ich: In diesem Fall wäre es richtig gewesen, im Text erklärend hinzuzufügen, dass das Foto täuscht, weil der Kirchturm im Hintergrund in Wirklichkeit deutlich größer ist, als das im Bild dominierende Minarett. Eine solche Anmerkung ist im Sinne der journalistischen Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit. Die ist wichtig, weil gerade dieses Beispiel deutlich macht, dass ein Bild erst beim Betrachter zu einer Botschaft wird. Die ergibt sich zu einem großen Teil aus dessen Einstellung.

Grundsätzlich halte ich aber fest, dass keine Menschen für ihre Religion diskriminiert werden dürfen. Das war auch nie Absicht der Redaktion.

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