Wenn eine persönliche Sichtweise aus Bildern Botschaften macht
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Es geht um das Minarett auf der Titelseite der Zeitung vom 1. Dezember, das den Bericht über das Ergebnis des Schweizer Volksentscheids illustriert. Das hohe Foto (das hier verkleinert noch einmal zu sehen ist) entstand an einer Moschee des Würzburger Stadtteils Rottenbauer. Nachrichtlich kommt es auf das Minarett an. Deshalb ist es groß im Vordergrund sichtbar. In einiger Entfernung, also kleiner im Hintergrund, erkennt man noch den Kirchturm.
Am gleichen Tag wirft ein äußerst erboster Anrufer aus Rottenbauer unserer Redaktion, speziell aber unserem Fotografen, üble Diskriminierung des Islam vor: Es sei Absicht, das Minarett so riesig zu zeigen, um Stimmung gegen Muslime zu machen. In Wirklichkeit sei der Kirchturm im Hintergrund nämlich deutlich höher als das Minarett. Auf dem Titel der Zeitung messe er aber 35 Zentimeter Minarett und nur 3,5 Zentimeter Kirchturm.
Ja, die Redaktion weiß, dass der Kirchturm in Rottenbauer höher ist als das Minarett. Dennoch hat mich die Kritik des am Telefon schimpfenden Franken überrascht. Immerhin offenbarte er ein sonst sehr erfreuliches Streben nach Toleranz für alle Religionen. Aber von seiner Überzeugung, dass die Redaktion absichtlich manipuliert habe, ließ er sich aber nicht abbringen – weder durch die Erklärung, dass wegen der fotografischen Perspektive Gebäude in größerer Entfernung kleiner erscheinen, noch dadurch, dass es in diesem Fall eben darauf angekommen sei, ein Minarett groß und deutlich zu zeigen. Nicht einmal den Kommentar in der gleichen Ausgabe, der das Votum der Schweizer gegen Minarette als verheerend bezeichnet, hat der Anrufer zur Entlastung der Redaktion gelten lassen.
Zugeben will ich: In diesem Fall wäre es richtig gewesen, im Text erklärend hinzuzufügen, dass das Foto täuscht, weil der Kirchturm im Hintergrund in Wirklichkeit deutlich größer ist, als das im Bild dominierende Minarett. Eine solche Anmerkung ist im Sinne der journalistischen Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit. Die ist wichtig, weil gerade dieses Beispiel deutlich macht, dass ein Bild erst beim Betrachter zu einer Botschaft wird. Die ergibt sich zu einem großen Teil aus dessen Einstellung.
Grundsätzlich halte ich aber fest, dass keine Menschen für ihre Religion diskriminiert werden dürfen. Das war auch nie Absicht der Redaktion.
dieser Anrufer steht nicht alleine da mit seiner Meinung. Ich bin jedenfalls auch der Meinung dass dieses Foto gezielt so dargestellt werden sollte, da kann sich die Redaktion raus reden wie sie will. Mann kennt ja mittlerweile die MP. (nach 40 Jahren Apo)
Sie nimmt immer mehr Bildmethoden an, eigentlich schade, denn wer sonst hat die Möglichkeit sich in derr Öffentlichkeit tolerant für Alle in unsere Gesellschaft ein zu setzen. Man braucht nur die Schlagzeilen der letzten Wochen zu lesen. Da lässt die Bildzeitung grüßen.
die Stellungnahme könnte m.E. auch wesentlich kürzer auf den Punkt gebracht werden:
Wenn dem Betrachter mit einem mit Extrem-Zoom erzeugtem Bild die Realität dermaßen verfälscht vermittelt wird, dann sollte dies in der Bildunterschrift auch erläutert werden. Warum musste dieses Bild überhaupt in dieser Einstellung erzeugt und veröffentlicht werden? Das blaue Einfamilienhaus im Bildhintergrund ist immerhin ca. 600 Meter vom abgelichteten Minarett entfernt – soviel zu den Dimensionen!
@alldorf: Ich denke Ihre Fragen sind allesamt im vorstehenden Beitrag von mir beantwortet. Sie haben doch Recht. Es wäre richtig gewesen, auf die täuschende Foto-Perspektive hinzuweisen.
Grüße Anton Sahlender Leseranwalt
nach 40 Jahren MP Leser stelle ich fest dass die Schlagzeilen immer mehr der Bild ähneln, das mein ich mit MP kennen.
Als Hobby-Fotograf weiß ich wie ich etwas in den Bildvordergrund platzieren kann, ich denke das wusste der Fotograf auch der das Bild aufgenommen hat. Wenn er gewollt hätte dann hätten er beide Kirchen auf dem Bild in etwa gleicher Größe abbilden können.
Mit freundlichen Grüßen
Grüße Anton Sahlender, Leseranwalt
"Objects in the rear view mirror ..."
Sollte man nicht annehmen, daß sowas zum Allgemeinwissen gehört?
Mich überrascht auch nicht, daß sich neben einem Text über Minarette ein Bild mit einem Minarett im Vordergrund befindet.
Wer mittlerweile die Main-Post kennt und mit der Bild vergleicht, sollte vielleicht doch das "Apo" kündigen und sich ne bessere Zeitung suchen ...
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