Mittwoch der 17.03.2010 01:47 Uhr
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Unterm Strich: Ey Alter, was geht?
Die Direktorin einer bundesweiten Kette von Seniorenwohnanlagen hat mir geschrieben und ein „attraktives Angebot“ unterbreitet: ein individuell eingerichtetes Appartement sowie eine „serviceorientierte Betreuung, die auch bei Pflegebedürftigkeit für viel Lebensqualität sorgt“. Der Brief endet mit den Worten: „Wir freuen uns, Sie in einer unserer Seniorenwohnanlagen begrüßen zu dürfen.“ Das Angebot ist verlockend, keine Frage. Aber ich fürchte, ich brauche noch etwas Zeit. Ich bin noch nicht einmal 50 Jahre alt. Im Großen und Ganzen kann ich sagen: Es geht noch. Aber wie lange? Mein Neffe fragte mich neulich schon: Ey Alter, was geht? Eine gute Frage. Die Direktorin der Seniorenwohnanlage verspricht mir eine „anregende Gemeinschaft mit Gleichgesinnten“. Ich bin da eher skeptisch. Ich habe schon heute ab und an Probleme, eine anregende Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu erfahren. Wieso soll das ausgerechnet im Seniorenwohnheim anders sein? Vermutlich laufen dort alle mit Nordic-Walking-Stöcken durch den Flur, und wenn ich in Ruhe lesen will, kommt ein Pfleger und fragt mich: Ey Alter, was geht? Vor kurzem war ich in der Sparkasse. Dort gibt es im Schalterbereich fünf „Betreuungsgruppen“. Wer eine Auskunft will, muss wissen, welche Betreuungsgruppe für ihn zuständig ist. Ich wusste nicht, zu welcher Betreuungsgruppe ich gehöre. Ist meine Demenz schon so weit fortgeschritten? Was geht? Ich weiß nicht mehr, was noch geht. Ich fühle mich alt. Meine Beine sind taub, meine Arme grau, meine Haare lahm und gebrechlich. Wo ist meine Betreuungsgruppe? mehr ...
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