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aktualisiert: 14.01.2009 19:09
BRÜSSEL

Provokante Kunst blamiert Prag bis auf die Knochen

EU-Ratspräsidentschaft fällt auf Scherz eines Künstlers rein
Der brave Soldat Schwejk – nach dem Vorbild des tschechischen Reichsratsabgeordneten Josef Svejk anno 1905 beschrieben – hätte wohl herzhaft gelacht über die Posse um ein Kunst-Stück, mit dem sich die tschechische Ratspräsidentschaft vor ganz Europa bis auf die Knochen blamiert hat.

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Das Objekt des Anstoßes wurde im Ratsgebäude der Europäischen Union aufgestellt – also dort, wo tagtäglich Tausende von Diplomaten aus allen 27 Mitgliedstaaten ein- und ausgehen, wo sich die Staats- und Regierungschefs zu den EU-Gipfeln treffen. „Entropa“ heißt das zeitgenössische Werk, zusammengestellt von dem tschechischen Künstler David Cerny, der sich Bildhauer nennt.

Er hatte, so hieß es stolz in einer Selbstdarstellung der Prager Regierung, 27 namhafte Kollegen aus allen Mitgliedstaaten gebeten, Teile des Kunstwerks zuzuliefern. Die fügte er zu einem Werk zusammen, deren Charme dem eines Lego-Hauses nahekommt. Aber immerhin enthalte, so wurde offiziell betont, das Kunstwerk Beiträge des „bekannten“ deutschen Bildhauers Helmut Bauer, der Österreicherin Sabrina Unterberger und des „berühmten“ griechischen Künstlers Angelo Navridis. Da es hier um Kultur geht und EU-Beamte sich gern als niveauvolle Kunstfachleute sehen, mochte in Brüssel niemand zugeben, dass ihm die Namen nie untergekommen waren.

Als Provokation gedacht

Das hatte seinen Grund: Die Damen und Herren gibt es nicht. Cerny, der für seine linkslastige politische Ironie bekannt ist, wollte nur provozieren und testen, ob „Europa über sich selbst lachen kann“. Das Lachen indes blieb der tschechischen Ratspräsidentschaft, vor allem Europaminister Alexandr Vondra, allerdings im Halse stecken, als – nach der Enthüllung des zehn Mal zehn Meter großen Werkes – die ersten empört aufschrien.

Denn der „Meister“ hat aus der Klischee–Kiste alles herausgeholt, was an Beleidigungen drin ist. Deutschland erscheint als Netz aus Autobahnen, die – mit viel Fantasie – ein Hakenkreuz ergeben. Über Frankreich prangt das Banner „Streik“, Schweden wurde in einen Ikea-Karton verpackt, Spanien zubetoniert – eine Anspielung auf die Bauwut. Als erste beschwerte sich die Sprecherin der bulgarischen EU-Vertretung, weil ihre Heimat als „Hock-Toilette“ erscheint. Wenig später intervenierte das Außenministerium aus Sofia gegen das tschechische „Kunst-Stück“. Von Stunde zu Stunde häuften sich die Kommentare. Der österreichische Parlamentsabgeordnete (sein Land als grüne Wiese mit Kühltürmen) bezeichnet das „Machwerk“ als „empörend“.

CSU-EU-Parlamentarier Markus Ferber sprach von „unzumutbarer Geschmacklosigkeit, mit der gängige Vorurteile bedient“ würden. Einige Diplomaten beschränkten sich auf intensives Tippen an die Stirn. Prags Europa-Minister Vondra zeigte sich „schockiert“ und wies die Verantwortung dem Künstler zu. Der entschuldigte sich, ließ aber offen, was mit dem Werk passieren soll. Tschechien hat es für die sechsmonatige Präsidentschaft gegen eine Gebühr von 50 000 Euro nur geliehen. Am heutigen Donnerstag hat die Prager Regierung zum Empfang geladen, um ihre Präsidentschaft kulinarisch zu eröffnen – zu Füßen des schwer verdaulichen Kunstwerks.

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