Wie nach einem Krieg
(dre) „Hier wohnen Bullen“, schreit einer der schwarz vermummten Demonstranten. Ein Irrtum, aber das hält die 10, 15 Mann nicht auf. In der Hotelbar wird Whisky verschüttet und angezündet. Rasch breiten sich die Flammen aus, in Minuten brennt das ganze Gebäude. Es ist die zweite schwarze Rauchsäule über der Europabrücke, die Kehl und Straßburg verbindet. An diesem Samstag werden sie zu einem Fanal des Hasses gegen die NATO.
Am Morgen gibt es erste Rangeleien mit der Polizei, die währenddessen tauchende Demonstranten aus dem Rheinarm fischt. Als zum ersten Mal Steine fliegen, schießt die wenig zimperliche französische Polizei mit Tränengas-Granaten. Das lässt die Wut überkochen. Erst geht das längst leerstehende Gebäude der ehemaligen Grenzkontrolle an der Europa-Brücke, dann eine Tankstelle, eine Geldwechselstube, schließlich das Ibis-Hotel in Flammen auf. Damit stirbt die letzte Hoffnung, dass der NATO-Gipfel friedlich verlaufen könnte. Der Hass eskaliert. Französische Polizisten flüchten sich über die Brücke in die Arme der deutschen Kollegen, die Wasserwerfer Richtung Straßburg schicken.
Am Rheinufer bekommen die rund 6000 Teilnehmer der deutschen Kundgebung die Rauchsäulen mit. Viele sind betroffen: „Wir wollen eine Welt ohne Waffen und Gewalt“, sagt ein Mann. Eine Studentin weint: „Wer Brandbomben wirft, ist genauso unser Gegner, wie der, der ein Militärbündnis schmiedet.“
In Straßburg, wo der Mob tobt, stehen Einwohner erschüttert am Straßenrand. „Warum machen die das?“, fragt eine Frau. Erst am späten Samstagabend kehrt wieder Ruhe ein. Fast 100 Festnahmen, mindestens 50 Verletzte sind die Bilanz. Und an der Europabrücke nach Kehl, die für Deutsche und Franzosen seit vielen Jahrzehnten ein Symbol der Freundschaft ist, sieht es aus wie nach einem Krieg.










