publiziert: 08.10.2010 17:00 Uhr
aktualisiert: 12.11.2010 11:55 Uhr
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„Da muss ich ihr Luft lassen“

Meine Maschine & ich: Michael Back sitzt seit 20 Jahren auf dem Bagger und weiß genau, was „seine Maschine“ braucht. In all diesen Jahren hat er eine fast schon liebevolle Beziehung zu seinem Arbeitsgerät entwickelt.

  • Geht in der Arbeit nie auf Risiko: Michael Back auf der Baustelle der Eltingshäuser Firma Hell in Euerdorf.
    Foto: Isolde Krapf
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Wenn ich zwei Wochen Urlaub hatte, dann freu ich mich wieder aufs Baggerfahren“, sagt Michael Back und dann muss er gleich über sein Geständnis lachen. „Man sieht in meinem Beruf einfach abends genau, was man tagsüber geschafft hat“, beschreibt er die Motivation für seine Tätigkeit, die er bei jedem Wetter in einem kleinen Kabäuschen 1,5 Meter über der Erde ausführt.

Auf der Baustelle der Eltingshäuser Firma Hell in Euerdorf sitzt er in diesen Wochen täglich in einem „Liebherr Modell 904“. „Aber mein Bagger ist das nicht, der steht zurzeit in Frankfurt“, ist es ihm wichtig klar zu stellen. Dort ist der 50-Jährige seit rund dreieinhalb Jahren immer wieder mal „auf Montage“. „Sein“ Bagger ist ein Modell 900 und hat einen kürzeren Stiel, erklärt er fachmännisch den Unterschied zwischen den zwei gelben Riesen mit den überdimensionalen Fangarmen.

Drei bis vier Tonnen auf dem Löffel

„Wenn ich auf einer engen Baustelle bin, zieh ich den Zylinder des Baggers ein, dann wird der Stiel kürzer“, versucht der Experte mit mir zu fachsimpeln. Ich schaue ratlos, während mein Gegenüber ungefähr auf die Stelle deutet, wo der Stiel sich wie ein Krakenarm aus dem Baufahrzeug rekelt. „Übrigens kann ich den Stiel um 360 Grad schwenken.“

„Mit einem Bagger muss man was Schweres heben können“, markiert Back die Hauptfunktion seines Arbeitsgeräts. „Auch wenn man seitlich schwenkt, darf er nicht kippen“. Denn drei bis vier Tonnen hat man schon mal auf dem Löffel, erklärt der Fachmann von Angesicht zu Angesicht und lüftet dabei wie zur Erklärung sein blaues Käppi auf dem Kopf. „Bei schweren Teilen, die ich heben will, lass ich das Stützschild vorn an den Rädern erst mal runter, um Halt zu haben“, setzt er sich alsbald mit seinem Bagger in Personalunion.

Die schwere Fracht wird schließlich hoch gehoben. Dann sehe er ja, wie der Bagger reagiert: „Ich verlass mich ganz auf mein Gefühl. Ich merk das schon am Sitzen.“ Im Ernstfall hebt sich der ganze Bagger leicht, seziert der 50-Jährige den Arbeitsvorgang. Schluss ist für ihn spätestens dann, „wenn hinten der Arsch hoch kommt“.

Feingefühl für alte Wasserleitungen

Ja, und gelegentlich rutscht man mit dem Bagger auf lockerem Boden auch schon mal zu weit nach vorn, sagt Back. In diesem Fall heißt's schleunigst zurücksetzen. Manchmal haben seine Arbeitskollegen von ihrem Blickwinkel aus einen ganz anderen Eindruck von der Situation. „Komm, kannst noch ein Stück vorfahren“, heißt es dann. Da ist aber für Back meist schon vorher Schluss, „denn nur ich weiß in dem Moment, wie meine Maschine läuft“. Man könne in der Arbeit eben „nicht voll auf Risiko gehen“.

Feingefühl braucht der 50-Jährige zum Beispiel, wenn es wie in Euerdorf darum geht, alte Wasserleitungen freizulegen, um sie durch neue Rohre zu ersetzen. „Du weißt ja nie, in welcher Tiefe sie liegen“, beschreibt er die Schwierigkeit dieses Unterfangens. Da müssen die ersten Erdschichten abgetragen werden. „Dann nehme ich mit dem Baggerlöffel vorsichtig Fühlung auf, denn die Leitungen stehen ja unter Druck“.

Eigentlich ist Back gelernter Metzger. Später begann er eine Umschulung zum Dreher und Fräser. Schließlich machte er den Führerschein der Klasse II. „Und dann hatte ich die Idee, Baggerfahrer zu werden.“ Das ist 21 Jahre her. Back hat inzwischen auf zahlreichen Baustellen Erfahrungen gesammelt. Seit 19 Jahren arbeitet er bei Josef Hell in Eltingshausen. Die bislang größte Baustelle war wohl die in Dieburg, wo er eineinhalb Jahre lang an einem Tiefbau-Projekt mitarbeitete: In einer Industriesiedlung musste ein Ringverkehr angelegt werden.

Auch in Oberursel war er schon. Dort wurde ein Bahnsteig abgebrochen und dann ein neuer gebaut. Immer wieder arbeitet er zudem in Frankfurt. Seit dreieinhalb Jahren ist er dort in die Erneuerung der S-Bahn-Gleise involviert. Die Teilstücke werden jeweils an den Wochenenden erneuert. Manchmal ist er auch eine Woche lang auf der Baustelle. „Ich mache meinen Beruf gern, und das bei jedem Wetter“, sagt er. Selbst die kalten Winter schrecken ihn nicht, denn in der Fahrerkabine hat er Heizung und Klimaanlage. Übrigens: Auch Bagger können in der kalten Jahreszeit mal zicken. Man kann nicht einfach den Motor anlassen, den Stiel schwenken und loslegen. Schließlich hat auch jede Maschine eine Seele. „Da muss ich ihr erst mal Luft lassen, damit sie warm läuft.“

Von unserem Redaktionsmitglied ISOLDE KRAPF
    
    

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