publiziert: 20.08.2010 15:27 Uhr
aktualisiert: 10.09.2010 15:35 Uhr
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„Ich kenne sie in- und auswendig“

Meine Maschine und ich: Ayla Öztürks freundschaftliche Beziehung zu ihrer Nähmaschine
  • Ayla Öztürk und ihre Nähmaschinen: Eine ganz besondere Beziehung.
    Foto: Katja Glatzer
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„Änderungsschneiderei Ayla“ prangt in weißen Buchstaben an der Fensterscheibe. Im Inneren des Lädchens taucht man gleich in die Welt des Nähens ab. Auf einem Tisch stapelt sich Nähgarn in Hülle und Fülle und in sämtlichen Farben. Gegenüber stehen mehrere Kleiderständer auf denen Hosen, Kleider oder Röcke ordentlich aneinandergereiht hängen, manche sind bereits bearbeitet – andere wiederum warten noch darauf, einen Reißverschluss verpasst zu bekommen, geflickt zu werden oder gekürzt.

Ayla Öztürk sitzt an einer ihrer Nähmaschinen und ist dabei die Hose einer Kundin deren Wünschen entsprechend zu ändern. Ratter, Ratter. Öztürk schwört auf ihre 30 Jahre alte weiße Nähmaschine der Marke Bernina, die ihr bis auf kleinere Reparaturarbeiten immer die Treue gehalten hat. Auch die anderen, darunter eine des Traditionsunternehmens Pfaff, begleiten sie seit Langem. Der Beruf macht ihr Spaß, schon als Kind mochte sie Handarbeiten, „da habe ich immer gehäkelt“, erzählt sie.

Ihre Heimat ist die Türkei, die Stadt Düzce am Schwarzen Meer, etwa 250 Kilometer von Istanbul entfernt. Dort erlebte sie ihre Kindheit, teilweise auch bei der Großmutter. Denn die Eltern wanderten Mitte der 70-er Jahre nach Deutschland aus, genauer nach Schlüchtern – um dort ihr Glück zu suchen. Sie und ihr Bruder kamen nach. Schnell lernte die damals 16-Jährige die Sprache, arbeitete in einer Änderungsschneiderei mit und ging auf die Berufsschule. Nach dem erworbenen Wissen arbeitet sie dann mehrere Jahre lang in der Kleiderfabrik Eka in Schlüchtern.

Von der Türkei in die Weinstadt

Doch der Gedanke, etwas eigenes auf die Beine zu stellen und ihr eigener Chef zu sein, kam immer wieder. Ihre Tante, auch Schneiderin, habe sie ermutigt, erzählt Öztürk. Sie muss schmunzeln. Bevor sie mit ihrem Mann zusammen nach Hammelburg kam, habe sie sämtliche Nachbarlandkreise nach Schneidereien durchforstet. „Ich wollte natürlich nicht dorthin, wo es ein Überangebot an Schneidereien gibt.“

Den 1. Juli 1987 wird Ayla Öztürk nicht vergessen. „An dem Tag, habe ich meinen Laden eröffnet.“ Auch der erste Kunde ist in Erinnerung geblieben, denn er kam schon Tage vorher, als die Familie noch inmitten der Einräumarbeiten saß. „Es lief gut an“, sagt Ayla froh. Man werde zwar nicht reich davon, aber man könne davon leben. Die Industrienähmaschinen – darunter auch Saummaschinen – habe sie gebraucht erstanden. „Nun hänge ich an meine Maschinen, bin an sie gewöhnt. Die alten sind doch die Besten.“ Wenn ein Teil kaputt geht, muss sie nicht so viel in die Reparatur investieren wie bei den modernen elektronischen Maschinen. Ihre hingegen lässt sie schon seit Langem in Lohr reparieren.

Die richtige Pflege

Aber natürlich wollen ihre Maschinen gut gepflegt sein. Mindestens einmal im Monat werden sie geölt. „Da entwickelt man schon eine Beziehung“, sagt sie lachend. „Ich kenne sie in und auswendig, höre schon am Geräusch, wenn irgendetwas nicht stimmt.“ Die 47-jährige Frau mit den kurzen blonden Haaren liebt ihren Beruf. Was das Besondere ist? „Beim Nähen kann aus einem Fetzen Stoff alles entstehen, was ich will.“ Ob Rock, Kleid, Hose oder Bluse. Doch Auftragsarbeiten allein, weiß sie, lohnen sich nicht. Die Änderungsschneiderei sei unerlässlich. Dafür freut sie sich, wenn sie einem Kunden Freude bereiten kann, weil das Kleidungsstück nun richtig passt oder ein Fehler behoben ist.

Von 1998 bis 2003 hatte die rührige Unternehmerin noch Kinderbekleidung („Aylas Kindershop“) mit im Laden. „Das war hochwertige Ware, die sich aber nicht so gut verkaufen ließ.“ Nun hat sie Gebäude-und Glasreinigung im Geschäft integriert, auch ihr Mann arbeitet dort. Neuerdings – nachdem der Schuster am E-Center geschlossen hat – bieten die Öztürks auch noch einen Schuhreparaturservice an, „die Schuhe werden nach Würzburg gebracht und dort geflickt“.

Aylas inzwischen erwachsene Tochter ist in der Schneiderei aufgewachsen, als kleines Mädchen immer zwischen den Stoffen hin- und hergesprungen. Von der Mama bekam sie viele schöne Kleider genäht. Doch sie hat andere Vorstellungen, als den Beruf der Schneiderin zu lernen und den Laden zu übernehmen. Sie macht gerade eine Ausbildung zur Arzthelferin.

Ratter. Ratter. Wieder kommt ein Kunde hinein. Diesmal mit einem Rock, der gekürzt werden soll. Die Maschine wartet schon.

Von unserem Redaktionsmitglied Katja Glatzer
    
    

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