publiziert: 03.02.2012 15:18 Uhr
aktualisiert: 03.02.2012 17:43 Uhr
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3000 Räucherstäbchen für einen Euro

Leonie Nelkenstock macht herbe Erfahrungen in einem indischen Slum und freut sich auf ihr soziales Projekt
  • In Indien ist es bereits wieder Sommer geworden: Leonie Nelkenstock auf einer Radtour.
    Foto: Nelkenstock
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Leonie Nelkenstock aus Eckarts, die seit einem halben Jahr ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im südindischen Dorf Chetput verbringt, hat sich mit einem neuen Erfahrungsbericht in unserer Redaktion gemeldet. Zuletzt absolvierte die 20-Jährige Anfang Januar mit rund 25 anderen Indien-Freiwilligen ein achttägiges Seminar in Bangalore im Bundesstaat Karnataka, ist aus der E-Mail zu erfahren.

„Die Teilnehmer kamen aus den unterschiedlichsten Regionen und Projekten: Von einem Straßenkinderprojekt im Slum mit drogensüchtigen Kindern und Jugendlichen über eine Blindenschule, ein Umweltprojekt, eine Ökofarm, Krankenhäusern, einer Musikschule, einem Altersheim und vielem mehr, von Delhi in Nordindien über Kalkutta im Osten, Coimbtore im Süden bis Pune im Westen Indiens“, schreibt Leonie.

Es sei für sie sehr interessant gewesen, zu hören, wie unterschiedlich die „FSJ-ler“ Indien erleben. Das beinahe europäische Leben in einer Wohngemeinschaft in einer Großstadt „ist doch schon sehr anders als beispielsweise mein Leben in einem Konvent in einem armen und sehr traditionellen Dorf“. Aber Indien sei ist ja schließlich bekannt als das Land der extremen Unterschiede.

Besonders beschäftigen Leonie die Schicksale der leprakranken Menschen mit ihren teilweise furchtbaren Entstellungen, die Folgen der Krankheit sind. „Teilweise sind sie sehr depressiv, und in ihrem Leben ist ihnen Aufmerksamkeit einfach nicht ausreichend entgegengebracht worden, was man deutlich merkt. Und wenn sie manchmal nicht so viele Tabletten bekommen, wie sie gerne hätten, werden sie auch mal ganz schön ungemütlich. Lepra ist hier einfach so verbreitet, die Menschen wachsen mit Leprakranken auf, für sie ist das normal.“

Auch andere Schicksale lernte Leonie kennen. Sie erzählt von einer Frau in einem Slum, die von ihrem Mann verlassen wurde und nun, um ihre Familie versorgen zu können, 3000 Räucherstäbchen an einem Tag herstellt. „Dafür bekommt sie 60 Rupien, was ungefähr einem Euro entspricht.“

Eine schöne Zeit verbrachte Leonie mit zwei deutschen Freundinnen, die sie von den Vorbereitungsseminaren auf das FSJ kannte. „Sie kamen mit zu mir nach Chetput und wir haben Pongal, das Erntedankfest hier in Tamil Nadu gefeiert.“ Danach hieß es vier Tage Pondicherry erleben, eine ehemalige französische Kolonie und wunderschöne Stadt am Golf von Bengalen, schreibt Leonie. „Wir haben die kleinen Dörfchen entlang der Küste mit dem Fahrrad erkundet, es war der Tag nach Pongal und wie es hier der Brauch ist, waren vor jeder Haustür prächtige Rangolis aufgemalt. Die Menschen saßen vor ihren Häusern und haben gegessen und Gesellschaftsspiele gespielt.“

Zwischendurch habe sie aber auch Phasen, in denen sie sich ein bisschen einsam fühle, „obwohl ich hier eigentlich ständig unter Menschen bin“, gibt die 20-Jährige zu. Ab Februar werde sie wohl in einem Projekt von Missionshelferinnen mitarbeiten. „Darauf freue ich mich. Es ist ein Heim und eine Schule für geistig behinderte Kinder.“

Die bisherige Zeit in Indien hat auch dazu geführt, dass Leonie ihren Berufswunsch überdenkt. Sie sei manchmal ein bisschen unsicher, ob sie wirklich Sozialpädagogik studieren wolle. Die Zeit in dem nun anstehenden Projekt will Leonie nutzen, „auf diesem Gebiet noch mal Erfahrungen zu sammeln und mir dann hoffentlich darüber klarer zu werden“.

Und noch eine Wirkung hat der Wechsel: In der rund 80 Kilometer entfernten Bergregion wird es kühler sein als in ihrem Dorf Chetput. „Bereits jetzt kehrt nämlich so langsam der Sommer wieder ins Land, der dann im Mai seinen Höhepunkt erreichen soll. Momentan ist es morgens noch angenehm frisch, um die Mittagszeit wird es dann aber doch ziemlich heiß.“

Von solchen Bedingungen kann Leonies Familie in Eckarts derzeit nur träumen. Die klirrend tiefen Temperaturen lassen ahnen, wie weit der Sommer für uns noch entfernt ist. Dagegen schreibt Leonie: „Ich bin inzwischen schon so braun geworden, wie die hellhäutigsten Inder, die aus dem Norden kommen.“

ONLINE-TIPP

Die bisher erschienenen Beiträge über Leonie Nelkenstock zum Nachlesen unter badkissingen.mainpost.de

swg
    
    

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