aktualisiert: 13.07.2009 22:41 Uhr
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MARIA BILDHAUSEN
Belcanto in Maria Bildhausen
Matthias Rexroth und Semion Skigin
Bruder Leichtfuß. Jawohl, das ist ein Attribut für Matthias Rexroth, mit dem wir uns den Nachmittag im Kloster Maria Bildhausen einprägen werden. So behände, wie der Countertenor für die Verbeugungen über den Geranienschmuck vor der Holzbühne des Konventbaus sprang, so schmissig war dieser Ausflug in die schöne Welt des italienischen Belcanto und Wagnerscher Sehnsucht.
So gut in Fahrt gekommen sind Matthias Rexroth und sein famoser Begleiter Semion Skigin am Klavier, dass die halsbrecherisch schweren Zugabenstücke voll spanischen Furors bis zum Wiegenlied zumindest dem ersten Programmteil des Nachmittagskonzertes die Schau gestohlen haben.
Der Nachmittag begann mit drei Stücken von Vincenzo Bellini, die durchaus etwas mehr von der Naivität eines Canzone hätten besitzen können. Auch das Italienische war noch zu sehr Klang und zu wenig Sprache.
Das „Vaga luna, che inargenti“ hören wir zum Beispiel bei Carlo Bergonzi ungekünstelter, unmittelbarer. Danach aber waren beide Seiten eingeschwungen in den Zauber dieser Liedwelt.
Gestaltungsvermögen
Mit jedem Stück überraschte Matthias Rexroth mehr mit seinem phänomenalem Gestaltungsvermögen. Er kann sich dabei aus einem magischen Füllhorn bedienen. Feinste Nuancierungen in Tempo und Dynamik, feingliedrige Ornamentik um die Melodielinien – so leicht diese Lieder daherkamen, so bestückt hat sie Rexroth mit Kunstfertigkeit, damit diese italienischen Petitessen ihre interpretatorische Würdigung erfahren.
Natürlich gehört zu solchen Stücken auch Humorigkeit wie bei Donizettis Pulcinella-Serenata und zerbrochene Herzen.
Bei einer Auswahl von Wagners Wesendonck-Liedern im zweiten Programmteil des Konzertnachmittags kam die deutsche Innerlichkeit zu ihrem Recht. Es war beinahe konsternierend, wie plötzlich das Umfeld der Klosteranlage von Maria Bildhausen mit den rauschenden Birken und zirpenden Vögeln wie ausgeschaltet war vor der sehrenden Chromatik dieser Stücke. Sie gaben Semion Skigin am Klavier genügend Möglichkeiten, seine Vorzüge als Liedbegleiter darzustellen. Er lieferte unaufdringlich die Grundierung für die Wagnerschen Seelengemälde.
Neue Klangerfahrung
Übrigens war der intimere Klang des Steingraeber-Flügels durchaus eine angenehme Hörerfahrung im Cinemascope-Einerlei der Steinway-Omnipräsenz.
So viel Freude am Zusammenspiel hatten die beiden Künstler bis hin zur versöhnlichen Strauss-Zueignung, dass der Zugabenreigen für vernehmliches Raunen im Publikum gesorgt hat – schließlich stand die Haydn-Soiree noch auf dem Samstagnachmittag-Kalender.
„Triste“, wie Alberto Ginasteras Zugabenstück vermuten ließ, war dieser famose Konzertnachmittag aber keinesfalls.
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