aktualisiert: 28.06.2010 11:50 Uhr
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BAD KISSINGEN
Bravorufe für virtuose Rhythmen
„Schlagzeug trifft Klavier“ und reißt beim Kissinger Sommer das Publikum mit
Einen großen Bogen musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten spannten fünf Virtuosen an Schlagzeug und Klavier beim Kissinger Sommer im voll besetzten Rossinisaal.
„Schlagzeug trifft Klavier“ – eine vielleicht überraschende, doch folgerichtige Paarung: Das Klavier ist zu einem Drittel auch Schlaginstrument, denn die Saiten werden von Hämmerchen angeschlagen, um den Ton zu erzeugen. Das Zusammenspiel ausschließlich dieser beiden Instrumente verlangt absolute rhythmische Präzision. Die bekam das Publikum im Rossinisaal zu hören. Und zwar schon – hier noch ohne Schlagzeug – bei Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate in D-Dur für zwei Klaviere, elegant serviert von den beiden Schwestern Mari und Momo Kodama. Abwechselnd begleitete eine Schwester die andere. Der Solopart sprang zwischen den Flügeln hin und her. Die Läufe gingen von der Hand der einen nahtlos in die Hand der anderen über. Parallele Passagen kamen absolut synchron, manchmal in atemberaubendem Tempo – und das alles ohne Blickkontakt.
Attitüde oder gefühlte Empfindung? Francesco Piemontesi zeigte sich als Interpret, der auch Gestik und Mimik beherrscht. Bei „Vallée d'Obermann“ von Franz Liszt setzten seine Finger Töne und Akkorde zunächst sehr behutsam. Er rang sie sich regelrecht ab, jeder einzelne Ton wollte geboren werden. Dann stellte er Akkorde in den Raum, fast wie Fragezeichen. Immer intensiver wurden schließlich Tempo, Dynamik, Dramatik – letztlich ein musikalisches Ausrufezeichen, das viele Bravorufe provozierte.
Paukenschläge dann nach der Pause: Die Schlagwerker Li Biao und Rainer Seegers setzten sich erstmals in Szene – mit einer Komposition für den französischen Sonnenkönig von den Gebrüdern Philidor. Und obwohl hier kein ausgesprochenes Melodieinstrument beteiligt war, fehlte die Melodie nicht. Dynamik, Rhythmik und melodisch gestimmte Pauken ließen nichts vermissen.
Vierhändig spielten Mari Kodama und Francesco Piemontesi Maurice Ravels „Ma Mere l'oye“, eine anspruchsvolle Vertonung verschiedener Märchen. Die virtuosen Musiker zeigten kongeniales Zusammenspiel, sich ergänzende Homogenität. Die beiden Schlagzeuger setzten dazu markante Akzente mit Xylofon, Gong, Triangel, Pauke und kleiner Trommel. Alles kam zum Einsatz – präsent, präzise und doch unaufdringlich.
Zum Schluss stand Musik von Béla Bartók auf dem Programm: Die Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug, noch einmal die Kodama-Schwestern, diesmal mit den beiden Schlagzeugern. Hier swingte es mal im Vierviertel-, mal im Sechsachteltakt. Ein leiser Paukenwirbel, ein Beckenschlag, die Solopassagen sprangen wieder von Flügel zu Flügel. Dissonanzen, fast schmerzend hohe Töne am Xylofon, eine starke Rhythmik, aber doch auch Melodie.
Das Publikum spendete begeisterte Bravorufe und riesigen Applaus für die virtuosen Musiker. Diese quittierten den Beifall mit einer Zugabe von Steve Reich: Minutenlanges, synkopisches Klatschen zu viert: Mari und Momo Kodama gaben mit Rainer Seegers die rhythmische Basis, Bi Liao klatschte das „Melodie-Solo“ dazu. Ein Rhythmus, der einen mindestens bis zum Parkplatz begleitete.
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