publiziert: 27.06.2010 16:40 Uhr
aktualisiert: 28.06.2010 11:50 Uhr
» zur Übersicht Kissinger Sommer 2010
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text BAD KISSINGEN
Bravorufe für virtuose Rhythmen

„Schlagzeug trifft Klavier“ und reißt beim Kissinger Sommer das Publikum mit
  • Drums (bo) Auf das Klatschen folgte Klatschen: Li Biao, Rainer Seegers und Momo Kodama (von links) gaben eine Zugabe von Steve Reich – synkopisches Klatschen.
    Foto: Barbara Oschmann
Bild von

Einen großen Bogen musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten spannten fünf Virtuosen an Schlagzeug und Klavier beim Kissinger Sommer im voll besetzten Rossinisaal.

„Schlagzeug trifft Klavier“ – eine vielleicht überraschende, doch folgerichtige Paarung: Das Klavier ist zu einem Drittel auch Schlaginstrument, denn die Saiten werden von Hämmerchen angeschlagen, um den Ton zu erzeugen. Das Zusammenspiel ausschließlich dieser beiden Instrumente verlangt absolute rhythmische Präzision. Die bekam das Publikum im Rossinisaal zu hören. Und zwar schon – hier noch ohne Schlagzeug – bei Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate in D-Dur für zwei Klaviere, elegant serviert von den beiden Schwestern Mari und Momo Kodama. Abwechselnd begleitete eine Schwester die andere. Der Solopart sprang zwischen den Flügeln hin und her. Die Läufe gingen von der Hand der einen nahtlos in die Hand der anderen über. Parallele Passagen kamen absolut synchron, manchmal in atemberaubendem Tempo – und das alles ohne Blickkontakt.

Attitüde oder gefühlte Empfindung? Francesco Piemontesi zeigte sich als Interpret, der auch Gestik und Mimik beherrscht. Bei „Vallée d'Obermann“ von Franz Liszt setzten seine Finger Töne und Akkorde zunächst sehr behutsam. Er rang sie sich regelrecht ab, jeder einzelne Ton wollte geboren werden. Dann stellte er Akkorde in den Raum, fast wie Fragezeichen. Immer intensiver wurden schließlich Tempo, Dynamik, Dramatik – letztlich ein musikalisches Ausrufezeichen, das viele Bravorufe provozierte.

Paukenschläge dann nach der Pause: Die Schlagwerker Li Biao und Rainer Seegers setzten sich erstmals in Szene – mit einer Komposition für den französischen Sonnenkönig von den Gebrüdern Philidor. Und obwohl hier kein ausgesprochenes Melodieinstrument beteiligt war, fehlte die Melodie nicht. Dynamik, Rhythmik und melodisch gestimmte Pauken ließen nichts vermissen.

Vierhändig spielten Mari Kodama und Francesco Piemontesi Maurice Ravels „Ma Mere l'oye“, eine anspruchsvolle Vertonung verschiedener Märchen. Die virtuosen Musiker zeigten kongeniales Zusammenspiel, sich ergänzende Homogenität. Die beiden Schlagzeuger setzten dazu markante Akzente mit Xylofon, Gong, Triangel, Pauke und kleiner Trommel. Alles kam zum Einsatz – präsent, präzise und doch unaufdringlich.

Zum Schluss stand Musik von Béla Bartók auf dem Programm: Die Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug, noch einmal die Kodama-Schwestern, diesmal mit den beiden Schlagzeugern. Hier swingte es mal im Vierviertel-, mal im Sechsachteltakt. Ein leiser Paukenwirbel, ein Beckenschlag, die Solopassagen sprangen wieder von Flügel zu Flügel. Dissonanzen, fast schmerzend hohe Töne am Xylofon, eine starke Rhythmik, aber doch auch Melodie.

Das Publikum spendete begeisterte Bravorufe und riesigen Applaus für die virtuosen Musiker. Diese quittierten den Beifall mit einer Zugabe von Steve Reich: Minutenlanges, synkopisches Klatschen zu viert: Mari und Momo Kodama gaben mit Rainer Seegers die rhythmische Basis, Bi Liao klatschte das „Melodie-Solo“ dazu. Ein Rhythmus, der einen mindestens bis zum Parkplatz begleitete.


Von unserer Mitarbeiterin Barbara Oschmann
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
Anzeige
    

Rückblende 

Blick in die Vergangenheit
Was bestimmte die Schlagzeilen vor zehn, 25 und 40 Jahren im Landkreis Bad Kissingen? »mehr
    
    

Baby-Galerie 

Die Jüngsten
Hier begrüßen wir die jüngsten Bewohner des Landkreises Bad Kissingen. »mehr
    
    

Dialektserie "Wördlich" 

Wörter aus dem Landkreis Bad Kissingen
Wöchentlich stellt der Steinacher Frank Schmitt ein interessantes Dialektwort vor. »mehr
    
Anzeige
    

Meine Maschine und ich 

Außergewöhnliches
Wir stellen Menschen vor, die eine besondere Beziehung zu einem technischen Gerät haben. »mehr
    
    

Stadtkultur Schweinfurt 

Theater, Kabarett,
Kunst und mehr
Die Stadt Schweinfurt hat kulturell eine ganze Menge zu bieten. »mehr
    
    

Fotografen und ihre Fotos 

Bilder und Eindrücke
Wir stellen ambitionierte Hobbyfotografen aus der Region Main-Rhön vor. »mehr
    
    

Grüsse aus der Region 

Kostenlose Grußkarten
Senden Sie Ihren Freunden und Bekannten eine elektronische Grußkarte aus der Region, auch Tiere! »mehr
    
    

Testen Sie Ihr Wissen 

Unser wöchentliches Quiz
Acht Fragen rund um ein aktuelles Thema.  »mehr
    
    

Aktuelle Leserkommentare

    
    

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr
    
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr