publiziert: 06.02.2012 19:36 Uhr
aktualisiert: 06.02.2012 21:44 Uhr
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Briefzusteller: Lieber minus 14 Grad als Regen

Marko Roth trägt Briefe in Kissingen aus und das auch am bisher kältesten Morgen des Jahres
  • Hart im Nehmen: Auch von zweistelligen Minusgraden lässt sich Marko Roth die Laune nicht verderben.
    Foto: Max Koch
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Es prickelt erst leicht auf der Haut. Sie spannt ein wenig. Die Augen fangen an zu tränen. Sonst spüre ich nicht viel von der Kälte. Schließlich ist der Respekt groß und die Kleidung angemessen. Mütze, Handschuhe, Skiunterwäsche, zwei Pullover und zwei Jacken – der Wetterbericht hatte mich ja vorgewarnt. Minus 14 Grad Celsius zeigt das Thermometer auf dem Weg zur Post.

Gut gelaunt, als wäre es ein sommerlich-sonniger Freitagnachmittag, begrüßt mich Marko Roth. Er wird mir heute zeigen, was es heißt, bei zweistelligen Minusgraden an der frischen Luft zu arbeiten. Der 33-Jährige macht den Job als Briefträger schon seit zehn Jahren und das bei jedem Wetter. So hat Marko auch schon tiefere Temperaturen aushalten müssen und bleibt trotz Eiseskälte gelassen: „Regen ist schlimmer, da werden die Briefe nass.“

Er hat sich nicht besonders vorbereitet. „Warm anziehen“, empfiehlt er und zuckt mit den Schultern. Die richtige Kleidung bekommt er vom Arbeitgeber gestellt – zwei Jacken, Handschuhe und eine Mütze. Bei Glatteis bekämen die Boten der Post sogar Schuhe mit Spikes, erzählt er. Darüber hinaus hat er aber ein paar Taktiken entwickelt, um sich den Arbeitstag so angenehm wie möglich zu gestalten.

Marko hat schon um sechs Uhr begonnen, die Briefe zu sortieren. Sie werden zwar maschinell vorsortiert, aber bei der richtigen Reihenfolge für seine Route muss Marko noch per Hand nachhelfen. Als wir den Hof der Post betreten, sind die gurgelnden Geräusche von Autos zu hören, deren Batterien weniger gelassen mit der Kälte umgehen als so mancher Bote.

„Heute werden wir schnell fertig“, verspricht Marko, „die meisten Briefe kommen erst ab Dienstag.“ An diesem Montagmorgen sind wir dafür verantwortlich, dass die Briefkästen in der Kissinger Innenstadt mit der richtigen Post gefüllt werden. Er schätzt, dass es nur 200 statt der sonstigen 800 Sendungen sind.

Trotzdem liegen ungefähr 14 Kilometer Fußweg vor uns, so Marko. Er hat eine unglaublich positive Art und ein hohes Tempo: „Guten Tag!“ – „Die Post!“ – „Auf Wiedersehen!“ Bevor ich das Büro, das Geschäft oder die Praxis überhaupt betreten habe, kommt er mir schon wieder entgegen. Er läuft sich warm. Auf der treppenreichen Strecke lässt Marko die Aufzüge absichtlich links liegen.

Von seinen Handschuhen trägt er nur einen. „Sonst ist es sehr schwierig, einzelne Briefe zu greifen.“ Wenn es zu kalt wird, wechselt er die Handschuhhand, meint Marko. Gesehen habe ich das kein einziges Mal. Den Versuch, es ihm gleichzutun, breche ich nach zehn Minuten ab. Meine Hand fühlte sich an, als hätte ich eine mehrstündige Schneeballschlacht mit bloßen Händen hinter mir.

Wir kommen wieder an einem Thermometer vorbei: 10.10 Uhr und nur noch minus elf Grad. Es wird wärmer. Ich hab' mich mittlerweile Markos Tempo angepasst und verlasse den Hausflur im Laufschritt, als er mich zurückruft. Er zeigt auf eine Ecke neben den Briefkästen: „Hier bleiben wir zwei Minuten.“ Auf den zweiten Blick sehe ich den Heizkörper und bin sehr dankbar für die warme Pause.

Marko kennt die Route, kreuz und quer durch die Innenstadt. Früher habe er auch mal elf Stunden gebraucht, jetzt ist das anders: Hier durch den Türschlitz, da eine Übergabe am Fenster und dort wird die Post beim Geschäft gegenüber abgegeben, wenn keiner da ist. Einen Merkzettel braucht er nicht, „das muss man wissen“.

Als wir nach der Pause wieder in die Kälte treten, verkrampfen sich sämtliche Muskeln in meinem Körper. Marko lässt sich nichts anmerken. Er stapft sofort los und grüßt weiterhin fröhlich die Leute auf der Straße oder in den Geschäften.

Das schnelle Tempo hat neben der inneren Wärme auch den Vorteil, dass wir schneller fertig sind als gedacht. Auf dem Rückweg zur Post geht es noch einmal an dem Thermometer vorbei: minus neun Grad um 11.30 Uhr. Ich bin durchgefroren, obwohl ich mir morgens noch so sicher war, dass meine Kleidung angemessen und ein bisschen Kälte gar nicht so schlimm sei.

Marko hingegen hat immer noch prächtige Laune. Als er dann von seinem Hobby erzählt, wird mir einiges klar: „Ich gehe gerne Eisangeln“, gesteht er und muss grinsen, als er meinen Blick sieht. Besser kann ein Hobby wohl nicht auf den Job eines Briefträgers am bisher kältesten Morgen des Jahres vorbereiten.

ONLINE-TIPP

Was Sie bei Kälte beachten sollten und wie die Temperaturen in den nächsten Tagen sein werden:

www.mainpost.de/bayern

Von unserem Redaktionsmitglied

Max koch

    
    

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