publiziert: 13.07.2009 17:01 Uhr
aktualisiert: 13.07.2009 22:47 Uhr
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Britischer Stardirigent hüpfte gut gelaunt auf einem Bein

Sir Roger Norrington mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart und dem Pianisten Lars Vogt beim Kissinger Sommer

Bestens aufgelegt zeigte sich der britische Stardirigent Sir Roger Norrington bei der „Wiener Klassiksoiree“ im Rahmen des Kissinger Sommers.

Um einen guten Draht zum Orchester und zum Publikum im Großen Saal des Regentenbaus zu haben, verzichtete der 75-Jährige zur Gänze aufs Dirigenten-Podium. Der gebürtige Oxforder positionierte sich auf einer Ebene mit den Musikern des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR. Mal lächelte er – bei Joseph Haydns „Sinfonie mit dem Paukenschlag“ – verschmitzt in die Zuhörer-Reihen, mal hüpfte er – in Haydns „Militärsinfonie“ – auf einem Bein, mal lauschte er verzückt, wie bei den schönen Klängen von Ludwig van Beethovens viertem Klavierkonzert. Bei dieser Komposition stand Sir Roger mitten unter den Instrumentalisten und wandte sich auch von dort aus dirigierend und gestikulierend den Zuhörern zu.

Neben sich hatte er den bravourösen deutschen Solisten Lars Vogt. Die Spitze des Steinway-Flügels zeigte in Richtung Publikum. Diese Orchesteraufstellung hat musikhistorische Gründe, wie auch das durchweg vibratolose Spiel der Streicher. Für die Zuschauer im Parkett war der Solist an der Klaviatur zwar hinter dem Flügel verborgen. Nur die Emporenplätze konnten die bewundernswerte Virtuosität des 38-jährigen Nordrhein-Westfalen nicht bloß hören, sondern auch sehen.

Aber das war nicht so wichtig. Wichtig war einzig das absolut souveräne Spiel des Düreners, der den letzten Satz von Beethovens Konzert zusammen mit den Stuttgartern dermaßen fetzig spielte, dass es eine wahre Wonne war. Dass er auch anders kann, bewies der Pianist mit einer exquisit dargebotenen Chopin-Nocturne als Zugabe. Schade eigentlich, dass das Orchester nicht gleichzog und keine Zugabe zum Besten gab. Denn so knackig und schnörkellos, wie die Stuttgarter unter dem famosen Briten spielten, hätte man sie gerne noch etwas länger gehört.

Von unserem Mitarbeiter Frank Kupke
    
    

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