aktualisiert: 09.06.2010 11:36 Uhr
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BAD KISSINGEN
Damit man wieder besser stolpern kann: Schüler reinigen Stolpersteine
Viertklässler der Sinnberg-Grundschule reinigen Bad Kissinger Stolpersteine
Stolpersteine sind nicht nur für Erwachsene gut. Auch Kinder können beim Stolpern lernen. Die Mädchen und Jungen der 4c an der Sinnberg-Grundschule geben dafür das beste Beispiel ab. Sie haben jetzt nicht nur etwas über die kleinen in den Boden eingelassenen Denkmale des Kölner Künstlers Gunter Demnig gelernt. Sondern sogar etwas für die Steine getan. Am Dienstag besuchten die Kinder fast alle Stellen, wo sich in Bad Kissingen Stolpersteine finden. Und unterzogen jene, die es nötig hatten, einer gründlichen Reinigung.
Als die Klasse am Rathaus stand, vor dem Stein für Otto Goldstein, brachte ein Mädchen auf ihre Weise zum Ausdruck, was der Zweck der Stolpersteine ist: „Wenn man da stolpert, dann muss man nach unten schauen und dann weiß man, dass da jemand Jüdisches gewohnt hat.“
Was das in Erwachsenensprache heißt, brachte Sigismund von Dobschütz als einer der Sprecher für die Initiativgruppe Bad Kissinger Stolpersteine zum Ausdruck: „Man soll nicht darüber fallen, sondern darauf aufmerksam werden.“ Aufmerksam werden auf die Schicksale von Opfern der Nationalsozialisten. Zusammen mit Drittem Bürgermeister Toni Schick, Kulturreferent Peter Weidisch, Rektor Klaus Lotter, Presse und Rundfunk bereitete er den Schülern als Anerkennung für ihre Aktion einen mittelgroßen Bahnhof.
Die Idee, die bis jetzt in Kissingen verlegten Stolpersteine einer Reinigung zu unterziehen, stammt von Christine Steigmeier. Sie erfuhr privat, dass manche Stolpersteine eine Säuberung brauchen können und machte als Lehrerin der Kinder daraus eine schulische Aufgabe. Nationalsozialismus ist gewiss ein schwieriges Thema. Dennoch, meint Christine Steigmeier, lasse sich Einiges darüber auch auf einfache, kindliche Weise vermitteln.
Als Zugang zur Geschichte der Juden in Bad Kissingen hilfreich war für die Klasse ein Bild des kleinen Ernst David Neustädter. Es zeigt den 1926 geborenen jüdischen Buben in einem Alter, das etwa dem jetzigen Alter der Kinder in der 4c entspricht. Die Grundschüler von heute konnten das am Dienstag leicht nachvollziehen. Die Aufnahme von Ernst David entstand vor dem jüdischen Gemeindehaus. Die Kinder brauchten sich nur vor die damals fotografierte Wand zu stellen, um zu erkennen, dass der später im Alter von 16 Jahren zusammen mit seinen Eltern Gustav und Paula deportierte Bub damals etwa ihre Größe hatte.
So wie es aussieht, wird die 4c mit Wasser, Reiniger und Lappen Schule machen. Stadt und Initiativgruppe bekundeten bereits lebhaftes Interesse an einer Wiederholung der ursprünglich als einmaliges Ereignis gedachten Aktion. Und Christine Steigmeier zeigte sich bereit, regelmäßig mit Schülern dafür zu sorgen, dass man in Kissingen wieder besser stolpern kann.
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