aktualisiert: 05.07.2010 16:36 Uhr
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BAD KISSINGEN
Das reine Glück
Hochbegabte machen Kammermusik: Matinee KlangWerkstatt II beim Kissinger Sommer
Hin und wieder hat man das Glück, Konzerte zu erleben, die das reine Glück sind. Die Matinee KlangWerkstatt II am Samstag beim Kissinger Sommer war so ein Konzert. Kammermusik von Mozart bis Gubaidulina, gespielt von jungen, längst hochdekorierten Hochbegabten, die atemberaubendes Können mit Neugier und einer Risikobereitschaft verbinden, die man im gewohnten Konzertbetrieb nur sehr selten erlebt.
Ramón Ortega Quero (Oboe), Mari Samuelsen (Violine), Ori Kam (Viola) und Nicolas Altstaedt (Cello) eröffneten mit einem funkelnden Mozart-Oboenquartett, ganz dem Rokoko-Charme dieses kleinen, unglaublich ideenreichen Werks verpflichtet.
Nach dem Spaß am geistreichen Detail die reduzierte Meditation: zwei Stücke von Sofia Gubaidulina (Jahrgang 1931) mit Nabil Shehata (Kontrabass) und Kateryna Titova (Klavier) – ein gemeinsames Nachdenken, Nachsinnen, Nachspüren über dunkle Intervalle und glasharte Dissonanzen. Gegensätze, die sich schließlich in der Welt der Obertöne wieder vereinen.
Die Physik des Tons spielt auch in Sergej Prokofieffs Quintett für Oboe, Klarinette (Sebastian Manz), Violine, Viola und Bass eine zentrale Rolle: Hinter all den tänzerischen, motorischen, motivischen Effekten enthüllen die Interpreten – neben einer ganzen Menge Humor – spannende Klangereignisse wie die Begegnung von Klarinette und Kontrabass oder den Wettstreit von Geige und Oboe.
Nach der Pause Schumann pur: Ramón Ortega Quero und Kateryna Titova spielen die Drei Romanzen für Oboe und Klavier mit inniger Vertrautheit - da stimmt jeder Übergang, da hat jede Kantilene ihren Raum. Quero, seit 2008 Solooboist des BR-Sinfonieorchesters, ist ein großer Sänger und ein großer Gestalter. Es wird spannend sein, mehr von ihm zu hören, aber das gilt für alle Klangwerker dieser Matinee. Zum Abschluss Schumanns Klavierquartett E-Dur, diesmal mit Elena Bashkirova, Leiterin der KlangWerkstatt, und Michael Barenboim an der Geige. Vor allem Bashkirova am Klavier und Nicolas Altstaedt am Cello sind die Impulsgeber in einem Sturm-und-Drang-Stück zwischen beseeltem Gesang, wildem Vorwärtsdrang und rauschhaftem Überschwang.
So viel Talent, so viel gestalterische Kraft, so viel Neugier, so viel Spaß: Diese KlangWerkstatt ist eine ungeheure Bereicherung des Kissinger Sommers, der in manchen der Abendkonzerte – besonders bei den Orchestern – zuletzt Anzeichen einer gewissen Routine hatte spüren lassen.
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