publiziert: 31.01.2012 18:28 Uhr
aktualisiert: 31.01.2012 18:32 Uhr
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Den Kick in der Höhe richtig sichern

130 Betreiber von Hochseilgärten beschäftigen sich am Volkersberg mit der Zukunft der Branche
  • Neuentwicklungen: ERCA–Geschäftsführer Frank Schweinheim (links) informiert sich an einem Stand.
    Foto: Wolfgang Dünnebier
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Höher, schneller, weiter – ein Trend, den auch die Hochseilgarten- und Kletterwaldbranche zu spüren bekommt. Über ihre Zukunft machen sich 130 Hochseilgarten-Betreiber aus ganz Europa bis einschließlich Mittwoch auf dem Volkersberg Gedanken.

Die Wahl des Tagungsortes kommt nicht von ungefähr. „Der Hochseilgarten Volksberg ist einer unserer treuesten Mitglieder“, sagt Geschäftsführer Frank Schweinheim (Köln) von der European Ropes Course Association (ERCA). In dem Verband sind weltweit über 400 Gleichgesinnte organisiert.

Neben Ausbildung und technischer Sicherheit hat man hier auch die umweltschonende Anlage von Seilgärten im Visier. Schon zum zweiten Mal kommen die Hochseilgarten-Betreiber auf dem Volkersberg zusammen.

Mit Blick auf die bewaldeten Hügel ringsherum erkennt Schweinheim großes touristisches Potenzial in der Rhön durch weitere Kletterangebote. „Wir sind eine Wachstumsbranche“, sagt er. In der Bundesrepublik gibt es 400 Klettergärten. Tendenz weiter steigend. Millionen von Menschen würden im ganzen Bundesgebiet Klettergärten besuchen. Die Einrichtungen brächten Jung und Alt auch im Familienverbund die Natur näher.

Gerade Nutzwaldbesitzer mit Flächen kurz vor der Abholzung könnten bei schwieriger Vermarktungslage von der Abenteuerlust profitieren und Menschen in den Wald ziehen. Ziel der ERCA ist es, die Vielfalt von Seilgärten zu wahren. Vom therapeutischen, unkommerziellen Ansatz mit Gruppenerlebnis sogar für Rollstuhlfahrer bis hin zum Abenteuerpark. In letzteren „Tagesparks“ kann jeder für sich seine Grenzen ausloten. Seit 2003 befindet sich diese Variante auf dem Vormarsch.

Aber: Der freizeitindustrielle Ansatz macht kleineren Betreibern mit pädagogischem Ansatz Sorgen. Für einen Ausgleich der Interessen diskutierte die Tagung auf dem Volkersberg die Fusion zwischen der ERCA und der International Adventure Parc Association (IAPA), die 40 Kletterwälder vertritt. Eine neue Chance wittert die Branche im Aufkommen von längeren Seilrutschen. Abfahrten am Drahtseil von über einer Minute könnten Bergregionen zusätzlich generationenübergreifend attraktiv machen. Anderswo schon weiter verbreitet, greife die Technik in Europa von Italien aus langsam um sich.

„Es gibt kein Risiko ohne Gefahr“, beschreibt Schweinheim den Kick am Seil im Grenzbereich zwischen Himmel und Erde. Ihn sicherer zu machen, haben sich die organisierten Hochseilgartenbetreiber auf die Fahnen geschrieben. Nach dem Start der ersten kleinen Klettergärten Ende der 1990er Jahre habe es Unfälle gegeben, die durch zahlreiche Entwicklungen auch zusammen mit einer ehrgeizigen Industrie minimiert werden konnten.

Als Beispiel nennt Schweinheim effektivere Seilbremsen, durchlaufende Sicherungsseile oder kooperierende Karabiner. So können sich Gäste mittlerweile in schwindelnder Höhe fortbewegen, ohne beim Umsteigen auf den Plattformen ihre Sicherungen vorübergehend aufzugeben: „Vor allem Kindern kommt das entgegen“.

Der Ehrgeiz der Industrie für Neuentwicklungen ist ungebrochen. 22 Hersteller zeigen auf dem Volkersberg ihre Sicherungssysteme, Winden und schonende Befestigungsmöglichkeiten an den Bäumen.

Doch dann ist da auch noch der Faktor Mensch. Ziel der ERCA ist ein umfangreiches Sicherheitsmanagement. Der Verband hat Normen und Zertifikate für die Ausstattung von Seilgärten erarbeitet, auf die auch Betreiber in den Vereinigten Staaten, Russland oder Indien zurückgreifen. Auf der Homepage erscheinen Sicherheitsmitteilungen, wenn es etwa Probleme mit einem Produkt gibt. Geschult werden von der ERCA heute schon jene Firmen, die die Hochseilgartenbetreiber kontrollieren.

Bundesweit seien in Hochseil- und Klettergärten rund 6000 Menschen beschäftigt. Die Aufgaben sind vielfältig. Vom Betreuer, Retter und Ausbilder bis hin zum Prozessbegleiter, der das Gemeinschaftserlebnis in der Gruppe aufarbeitet.

Wie ernst das Thema genommen wird, zeigt die Vielfalt der Workshops bei diesem Treffen auf dem Volkersberg. Für diese stellen sich die Referenten unentgeltlich zur Verfügung. Auf dem Programm stehen Themen wie Angst, rechtliche Aspekte, Umgang mit der Seiltechnik oder die Reflexion von Therapeuten nach einem Gang durch den Hochseilgarten.

Grußworte aus anderen Ländern werden zum Teil per Videobotschaft eingeblendet. Die nächste Veranstaltung soll in Großbritannien stattfinden.

Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Dünnebier
    
    

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