aktualisiert: 30.01.2012 17:56 Uhr
Text
Text
KOTHEN
Der Bandelwurm begeistert seit 40 Jahren das närrische Publikum
Lothar Selig ist mit seiner Figur beim Büttenabend in Kothen nicht wegzudenken
Der Bandelwurm, ist ein braunes, gefaltetes Tierchen mit schwarzen Augen auf weißem Hintergrund. Er hängt an einem roten Faden am Kopf der Gitarre Lothar Seligs. Der Kothener Büttenabend ohne ihn? Undenkbar. Am Wochenende wurde das possierliche Tierchen 40 Jahre alt. Das wurde gefeiert mit einer Geburtstagsparty beim Kothener Büttenabend.
Dass der Bandelwurm im Dorf einmal eine solche Euphorie verbreiten würde, ahnte sein heute 70-jähriger Besitzer Lothar Selig beim ersten Auftritt nicht. Damals, im Jahr 1972, als der Büttenabend noch „beim Haydu“ in der Gaststätte Pilsterquelle gefeiert wurde.
Zum ersten Mal auf der Bühne, hing da an Seligs Gitarre an einem roten Faden ein Wurm. Gefaltet hatte dieses eckige Kopfteil, hinter dem man heute Origami-Technik vermutet, der damals neunjährige Neffe Wolfgang Kraus.
Bis heute hängt das Original an der Gitarre. Der Bandelwurm „wird nur immer wieder mal neu geklebt“, verrät Tilly Selig. Lothar Seligs Frau ist die dritte in der Bandelwurm-Familie. „Sie hat den Stift in der Hand, gemeinsam wird getextet“, berichtet Lothar Selig. Den Bandelwurm hatten sich beide beim Schmalnauer Sängerehepaar Mück abgeschaut und entschieden: „Das ist was für unsere Bütt“.
Aber nicht nur in Kothen machte Selig den Bandelwurm bekannt. Bei Auftritten Seligs als Kulturwart im Mottener Rhönklub-Zweigverein und als Fußballtrainer im Altlandkreis Brückenau und in der hessischen Nachbarschaft kam der Bandelwurm herum. Ob Motten, Riedenberg, Modlos oder Oberzell, überall kennt man den pensionierten Grundschulrektor und sein possierliches Tierchen an der Gitarre.
Immer nimmt er bei seinen Auftritten mit dem Tierchen jeweils das lokale Geschehen auf die Schippe. „Informanten“ lieferten den notwendigen Stoff, verrät Tilly Selig. Um aktuell zu sein, habe man oft kurz vor dem Auftritt noch den Text geändert. Sie erinnert sich an eine Szene in den 80er Jahren, als der Bandelwurm zur Überraschung des Publikums den Mottener Karl-Josef Link als zweiten Bürgermeisterkandidaten in Motten preisgab. Die Beliebtheit des Bandelwurms erklärt sich Lothar Selig damit, dass ein gesungenes Wort nicht so hart herauskomme wie ein gesprochenes.
Am Samstagabend war der Bandelwurm und mit ihm Lothar Selig, der von Alfons Kraus am Schifferklavier begleitet wurde, wieder der Mittelpunkt des traditionellen Büttenabends der DJK Kothen. Der Bandelwurm schlängelt sich durch den närrischen Abend, wo ihm zu Ehren eine Filmreportage über die Geschichte des Bandelwurms aus „Tillys Video-Album“ gezeigt wurde.
Tilly Selig ist zu sehen, vor ihr liegt der mit Liedtexten gefüllte Ordner, der rund 100 Auftritte des Bandelwurms dokumentiert. „Weitermachen“, votieren Bettina Kraus und Christoph Bauer in der Reportage von Reiner Schipper. Während eine nichts ahnende Maria Leibold mit ihren Aussagen „Wer es mag“ und „In diesem Alter sollte man aufhören“ für die Lacher des Abends sorgte. Angesprochen worden war sie im Interview auf Johannes Heesters.
Der Bandelwurm, Lothar Selig und Alfons Kraus, der mit 87 Jahren älteste Musiker beim Kothener Büttenabend, zeigten am Samstag keine Altersschwäche. Sie füllten mit dem Dorfgeschehen des Jahres 2011 die Strophen des Lieds, die mit dem Refrain enden: „Ja, die ham Lust, und die ham Freid, die ham den Bandelwurm im Leib!“ Die Zeltkirmes in Kothen und der Querchstuhl kamen vor, die Hochzeit von Bürgermeister Jochen Vogel auf dem Mottener Aussichtsturm, der irische Pub und auch Bundespräsident Christian Wulff.
Lampenfieber? „Ein bisschen immer noch, das gehört dazu“, verrät Lothar Selig. „Macht der Bandelwurm weiter?“ Die Zugabe und der Schlusstext zumindest lassen es hoffen: „Ja 40 Jahr, mein Bandelwurm hat überlebt so manchen Sturm, mit Alfons hier an meiner Seit' von nun an bis in Ewigkeit“. Selig lacht und fügt hinzu: „Nur weil es sich gereimt hat.“
Diesen Artikel
Die neuesten Kommentare
Rückblende
Baby-Galerie
Gelesen
Kommentiert
Dialektserie "Wördlich"
Meine Maschine und ich
Stadtkultur Schweinfurt
Kunst und mehr Die Stadt Schweinfurt hat kulturell eine ganze Menge zu bieten. »mehr
Fotografen und ihre Fotos
Grüsse aus der Region
Testen Sie Ihr Wissen
Aktuelle Leserkommentare
Zeichen setzen
engagierte Bürger Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr

Wetter




