publiziert: 22.01.2010 20:31 Uhr
aktualisiert: 27.01.2010 08:16 Uhr
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Die Opfer in die Stadt zurückholen

Gunter Demnig verlegte am Freitag 13 weitere Stolpersteine in Bad Kissingen
  • Zum zweiten Mal in Bad Kissingen: Gunter Demnig verlegte am Freitag vor sieben Häusern in der Innenstadt 13 Stolpersteine.
    Foto: Siegfried Farkas
  • Große Anteilnahme: Vor allem dem Auftakt der Verlegung der Stolpersteine, am Jüdischen Gemeindehaus in der Promenadestraße, wohnten am Freitag viele Menschen bei.
    Foto: Siegfried Farkas
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„Sie waren hier zuhause, gerade so, wie wir es heute sind.“ Bad Kissingen hat am Freitag einen weiteren Schritt im Gedenken an ehemalige Mitbürger getan, die durch die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten ihr Leben verloren. 13 neue Stolpersteine verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig. Insgesamt fordern in Bad Kissingen nun bereits 20 dieser kleinen, in den Boden vor dem letzten freiwilligen Wohnsitz von Nazi-Opfern eingelassenen Gedenktafeln, zum Nachdenken über die deutsche Geschichte auf.

Oberbürgermeister Kay Blankenburg, von dem der eingangs zitierte Satz stammt, schlug zum Auftakt von Demnigs zweiter Verlegeaktion die Brücke zum sicheren und bequemen bürgerlichen Leben der Kissinger unserer Tage. Menschen wie Gustav, Paula und Ernst David Neustädter, wie Irene und Leopold Müller, Karl und Julius Neumann, Thekla und Anni Stern, Josef und Herta Losmann, Martha Rosner oder Ella Apolant hätten „hier in Bad Kissingen“ ihren Lebensmittelpunkt gehabt. Sie hätten sich gesellschaftlich und politisch ins städtische Leben eingebracht. Und doch war ihnen schließlich durch die Nationalsozialisten hier ein Leben nicht mehr möglich: „Sie wurden in den Tod getrieben, mussten aus unserer Stadt fliehen oder wurden deportiert und ermordet.“

Das Bürgerprojekt der Kissinger Stolpersteine hole die Opfer des Nationalsozialismus symbolisch „in unsere Stadt zurück“, sagte Blankenburg. Ein Stolperstein lasse diese Menschen „wieder ein wenig unter uns sein“. Diese Form des Gedenkens gebe ihnen „wieder Namen und Gesicht“.

Demnig berichtete von inzwischen mehr als 22 000 Stolpersteinen in vielen Ländern Europas. Für alle gelte: „Wer sie lesen will, muss automatisch eine Verbeugung machen.“ Zudem – das habe ihm ein Schüler mal gesagt – falle man mit seinen kleinen Denkmalen ja nicht hin. Vielmehr stolpere man „mit dem Kopf und mit dem Herzen“.

Weil es bei den Stolpersteinen unter anderem darum geht, wie die Gräueltaten der Nazis im Land der Dichter und Denker passieren konnte und, weil so etwas nie wieder geschehen dürfe, zeigte Demnig sich sehr zufrieden damit, dass auch zur Kissinger Verlegeaktion am Freitag Schüler beitrugen.

Dass die Aktion nicht überall auf ungeteilte Zustimmung stoßen würde, sei ihm von Anfang an klar gewesen, ergänzte Demnig. „Aber nur drei Morddrohungen in zehn Jahren“, scherzte er, „damit kann man leben“.

Biografien der Opfer

Die Initiative Bad Kissinger Stolpersteine mit ihren Sprechern Sigismund von Dobschütz und Peter Weidisch führte die Gruppe am Freitag nicht nur von Verlegeort zu Verlegeort. Sie hielt auch ein Heftchen mit Informationen und Bildern zu den diesmal gewürdigten Kissinger Naziopfern bereit. An jeder der insgesamt sieben Stationen verlas die Kissinger Initiative zudem, was sie an Informationen über die Biografien der Opfer herausgefunden hat.

Neue Stolpersteine liegen seit Freitag vor den Anwesen Promenadestraße 2, das ist das Jüdische Gemeindehaus, Untere Marktstraße 3, Ludwigstraße 9, Hemmerichstraße 4 und 12, Erhardstraße 18 und Menzelstraße 8.



    
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Kissinger Stolpersteine
Bad Kissingen
22.01.2010
    
Von unserem Redaktionsmitglied Siegfried Farkas
    
    

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