publiziert: 19.12.2011 17:52 Uhr
aktualisiert: 20.12.2011 00:23 Uhr
» zur Übersicht Bad Brückenau
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text DETTER
Die Pferdeflüsterin aus Detter

Nicole Greb bildet ihre Tiere nach dem Parelli-Prinzip aus – Mensch und Tier gleich gestellt
  • Erfolg: Astraled war das erste Pferd, das nach Parelli umerzogen wurde.
  • FotoS: K. Junker
    Vertrauensbeweis: HayDee geht vor Nicole Greb in die Knie. Das macht nicht jedes Pferd. Die Stute ist nach der Parelli-Methode erzogen.
Bild von
2 Bilder

Aufmerksam beobachtet HighDee ihre Besitzerin, achtet auf jede Regung. Ein Handzeichen, eine leichte Bewegung am langen lockeren Halteseil – die braune Stute setzt sich rückwärts in Bewegung und erklimmt in Seelenruhe die Rampe zum Pferdeanhänger. Stolz blickt sie auf ihre Reiterin hinab. Die lobt sie mit warmer Stimme und kann selbst ihren Stolz nicht ganz verbergen.

Was klingt wie eine Szene aus dem Film Der Pferdeflüsterer, spielt sich auf einem Reitplatz in Detter ab. Und statt Robert Redford absolviert Nicole Greb aus Zeitlofs eine Trainingsstunde nach der Methode der „Parelli Natural Horsemanship“.

Nicole Greb reitet, seit sie laufen kann. Die 1973 in Zeitlofs geborene selbstständige Friseurin geht vollkommen in ihrem Hobby auf. Anfangs waren es Haflinger und Halbaraber, doch schon bald infizierte sie sich mit dem „Arabitis“-Virus, wie das Faible für die edlen Vollblutaraber in der Pferde-Fachwelt genannt wird. Als sich 1996 zufällig die Gelegenheit bot, einen aus den USA importierten Araberhengst preiswert zu erwerben, griff sie zu.

Das habe ihr die Verkäuferin erst nach einem Proberitt mitgeteilt. Den hatte Astraled zwar zugelassen; Greb merkte aber schon, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Aber „irgendwie gab es eine Seelenverwandtschaft“.

Greb kaufte Astraled und machte sich auf die Suche nach einer Methode, den Hengst gut zu erziehen und ihm Angst zu nehmen: „Es stand fest, dass er normal geritten und mit anderen Pferden zusammen leben wird, darum war es unumgänglich, ihn gut händeln zu können.“

Und so stieß sie auf die Parelli-Methode. Der US-Amerikaner Pat Parelli war anerkannter Pferdetrainer und Rodeoreiter, bevor er ab 1981 mit seiner Frau das Konzept von Parelli Natural Horsmanship, kurz PNH, entwickelte. Heute ist das behutsame und einfühlsame Pferdetraining etabliert. Parelli zählt mit Monty Roberts zu den „Pferdeflüsterern“.

Am Herdenverhalten orientiert

Parelli ist keine Reitart, sondern eine Grundausbildung für Mensch und Pferd, die ihre Wurzeln im natürlichen Herdenverhalten der Tiere hat. Sie basiert auf gegenseitiger Kommunikation, auf Respekt und Vertrauen zwischen beiden und berücksichtigt die Ansprüche der verschiedenen Pferdepersönlichkeiten.

Mensch und Pferd werden in vier Bereichen ausgebildet: Bodenarbeit am Seil, Bodenarbeit ohne Seil in Freiheit, Reiten ohne ständigen Zügelkontakt und Reiten mit Kontakt.

„Bei Parelli gibt es weder physische Gewalt noch materielle Hilfsmittel“, sagt Nicole Greb. „Bedenkt man, dass ein Pferd jede Fliege auf dem Fell spürt, kann man erahnen, wie feinfühlig es ist. Man braucht keine Härte, alles kann spielerisch ablaufen – über Bewegung, Berührung, Annäherung und Rückzug.“

Es gebe keine bösen oder schlechten Pferde, es sei alles eine Frage des Umgangs. Wenn ein Pferd beiße oder trete, sei das ein Zeichen von Angst – oder es mag einen nicht und möchte daher der Chef sein. Man müsse subtil Führungsqualitäten entwickeln – wie im Berufsleben auch.

Geritten wird stets mit lockerem Zügel, meist sogar nur mit einem Halfter ohne Gebiss. Die Pferde reagieren auf die Stimme, auf Gesten und Blicke – und die Körperhaltung „ihres“ Menschen. Andersherum achtet der Mensch ebenso auf den Gesichtsausdruck des Pferdes und seine körperlichen Reaktionen. „Es geht nur um die Beziehung zwischen Dir und dem Tier. Wenn Du es verstehst, kannst Du mit ihm kommunizieren“. Mit dem Pferd werde nicht gearbeitet, sondern gespielt.

Großer Vertrauensbeweis

Voller Ruhe meistern die Vierbeiner Prüfungen wie das Betreten des Hängers, laufen über kippende und schaukelnde Bretter und lassen sich von lauten und plötzlichen Geräuschen nicht aus der Ruhe bringen. Auf Zuruf springen sie über Hindernisse, was ein Pferd ohne triftigen Grund nie machen würde. Und sie legen sich zu ihren Menschen auf den Boden – der wohl größte Vertrauensbeweis des Fluchttieres gegenüber dem Raubtier Mensch.

Astraled lernte schnell und eifrig. „Nachdem er wieder Vertrauen hatte, begann er Spaß an den Übungen zu haben, und nach wenigen Monaten hatte ich ein ganz anderes Pferd“, strahlt Nicole Greb. Der schöne Schimmel ist mit nun 22 Jahren zwar noch fit. Doch er hat „ausgelernt“.

So holte seine Reiterin die Quarter-Horse-Stuten Jule und Joy nach Zeitlofs. Joys fünfjährige Tochter HighDee, hat sie selbst gezogen und ausgebildet. Joy brachte letztes Jahr ihr erstes Fohlen Maverick zur Welt.

Im Frühjahr hat Nicole einen vierwöchigen Kurs in den USA absolviert – die Basis für die Instruktoren-Ausbildung nach Parelli. „Vielleicht kann ich diese Ausbildungsmethode ein bisschen mehr verbreiten“, sagt die 38-Jährige. Damit viele Pferde wie Astraled davon profitieren.

Von unserer Mitarbeiterin Kerstin Junker
    
    

Diesen Artikel

Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen.
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
Anzeige

Baby-Galerie 

Die Jüngsten
Hier begrüßen wir die jüngsten Bewohner des Landkreises Bad Kissingen. »mehr

Gelesen

 

Kommentiert

 

Die Sonderbeilage 

Das Rakoczy-Fest zum Blättern finden sie hier »mehr
Anzeige

Meine Maschine und ich 

Außergewöhnliches
Wir stellen Menschen vor, die eine besondere Beziehung zu einem technischen Gerät haben. »mehr

Stadtkultur Schweinfurt 

Theater, Kabarett,
Kunst und mehr
Die Stadt Schweinfurt hat kulturell eine ganze Menge zu bieten. »mehr

Fotografen und ihre Fotos 

Bilder und Eindrücke
Wir stellen ambitionierte Hobbyfotografen aus der Region Main-Rhön vor. »mehr

Grüsse aus der Region 

Kostenlose Grußkarten
Senden Sie Ihren Freunden und Bekannten eine elektronische Grußkarte aus der Region, auch Tiere! »mehr

Dialektserie "Wördlich" 

Wörter aus dem Landkreis Bad Kissingen
Der Steinacher Frank Schmitt stellt interessante Dialektwörter aus der Region vor »mehr

Testen Sie Ihr Wissen 

Unser wöchentliches Quiz
Acht Fragen rund um ein aktuelles Thema. »mehr

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr