aktualisiert: 28.11.2011 18:08 Uhr
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Die Welt spielerisch erfahren
Öko-Kids 2011
Der Euerdorfer Kindergarten Paradieso gewann mit seinem Projekt zu erneuerbaren Energien den Umweltpreis
Sonne, komm heeeeer!“ So ruft das Kind und die Sonne kommt – in Form einer großen schweren Taschenlampe. Getragen von Nico, der leuchtet jetzt auf die ausgestreckte Hand, auf der ein kleiner Schmetterling sitzt – aus Plastik. Mit einem komischen kleinen schwarzen Schild auf dem Rücken. Im Licht der großen Taschenlampe fängt das Tier auf einmal an zu zappeln. Das vibriert so lustig auf der Hand.
Das große gelbe Sonnentor aus Eisen ist vielleicht schon ein gutes Omen für das Projekt gewesen, mit dem der Kindergarten Paradieso in Euerdorf den Umweltpreis gewonnen hat. Die Auszeichnung Öko-Kids 2011 hat der bayerische Umweltminister Markus Söder persönlich an Kindergartenleiterin Renate Kröckel überreicht.
Rund drei Monate hatte sich der Kindergarten mit dem Thema „Unsere Sonne = Wärme, Kraft und Energie“ beschäftigt. Einen Forscherrucksack hat man dafür bekommen, außerdem darf je eine Erzieherin an einer Fachtagung teilnehmen. Das Projekt wird einerseits vom bayerischen Staat und andererseits über die Institution Leuchtpol vom Konzern E.ON gefördert.
„Nach einer sechstägigen Weiterbildung zum Thema erneuerbare Energien kam die große Spiel- und Experimentierkiste von Leuchtpol, auf die die Kinder sich mit Begeisterung stürzten“, erzählt Leiterin Kröckel.
Der Sinn des Projekts erschließt sich gleich beim Betreten des Raumes, quirlige Kinderenergie pulst von Tisch zu Tisch, dort sind unterschiedliche Stationen des Sonnenprojekts aufgebaut. Kinder sind einfach große Forscher. Taschenlampen, bei denen mit einer Kurbel oder durch Schütteln Licht produziert werden kann, ein Wärmemesser, der die Temperatur aufzeigt, Solarautos und Solarhubschrauber, die sich per Lampensonne über den Tisch bewegen. Wie das geht, wollen die Kinder wissen. In einer anderen Ecke stehen Handmixer, Schüsseln und elektrische Haushaltsgeräte. Ein Stromzähler zeigt den Unterschied im Energieverbrauch auf.
Aber auch die Ernährung ist Thema der erneuerbaren Energien. Mit Begeisterung verteilen die Kinder Holzklötzchensalat, den sie selbst angerichtet haben.
Kröckel erklärt anhand der hölzernen Sonnenscheibe, einem einfachen Spiel mit der Schwerkraft, den tieferen Sinn, der so ganz nebenbei entsteht: Teamfähigkeit, Gleichgewichtssinn, Konzentration, Genauigkeit, Geduld. Da fragt man sich: Ist es nicht gar eine Kardinaltugend, die Welt spielerisch erfahren zu können? Da werden selbst hibbelige Jungs zu konzentrierten Baumeistern auf der gelben Scheibe, da lernen kleine Individualisten das Teilen. Weiter hinten sitzt Praktikant Jonas mit ein paar Jungen, die ganz vertieft eine Drehscheibe zusammenbauen. Funktioniert auch mit Sonnenenergie. Und wenn man das Holzrad mit Farbe bemalt, dann bewegt und verändert sich dieses beim Drehen – faszinierend! Ole versteht beim Basteln was, und das Glück darüber leuchtet aus seinen Augen! Die Kinderpflegepraktikantin liest am Büchertisch mit einigen Kleinen beziehungsweise liest ihnen vor. Denn Kinder können ja noch nicht lesen, heißt es üblicherweise mitleidig. Dass aber Kinder mit all ihren Sinnen Bedeutungen aus Bildern, Gegenständen und auch Menschen „herauslesen“ können, wissen Erwachsene manchmal nicht mehr: Da presst ein Kind ein Bauklötzchen ans Ohr und lauscht fasziniert, da entdeckt ein anderes, dass man durch einen Richtungswechsel beim Fangen oft schneller ans Ziel kommt, da „liest“ ein anderes beim Malen aus den Farben der Sonne die Wärme. Im Raum sind Kinder vom ersten bis zum sechsten Lebensjahr unterwegs. Kröckel findet die große Altersspanne inzwischen gut. Denn da helfen die Großen den Kleinen, sind stolz darauf, dass sie etwas erklären können, da helfen auch die Kleinen den Großen, indem sie etwas verstehen, indem sie den „heiligen Ernst“ des Spiels bewahren helfen.
„Das Projekt wirkt noch immer positiv nach“, so Kröckel. „Im Sommer haben wir draußen Licht und Schatten erkundet, ein Nachbar hat uns eine Solardusche in den Garten gebaut. Weil es so gut läuft, machen wir demnächst ein Windprojekt: „Der Wind, die unsichtbare Kraft.“
Dass mit dieser Art Kinderbetreuung der beste Grundstein für kreative und intelligente Persönlichkeitsentwicklung gelegt werden kann, liegt auf der Hand, wie ein solarbetriebener Schmetterling. Aus dem Kribbeln lässt sich das herauslesen.
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