publiziert: 14.07.2010 12:05 Uhr
aktualisiert: 14.07.2010 16:49 Uhr
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Eine Zugabe zum Dahinschmelzen

Bravo-Rufe für die koreanische Pianistin und Klavierolympiade-Siegerin Yeol-Eum Son
  • Yeol-Eum Son
    Foto: Silberbach
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(as) Verschwitzt und strahlend nahm die 24-jährige Yeol-Eum Son zum Schluss Bravorufe und den wohl verdienten Blumenstrauß in Empfang. Jetzt endlich hatte die Einsamkeit der Solopianistin auf der Bühne des kühl temperierten Rossini-Saals ein Ende. Der konzentrierte Gesichtsausdruck verschwand und auf einmal schaute die Südkoreanerin sehr jugendlich, sehr locker aus.

Die Glanzpunkte des Klavierabends lagen im ersten Teil. Robert Schumanns C-Dur-Fantasie ist ein Kaleidoskop leidenschaftlicher Gefühlsschwankungen, beschreibt es doch den Beginn der jahrelangen Liebesmühen des Komponisten um Clara Wieck. Verzweifelte Unruhen wechseln in lyrische Hoffnungsschübe. Das Hin- und Hergerissensein zwischen Liebeshoffnung und Ermattung forderte vielfältige Anschlagstechniken. Yeol-Eum Son lustwandelte zwischen energischem Aufbäumen und fragiler Melancholie. Die Tempo- und Dynamikwechsel waren durchdacht und austariert.

Präzise gestochen die Synkopen der linken Hand, traumwandlerisch sicher die Triolenflut im Mittelteil des Finalsatzes. Dagegen wirkte die folgende „Widmung“ von Franz Liszt aus Schumanns Liederzyklus „Myrthen“ entspannend und harmlos.

Doch die Urkräfte kamen zurück im „Danse macabre“, einer Klavier-Transkription von Franz Liszt nach dem Werk von Camille Saint-Saens. Wo es geboten war zurückhaltend, wo es gefordert war energisch zupackend eroberte Son das klangreiche Werk. Mal stürmisch Vorandrängend mit unglaublich virtuosen Läufen, dann wieder keck zurückhaltend mit vorwitzigen Einwürfen.

An die tempo- und stimmungsreichen Bandbreite vor der Pause knüpften weder Scarlattis h-Moll-Sonate noch César Franck/Harold Bauers Präludium, Fuge und Variation in h-Moll an. Doch bei Frédéric Chopins dritter h-Moll-Sonate versprühte die Siegerin der Kissinger Klavierolympiade 2008 nochmals ihren jugendlichen mitreißenden Charme und spielte so leidenschaftlich, dass sie trotz Klimaanlage mächtig ins Schwitzen kam.

Lang anhaltender Applaus und als Zugabe eine zum Dahinschmelzen gespielte Bach-Weise.

    
    

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