aktualisiert: 01.09.2010 12:05 Uhr
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KATZENBACH
Er soll ihre Mutter getötet haben: Vater schreibt an seine Kinder:
Die drei Buben und das Mädchen leben im Heim
Im mutmaßlichen Mordfall am Silvestertag 2009 in Katzenbach, bei dem eine 36-Jährige Frau an einer Stichverletzung starb, hat die Staatsanwaltschaft Schweinfurt inzwischen Anklage wegen Mordes gegen den gleichaltrigen Ehemann erhoben. Die vier Kinder des Ehepaars sind in einem Heim in Brandenburg untergebracht. Der Vater steht mit den Kindern im Briefkontakt.
Das Geschehen trieb seinerzeit nicht nur die Menschen in dem beschaulichen Ort um, sondern es zog weite Kreise. Vor allem fragten sich damals viele, was mit den drei Buben und dem Mädchen im Alter von fünf bis neun Jahren geschehen würde. Sie hatten offenbar in der Tatnacht in Zimmern nebenan geschlafen, von der Bluttat aber zum Glück nichts mitbekommen.
In der Obhut des Jugendamts
Als Polizei und Jugendamt sie in Obhut nahmen, sagte man ihnen nicht, was vorgefallen war, um sie zu schonen. Die Verwandten mussten erst ausfindig gemacht werden. Schließlich reisten die Eltern der getöteten Frau und eine Tante der Kinder an, die in Schottland lebte.
Am Dreikönigstag 2010 trafen sich die Angehörigen mit den Kindern. Ein Psychologe sagte ihnen damals kindgerecht, was vorgefallen war. Zu dieser Zeit waren die Kinder noch in einem Heim im Landkreis untergebracht. Das Kissinger Jugendamt begab sich kurz danach auf die Suche nach einer adäquaten Möglichkeit in Brandenburg, bestenfalls ganz in der Nähe der Großeltern. Die Tante hatte damals gar mit dem Gedanken gespielt, ihre Arbeit in Schottland aufzugeben und in die Nähe der Kinder zu ziehen.
Und man wurde schließlich fündig. Die Kinder leben in der Nähe von Opa und Oma in einer „familienähnlichen Wohngruppe“ in einem Heim, sagt Jugendamtsleiter Siegbert Goll auf Anfrage. „Sie haben sich gut eingelebt.“ Davon überzeugte sich Goll vor kurzem auch selbst, als er mit einer Kollegin nach Brandenburg fuhr. Denn in Sachen Jugendhilfe bleiben die Kissinger auch weiterhin zuständig. „Und dann schaut man eben auch nach, ob sie gut untergebracht sind.“
Enger Kontakt zur Tante
Mit den Kollegen in Brandenburg habe man auch ausführlich besprochen, wie sich die Kinder derzeit entwickeln und was man künftig für sie tun kann. „In solchen Fällen werden auch Ziele festgelegt.“ Man arbeite eng mit der Tante der Kinder zusammen, die ihren Wohnsitz in Schottland übrigens tatsächlich aufgab und in die Nähe der Kinder zog.
In solchen Fällen der Jugendhilfe werde auch geprüft, ob die Kinder in ihre „Rumpffamilie“ zurückkehren können, sagt Goll. In diesem Fall wäre das die Tante. Freilich müsse man das noch mit der Frau besprechen und dann schauen, wie belastbar sie ist, sagt Goll. Denn mit einem Schlag vier Kinder zu versorgen, sei vermutlich nicht ganz leicht.
Thema der Gespräche mit den Kollegen vor Ort waren auch die Briefe, die der Vater aus der Untersuchungshaft an seine Kinder schreibt, sagt Goll. Die „elterliche Sorge“ werde in der Jugendhilfe ernst genommen. Kontakte würden „in verträglichem Umfang“ zugebilligt. Freilich müsse man die Briefe auf ihren Gehalt hin prüfen. „Aber die Kinder brauchen auch in diesem Fall den Kontakt zu ihrem Vater“, sagt der Jugendamtsleiter. Er sei ja die einzige Bezugsperson der Familie, die noch da ist. Auch der Leitende Oberstaatsanwalt Rainer Vogt (Schweinfurt) bestätigt den Briefwechsel. Die Briefe, die der Mann in der U-Haft schreibt, werden vom Oberstaatsanwalt gelesen. Wenn sie nicht strafrechtlich relevanten Inhalts sind oder sonst Bedenkliches enthalten, werden sie an die Kinder weiter geleitet. Laut Vogt gibt es für Häftlinge keine Beschränkungen, sie können unbegrenzt Briefkontakt aufnehmen.
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