aktualisiert: 29.01.2012 18:28 Uhr
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STAATSBAD
Fahrräder rollen in Fernen Osten
Ivan Sojc und Co. helfen in Südkorea beim Aufbau eines nationalen Fahrradmuseums
Das Fahrradmuseum in der früheren Villa Füglein – es ist in ganz Deutschland bekannt. Jetzt rollen die Räder sogar bis ins fernöstliche Südkorea. Dort sollen Inhaber Ivan Sojc und Mona Buchmann beim Aufbau eines nationalen Fahrradmuseums mithelfen, in dem auch Exponate aus seinem Besitz zu sehen sein werden.
Die Tage vor Weihnachten haben Ivan Sojc und Mona Buchmann in einer ganz anderen Welt verbracht. Mächtige Wolkenkratzer, Menschen dicht gedrängt in der Hauptstadt Seoul. Der Betrieb, die Gemeinschaft seien in Südkorea alles, das Individuum nichts. Eine sehr zukunftsorientierte Gesellschaft, berichten die beiden Macher des Fahrradmuseums von ihrer achttägigen Reise.
Südkorea ist eine junge Nation, erst entstanden nach Krieg und Teilung der Halbinsel 1950 bis 1953.
Eine so traditionsreiche Einrichtung wie das Fahrrad, so scheint es, hat es da schwer. Vor einigen Jahrzehnten sei es in Südkorea völlig aus der Mode gewesen, erst jetzt wieder im Kommen, weiß Sojc.
Doch mitten in der geschäftigen Millionen-Metropole Seoul gibt es einen Menschen, der an das Fahrrad glaubt. Der der urdeutschen Erfindung ein Denkmal setzen will.
Ein privater Investor, der ein nationales Fahrradmuseum aufbauen möchte. Er hat das Geld und jede erdenkliche staatliche Unterstützung, ist Präsident des Koreanischen Radfahrverbandes und IOC-Mitglied. Nur das Wissen, wie man ein Museum aufbaut und betreibt, das fehlt. Außerdem Ausstellungsstücke.
„Deswegen sind sie in alle Welt ausgeschwärmt, haben sich in Amerika und Europa Fahrräder zusammengesucht. Dabei kamen sie auch auf uns“, erzählt Sojc. Er und Mona Buchmann flogen nach Südkorea, um dem dortigen Museumsprojekt in die Pedale zu helfen.
„Wir haben den Leuten vor Ort gezeigt, wie die Räder zusammengebaut und gepflegt werden, haben geschaut: Wie ist der Südkoreaner als Museumsbesucher veranlagt. Und nebenbei haben wir uns in zwei Tagen das Land angeschaut.“
Sojc verkaufte aber auch 30 bis 40 Stücke aus seiner Sammlung, davon zehn besondere. Ein Schritt, der „mir sehr schwer gefallen ist“, wie er sagt.
„Damit verscherbele ich aber nicht das Tafelsilber des Museums. Die Qualität der Kernsammlung wird damit nicht geschwächt“, schickt er gleich hinterher.
Ihm ist daran gelegen, dass niemand auf die Idee kommt, er wolle das Museum schwächen oder den Standort im Staatsbad auflösen. Im Gegenteil: „Dass das nicht der Fall ist, zeigt, dass wir jedes Mal Nein gesagt haben, als die Koreaner unser ganzes Museum kaufen wollten. Dreimal haben sie es versucht.“
Man habe sich bewusst gegen eine Metropole als Standort entschieden, halte die Region um Bad Brückenau für „touristisch ausbaufähig“, so Mona Buchmann, neben der Stadt Bad Brückenau Gesellschafterin.
Das Deutsche Fahrradmuseum ist als gemeinnützige GmbH organisiert. In ihrem Besitz sind zum Beispiel Vitrinen, Büroausstattungen und gespendete Stücke wie eine Klingelsammlung. Nicht aber das Gros der Ausstellungsstücke.
Das stammt aus dem Privatbesitz von Ivan Sojc; Dinge, die er in 34 Jahren zusammengetragen hat. Das Museum hat sich die Ausstellungsstücke für einen symbolischen Betrag von einem Euro von ihm geliehen.
Die nach Korea verkauften Stücke stammen nicht aus dem Museumsbereich, sind doppelt oder den in der Ausstellung präsentierten ähnlich. Damit wären laut Sojc auch nicht die öffentlichen Zuschüsse berührt.
Das Fahrradmuseum bekommt von der Stadt 20 000 Euro pro Jahr. Damit werden die Betriebskosten zu einem Fünftel abgedeckt. Vom Bezirk Unterfranken gibt es projektbezogen auch Geld.
Öffentliche Mittel decken den Museumsetat zu einem Viertel. Der Rest stammt aus Besuchereinnahmen. Auch Reiseausstellungen wie die Mobilen Kinderwelten, bis vor einem Jahr im Mainfränkischen Museum Würzburg zu sehen, tragen bei.
Den Erlös aus dem Fahrradverkauf nach Südkorea wollen Sojc und Buchmann nutzen, um „den finanziellen Druck aufs Gebäude zu mindern“. Die beiden haben die Villa Füglein vor zehn Jahren gekauft, sind seitdem dabei, sie instand zu setzen. Es gibt noch viel zu tun.
Natürlich hoffen die Fahrrad-Experten, noch öfters nach Südkorea fliegen zu können. Als Geburtshelfer des nationalen zweirädrigen Kulturwerks. Und um den Ruf des Fahrradmuseums in die Welt zu tragen.
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