publiziert: 22.02.2012 15:12 Uhr
aktualisiert: 22.02.2012 16:07 Uhr
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Franzose an der Infanterieschule

Deutsch-französische Freundschaft

Goulven Nimser fährt fast 40 000 Kilometer im Jahr. Seit 2011 arbeitet der Franzose an der Infanterieschule Hammelburg.

Vor knapp 50 Jahren haben Charles de Gaulle und Konrad Adenauer den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag unterschrieben. Fast genauso alt wie der Vertrag ist Goulven Nimser. Heute wohnt der 49-Jährige als französischer Verbindungsoffizier zur hiesigen Infanterieschule in Hammelburg. Wir fragten, wie er sich fühlt.

Frage: Der Winter hat uns eiskalt erwischt. Wie geht es Ihnen damit?

Goulven Nimser: Die Temperatur ist ziemlich niedrig für jemanden, der fast nur in Südfrankreich oder Übersee gelebt hat. Aber man muss sich anpassen (lacht). Es ist ja nur außen kalt, die menschliche Wärme zählt.

Was vermissen Sie am meisten als Franzose in Hammelburg?

Nimser: Meine Familie. Dass sie nicht bei mir sein kann, hat schulische Gründe im Bezug auf die beiden Söhne und die Tochter. Ich lebe hier als Pendler. Ich habe meine Familie von Südfrankreich ins Elsaß umziehen lassen, damit wir uns nicht zu entfernt sind. Ich kann meine Frau und meine Kinder nur jedes Wochenende oder alle 14 Tage sehen. Wären sie im Süden geblieben, könnte ich sie nur alle drei oder sechs Monate sehen. Als französischer Offizier ist mir klar, dass ich von einem auf den anderen Tag irgendwo hingeschickt werden kann.

Sie kommen ganz schön herum.

Nimser: Ja, ich fahre rund 40 000 Kilometer im Jahr.

Merkozy, viele schwärmen von deutsch-französischen Traumpaar Merkel/Sarkozy. Spürt man die enger werdenden Verbindungen in der Truppe?

Nimser: Die Kooperation besteht schon lange. Inzwischen gibt es weniger als 1500 französische Soldaten in Deutschland. Wir kamen einst in viel größerer Zahl, weil der Warschauer Pakt an Deutschland angrenzte. Heute ist das natürlich anders. Es gibt weniger tägliche Kontakte an der Basis. Für unsere Einsatzkräfte ist es jedoch wichtig, gemeinsam zu üben. Das schafft Vertrauen.

Was lernen die Nachbarländer militärisch voneinander?

Nimser: Wir haben Erfahrungen mit einer Berufsarmee seit 20 Jahren. Die Bundeswehr steht mit der Umstellung von einer Wehrpflichtigenarmee erst am Anfang. Aber was soll ich zum gegenseitigen Lernen sagen: Das ist wie mit der Erziehung von Kindern. Da redet man anderen nicht hinein. Erfahrungen gehören zum Prozess. Wir haben zur Abschaffung der Wehrpflicht zehn Jahre gebraucht. Mit der Erkenntnis, dass eine Berufsarmee teuerer ist.

Hat sich der Schritt gelohnt?

Nimser: Im Großen und Ganzen Ja. In kurzer Zeit wurde ein effizientes System nach traditionellem Vorbild geschaffen, das überall präzise eingesetzt werden kann. Die befürchtete Spaltung zwischen Armee und Nation ist ausgeblieben. Das Ansehen der französischen Armee im eigenen Land war nie so hoch wie heute.

Welche Unterschiede spüren Sie zwischen französischen und deutschen Soldaten?

Nimser: Es gibt Gesellschaftsunterschiede. Frankreich ist das nördliche von den Südländern und Deutschland das südliche von den Nordländern. Frankreich ist romanisch, obwohl die Gallier Germanen waren (lacht). Man kann sich gut ergänzen.

Wie fühlen Sie sich unter lauter deutschen Soldaten aufgehoben?

Nimser: Gut. Und das ist keine diplomatische Floskel. Meine Wurzeln liegen auf beiden Seiten des Rheins. Ich bin im Völklingen als Sohn eines französischen Offiziers und einer Saarländerin geboren.

Spüren Sie hier Kameradschaft?

Nimser: Kamerad kommt von camere, Zimmer. Das können nur die werden, mit denen man schon ein Zimmer geteilt hat. Das sind nicht so viele. Die übrigen Soldaten nennen wir Kollegen. Und dann gibt es noch Freunde, die zählt man an einer Hand ab. Ich glaube, ich habe hier manche echte Freunde gefunden.

Sie sind Fremdenlegionär. Die gelten als harte Burschen. Eine Elite der französischen Armee?

Nimser: Nein. Es werden mit den anderen Brigaden gemeinsam Aufträge erfüllt. Ich sage immer: Das wichtigste Teil eines Waffensystems sind jene Menschen, die es bedienen. Die Männer der Fremdenlegion sind etwas Besonderes. 80 Prozent sind Ausländer, die Französisch nicht als Muttersprache haben. Sie schlagen sich zum Teil ohne Papiere selbst nach Frankreich durch, um sich zu bewerben. Da gibt es einen regelrechten Wettbewerb. Leute, die alles verlassen haben, finden einen besonderen Zusammenhalt in der Truppe.

Das französische Essen ist Weltkulturerbe. Fehlt einem das schon mal hier im nördlichen Franken?

Nimser: Die kulturelle Wurzeln stecken tief in jedem. Gerade die Essensgewohnheiten. Wenn ich mal keine Wurst oder kein Fleisch mag, dann koche ich selbst.

Und was kochen Sie dann in solchen Fällen am liebsten?

Nimser: Ich kann alles kochen. Das ist dann kein Junggesellenessen. Wenn Sie wollen, lade ich Sie mal ein.

Haben Sie manchmal Heimweh nach Südfrankreich?

Nimser: Natürlich sind die Sonne und das Licht in Südfrankreich etwas ganz Besonderes. Aber ich fühle mich gut, wo ich bin. Um zu wissen, wo man hingeht, muss man wissen, wo man her kommt, heißt ein afrikanisches Sprichwort.

Das Gespräch führte WOLFGANG DÜNNEBIER
    
    

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