publiziert: 11.07.2012 17:42 Uhr
aktualisiert: 13.07.2012 12:04 Uhr
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Gebietsform: Aus 118 Gemeinden werden 26

Gemeindegebietsreform III: Strukturreform brachte vielfach auch nachbarliche Konflikte
  • Die Große Kreisstadt wächst zusammen: Im Dezember 1971 unterzeichnet im Trausaal des Rathauses in Bad Kissingen der Dienstälteste der Bürgermeister der neuen Stadtteile, Josef Müller (Hausen), den Eingemeindungsvertrag in Anwesenheit seiner Kollegen (von links) Franz Karbacher (Winkels), Michael Schießer (Albertshausen), Oswald Schmitt (Poppenroth), Stefan Brand (Garitz), Dr. Hans Weiß (Bad Kissingen), Walter Büttner (Arnshausen), Emil Hammerle (Kleinbrach) und Albin Kiesel (Reiterswiesen).
    Foto: Privat
  • Endlich abgeschlossen: Die Aufnahme von 1975 trügt, denn neue Gemeindeehen waren da noch nicht geschlossen. In Langendorf kamen damals zum Abschluss der Straßenbaumaßnahme Langendorf-Wülfershausen zusammen: (von links) Landrat Magnus Herrmann, die Bürgermeister German Zier (Elfershausen), Alex Bayer (Fuchsstadt), Pfarrer Gottfried Vollmuth, Bürgermeister Adolf Holzinger und stellvertretender Bürgermeister Ernst Heinlein (alle Langendorf). Der Name des Mannes rechts ist der Redaktion nicht bekannt.
    Foto: Norbert Möller
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Die Gemeindegebietsreform vollzog sich ab 1972 in Etappen. Vorher gab es in den drei Landkreisen Bad Kissingen, Bad Brückenau und Hammelburg insgesamt noch 118 Städte und Gemeinden. Schon nach 1972 waren etliche Ortschaften eingegliedert worden oder hatten sich mit anderen zusammengeschlossen, so dass 56 Kommunen übrig blieben. Bis 1978 kam die zweite Reformwelle und ließ am Ende 26 Kommunen zurück.

Die Zuweisung kleinerer Dörfer zu größeren Zentralgemeinden verursachte bei den Bürgern selten einen Freudentaumel. Lieb gewordene örtliche Gewohnheiten mussten nun im Kreis der anderen gelegentlich aufgegeben werden. Eigenmächtig Gestaltetes war plötzlich Allgemeingut. Es gab etliche Ortschaften, die sich erst nach langem Widerstand ihrer künftigen „Muttergemeinde“ unterwarfen. Gelegentlich musste sogar mit einem finanziellen Obolus in Form von Schlüsselzuweisungen nachgeholfen werden.

Ziel der Gemeindereform war es, die kommunale Selbstverwaltung umzustrukturieren und für die moderne Zeit fit zu machen. Mehrere Dörfer waren innerhalb einer kommunalen Körperschaft einfach leistungsstärker, produzierten mehr Wirtschaftskraft und konnten den Bürgern auch die notwendigen Verwaltungsdienste kostengünstiger zur Verfügung stellen.

Die Regierung lockte mit Geld

Werner Eberth, damals Staatsbeauftragter für die Gebietsreform, erinnert sich: „Die Zeiten, in denen Bürgermeister mit einem gemeindlichen Briefbogen und Dienstsiegel zum Landratsamt kamen, um dort Schreibarbeiten erledigen zu lassen, waren vorbei.“ Die herkömmliche Gemeindekanzlei, oft im Wohnzimmer des Bürgermeisters, hatte ausgedient. Die oft in kleineren Gemeinden noch ehrenamtliche Verwaltung von anno dazumal wurde jetzt durch hauptamtliche Kräfte ersetzt.

Die kommunalen Vereinigungen erfolgten teilweise in Etappen. 1972 schlossen sich beispielsweise Bad Bocklet, Aschach und Großenbrach zusammen. Während Roth und Nickersfelden im April 1971 nach Steinach eingegliedert wurden, kam Hohn erst im Januar 1972 dazu. 1978 wurde es nochmals ernst, als der Markt Steinach zu Bad Bocklet sollte. Erst als der Freistaat mit 400 000 Euro lockte, ergaben sich die Steinacher und der Gemeinderat stimmte mit 8:5 für den Zusammenschluss.

Bereits im Jahr 1972 verbanden sich die Orte Burkardroth, Frauenroth, Gefäll, Katzenbach, Lauter, Oehrberg, Stralsbach, Waldfenster, Wollbach und Zahlbach zu einer politischen Einheit – allerdings erst nach zähen Verhandlungen und, nachdem man von Seiten der Regierung in Aussicht stellte, die Schlüsselzuweisungen für renitente Widersacher der Reform zu streichen. Einzig die Orte Premich und Stangenroth blieben zunächst abtrünnig und wurden erst 1978 zum Markt Burkardroth eingemeindet.

Der Eingemeindungsvertrag zwischen der Großen Kreisstadt Bad Kissingen und den Ortschaften Albertshausen, Arnshausen, Garitz, Hausen, Kleinbrach, Poppenroth, Reiterswiesen und Winkels wurde schon im Dezember 1971 unterzeichnet. Auch die Zusammenschlüsse in Nüdlingen, Oerlenbach und Münnerstadt gelangen weitgehend ohne Irritationen. In Maßbach und Thundorf tat man sich schwerer.

Schon 1972 wurden zwar Poppenlauer, Theinfeld, Volkershausen und Weichtungen in den Markt Maßbach eingegliedert. Thundorf und Rothhausen blieben aber erst mal draußen. 1978 wurde dann Theinfeld nach Thundorf umgruppiert. Dafür kam die Ransbachmühle nach Maßbach. Rothhausen ging mit Thundorf zusammen. Letztendlich kam es dann am 1. Mai 1978 zur Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Maßbach, bei der dann auch Rannungen landete.

Im Bereich Bad Brückenau vollzogen sich die Verbindungen der Dörfer vielfach erst 1978. So kamen zum Beispiel zu diesem Zeitpunkt Breitenbach, Mitgenfeld, Modlos und Unterleichtersbach zu Oberleichtersbach. Der Markt Detter und Eckarts-Rupboden, Roßbach sowie Weißenbach vereinten sich mit dem Markt Zeitlofs. Und auch der Zusammenschluss von Kothen, Motten und Speicherz datiert von 1978. Während die Stadt Bad Brückenau bereits 1939 Römershag und Wernarz integriert hatte, kam 1978 Volkers hinzu. Was viele gar nicht wissen: Bis 1970 hieß die Stadt lediglich „Brückenau“, der Bad-Titel kam erst danach hinzu.

Städte und Märkte im Fluss

Zu unterschiedlichen Zeitpunkten gingen auch im Bereich des früheren Kreises Hammelburg die Zusammenschlüsse vonstatten: Aura und Wirmsthal kamen beispielsweise 1978 zur Verwaltungsgemeinschaft (VG) Euerdorf. Die Westheimer und Pfaffenhäuser wurden im Januar 1971 in die Stadt Hammelburg eingegliedert, während Diebach, Feuerthal, Morlesau, Ober- und Untererthal, Ober- und Untereschenbach erst ein Jahr später folgten. Im Juli 1972 kamen Bonnland und Hundsfeld dazu. Als letzter Stadtteil wurde Gauaschach im Mai 1978 in die Stadt integriert.

Auch der Markt Elfershausen war erst 1978 komplett: Trimberg, Engenthal und Machtilshausen wurden bereits 1971 eingemeindet, Langendorf kam erst 1978 dazu. Im selben Jahr bildete der Markt mit Fuchsstadt eine Verwaltungsgemeinschaft.

Von unserem Redaktionsmitglied ISOLDE KRAPF
    
    

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Die neuesten Kommentare

Muetzelgunthilde (3 Kommentare) am 13.07.2012 19:52

Wer ist der unbekannte Mann

Der Name des nicht bekannten Mannes ist doch Karl Fell, der spätere Bürgermeister von Hammelburg, der vor 3 Wochen verstorben ist. Den müsste man doch kennen.
(0)
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