aktualisiert: 02.02.2011 19:53 Uhr
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BAD KISSINGEN
Gegen das Rauchverbot: „Wir wollen keine staatliche Bevormundung“
Günter Groß und die Forderung nach einem neuen Volksentscheid
Der Kissinger Günter Groß, 64, hat am 12. Januar den Landesvorsitz der seit 2009 bestehenden Partei Bund mündiger Bürger übernommen. Zuvor spielte der gebürtige Oberfranke mit dem Gedanken, eine eigene Partei (Partei humaner Raucher) zu gründen. Der Rentner, der jahrzehntelang in der Gastronomie tätig war, will das seit 1. August 2010 bestehende bayerische Nichtrauchergesetz wieder kippen.
Frage: Haben Sie schon mal mit dem Rauchen aufgehört?Günter Gross: Nein, ich rauche seit meinem 14. Lebensjahr und bin gesund und munter. Mir ist nur der Unfall 1976 dazwischengekommen (Anm. d. Red.: Aufgrund eingewachsener Rippen musste Groß an der Lunge operiert werden).
Warum haben Sie den Landesverband gegründet? War Ihnen Ihr Ruhestand zu langweilig?Gross: Ich möchte unsere rauchenden Mitbürger unterstützen. Den Landesverband gab es übrigens schon, ich habe ihn lediglich von einem Nürnberger übernommen.
Wäre die angekündigte „Partei humaner Raucher“ für Ihr Anliegen nicht geeigneter gewesen?Gross: Für mich als Einzelkämpfer wäre das zu kostspielig geworden. Alle Anträge, die man da ausfüllen muss – das wäre für mich zu viel gewesen.
Sie wollen einen neuen Volksentscheid. Was wollen Sie damit erreichen?Gross: Wir wollen das Nichtrauchergesetz abschwächen. Man kann ein Rauchverbot im Krankenhaus verstehen, auch in Restaurants. Aber in Kneipen fehlt die bayerische Gemütlichkeit. Da bleiben sogar die Nichtraucher weg.
Glauben Sie wirklich, dass Sie außerhalb des Dunstkreises der Kissinger Kneipen genug Unterstützung finden?Gross: Ich meine, wir haben eine reelle Chance. Wir haben unter den Sympathisanten auch Nichtraucher.
Fühlen Sie sich als Raucher ungerecht behandelt?Gross: Diskriminiert. Es ist eine Diskriminierung an uns Rauchern, weil wir nur noch an einer bestimmten Ecke rauchen dürfen. Das haben wir nur der Nichtraucherlobby zu verdanken. Wir wollen keine staatliche Bevormundung, sondern selbst bestimmen, wo wir rauchen.
Ist es in Gaststätten und Kneipen jetzt nicht viel angenehmer als vorher?Gross: Gar nicht. Die Wirtshauskultur ist kaputt und da fehlt auch den Nichtrauchern was. Außerdem dünsten Körper aus. Diese Ausdünstungen, egal ob von Rauchern oder Nichtrauchern, hat früher der Rauch überdeckt.
Hat Ihr Landesverband andere konkrete Ziele außer den neuen Volksentscheid?Gross: Wir wollen, dass die Arbeitslosigkeit zurückgeht, dass man die Arbeitslosen in den Jobcentern unterstützt. Viele Hartz-IV-Empfänger sind unverschuldet arbeitslos. Wir wollen, dass sie mehr Zuschuss oder zumindest eine Weiterbildung kriegen. Im Parteiprogramm steht, was wir uns wünschen würden. Ob es umzusetzen ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Raucht Ihnen schon der Kopf vor lauter Mitgliedsanträgen?Gross: Das wäre schön. Es tut sich was. Am Tag kommen ein, zwei Anträge. Alle aus Kissingen.
Auch von Nichtrauchern?Gross: Es sind auch Nichtraucher dabei – Wirte. Die wollen auch von was leben.
Wie soll es weitergehen?Gross: Wir wollen auf den Marktplätzen Stände machen und unser Wahlprogramm vorstellen, hauptsächlich natürlich auch schon Unterschriften sammeln fürs Volksbegehren. Ich hoffe, dass ich nicht allein da stehen muss. Mit der Bayernpartei habe ich auch schon Kontakt aufgenommen. Die hat neulich in München eine Demo gegen das Nichtrauchergesetz veranstaltet. Leider waren es nur 250 Teilnehmer.
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mdeeg (776 Kommentare) am 03.02.2011 13:03
Bevormundung und Diskriminierung?Diskriminierung ist ein starkes Wort! Und selbst "Bevormundung" trifft hier ganz sicher nicht zu: Das Rauchverbot ist im Gegenteil die Jahrzehnte zu spät erfolgte Reaktion der Politik (erst nach Druck durch den Bürger!!!) endlich Verantwortung wahrzunehmen!Jahrzehntelang gelang es der Tabaklobby, mit vorsätzlich gefälschten Gutachten, für die namhafte Mediziner und Wissenschaftler ihren guten Ruf verkauften, die Politik für dumm zu verkaufen - und vielleicht auch zu kaufen. Der süchtige Endkonsument nahm und nimmt immer noch bereitwillig jedes "Argument" an, um die immensen langfristigen Gefahren - vor allem für Kinder - vor sich selbst schönzureden. Selbst bizarrste "Vergleiche" werden immer noch bemüht, um diesen Hort der Selbstverwirklichung - in Wirklichkeit Selbstzerstörung - vor sich selbst zu rechtfertigen. In der Regel ist die Reaktion irgendetwas zwischen Mitleid und Verachtung....wie es auch das Interview widerspiegelt. Da können sich die Süchtigen gegenseitig noch so viel untereinander auf die Schulter klopfen und auf vermeintlichen "Zuspruch" von Nichtrauchern hinweisen. Vielleicht ist ja nur der gemeinsame Widerwille gegen Obrigkeiten und vermeintliche Bevormundung größer als der wahrgenommene Widerwillen gegen Rauch. Vor zwanzig Jahren hat mich das auch nicht gestört. Denn vor zwanzig oder selbst noch vor zwei Jahren hatten Jugendliche, die nie geraucht hatten, keine Wahl: entweder sie meiden alle Treffpunkte und sozialen Kontakte oder sie setzen sich dem Rauch aus: Glück hatte, wer hierbei nicht selbst zum Raucher wurde! Anstatt diesen Zustand wieder einführen zu wollen, sollte man vielleicht über Schadensersatz nachdenken, dass man von der Politik im Stich gelassen wurde, Stichwort Jugendschutz, Gesundheitsschutz, Stichwort Für-dumm-verkauft! Im Interview sind auch folgende Ziele aufgelistet: i]"Wir wollen, dass die Arbeitslosigkeit zurückgeht, dass man die Arbeitslosen in den Jobcentern unterstützt. Viele Hartz-IV-Empfänger sind unverschuldet arbeitslos. Wir wollen, dass sie mehr Zuschuss oder zumindest eine Weiterbildung kriegen. Im Parteiprogramm steht, was wir uns wünschen würden."[/i] Da werden tatsächliche Mistände benannt. Unter der Überschrift "Raucherfreiheit" werden diese Anliegen jedoch mitentwertet. |
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schluempicher (4 Kommentare) am 03.02.2011 12:08
Rauch gegen AusdünstungZitat: "Diese Ausdünstungen, egal ob von Rauchern oder Nichtrauchern, hat früher der Rauch überdeckt."Man sollte eine Anti-Ausdünstungs-Partei gründen. Bei diesem Volksbegehren wäre ich auch dabei |
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