publiziert: 15.07.2009 18:46 Uhr
aktualisiert: 16.07.2009 08:33 Uhr
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Glück kommt selten allein

Jocelyn B. Smith verzaubert die Zuhörer im Großen Saal des Regentenbaus
  • Hätte auch ohne Mikrophon den Max-Littmann-Saal in Wallung gebracht: Jocelyn B. Smith bescherte dem Kissinger Sommer einen wunderbaren Abend zwischen Jazz, Funk und Gospel. Am Schluss stand das Publikum und wiegte sich zur Musik.
    FOTO Gerhard Fischer
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Zuallererst war es eine Lehrstunde in Sachen Charisma. Jocelyn B. Smith steht auf der Bühne des Max-Littmann-Saals, von links kommen verhaltene Akkorde von der Hammond-Orgel und die schwarze Diva des Soul und Jazz wispert einen verhallenden Ton in den Raum. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Ihre Finger machen eine Bewegung, als zupften sie einen Tuchzipfel. Diese Bewegung beschreibt den Übergang von Klang ins Ätherische.

Solche Momente gab es einige am Montagabend, Momente der Stille und einer meditativen Ruhe. In ihr schwang der Ernst der humanistischen Botschaft mit, mit der Jocelyn B. Smith seit fast drei Jahrzehnten die musikalische Welt zwischen New York und Berlin bereist: Friede, Liebe, Versöhnlichkeit als wirkliche Werte des Lebens.

Es braucht nichts Äußeres, um mit Charisma Hunderte in den Bann zu ziehen. Gegen Smiths betörende Bühnen-Präsenz wirken all die Retorten-Stars- und Sternchen nur noch armselig.

Jocelyn B. Smith weiß um ihre innere Strahlkraft, darum kann sie mit allergrößter Gelassenheit ihr Programm abarbeiten. Vor allem aber kann sie munter und unbekümmert zwischen den Welten wandern. Sie fühlt sich im Soul, Funk, im Jazz und Rock zuhause und jede ihrer Interpretationen ist authentisch, kraftvoll und überzeugend.

Das Thema Freiheit und Frieden findet sie vorgeformt in den biblischen Schriften, Texte des neuen Testaments sind die Grundlage vieler Lieder ihrer CD „Expressions“, die ein Gutteil des Programms füllten. Die Kraft und Inbrunst, mit der sie Simon & Garfunkels „Bridge over troubled Water“ sang, lehrte, was eine ordentliche Gänsehaut ist.

Begleitet wurde sie von ihrer gut gelaunten Band. Vor allem Volker Schlott an Saxophon und Querflöte hatte immer wieder Gelegenheit zu packenden, sphärischen oder impulsiven Solo-Einlagen. H. D. Lorenz zupfte einen coolen Bass, Kai Brückner eine selbstvergessene Gitarre, zu der Thomas Alkier das funkige Schlagzeug ruhen ließ.

Viel Freude hatten Smith und Publikum auch am Pianisten Henning Schmiedt. Gegen Ende des zweiten Teils jedenfalls war der Max-Littmann-Saal ein Tanz- und Klatsch-Podium, die Kissinger-Sommer-Etikette bröckelte zusehends bis zum „Move you up“-Mitsing-Funk.

Schöne Geste nach einem schönen Abend: Die Blumen für den Star auf der Bühne flogen einer Unbekannten im Parkett zu – damit das Glück dieser Ausnahme-Stimme weitergegeben werde.

Von Gerhard Fischer
    
    

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