aktualisiert: 29.12.2009 17:57 Uhr
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BAD KISSINGEN
Harfenmusik mit Esprit und Eleganz
Kissinger Winterzauber: Großer Andrang beim Konzert von Xavier de Maistre
Er ist jung, modern und virtuos. Er versprüht Esprit und Eleganz, zaubert Farben und Klänge aus seiner Harfe, die gelungene Stimmungsbilder ergeben. Und doch: Bei der Matinée classique im Kissinger Winterzauber konnte der Franzose Xavier de Maistre mit seiner Musik nicht vollends berühren.
Groß war der Andrang für dieses außergewöhnliche Konzert. Leider blieben einige Interessierte außen vor, weil der kleine Weiße Saal schon ausverkauft war. Es wäre durchaus überlegenswert gewesen, die Matinée in den Rossini-Saal zu verlegen. Dies hätte sicher auch dem Künstler gutgetan, der sich mit der Intimität des Weißen Saals, bei dem der Solist nur eine Armlänge von den ersten Stuhlreihen entfernt auf Augenhöhe mit dem Publikum saß, schwer tat. Für den jungen Franzosen war es nicht einfach, sich bei dieser Nähe eine Aura für seine künstlerische Entfaltung zu schaffen.
Immer wieder wollte sein Blick schweifen und traf dabei direkt auf ihn fixierende Augenpaare. Erst gegen Ende des ersten Teils, bei Bedich Smetanas Moldau, konnte er sich etwas von diesen Fesseln lösen. Mit virtuoser Geläufigkeit meisterte er die ungemein schwierigen Passagen, verstand es, mit dramatisierender Dynamik Spannung aufzubauen – technisch brillant und ungemein virtuos. Seine Arpeggien und Glissandi sind glasklar, kein Klanggewabere. Er spielt entschlossen, zupackend – männlich. Viel Applaus gab es für diese Darbietung vor der Pause.
Mit Joseph Haydns Adagio in F-Dur Hob. XVII: 9 und den Variationen in C-Dur Hob. XVII/5, souverän gespielt, eröffnete de Maistre den zweiten Teil des Konzerts. Jetzt war er angekommen, und man durfte sich auf die beiden im Programm angekündigten Arabesquen von Claude Debussy freuen. Ist Debussys Klaviermusik durch ihren schwebenden Charakter doch wie geschaffen für eine Adaption mit der Harfe. Beide Werke, die Arabesque E-Dur Nr. 1 und die Arabesque G-Dur Nr. 2, wurden von de Maistre selbst für sein Instrument eingerichtet.
Wunderschön gelang dem Franzosen die Umsetzung dieser Musik, doch dann ein kurzer Aussetzer und de Maistre fand nicht mehr ins Stück zurück. Er brach ab, entschuldigte sich und verließ die Bühne, um nach kurzem Durchatmen mit einer furiosen, ja fast schon aggressiven Darbietung des spanischen Tanzes aus„La vida breve“ von Manuel de Falla seine Emotionen über diesen kleinen Patzer Luft zu machen.
Zum Abschluss fand de Maistre wieder zu seiner Souveränität zurück und präsentierte dem dankbaren Publikum ein absolutes Highlight mit der Légende für Harfe solo von der französischen Komponistin Henriette Renié, die selbst erfolgreiche Harfenvirtuosin war. Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus und erklatschte sich so noch eine Zugabe.
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