publiziert: 29.12.2009 17:47 Uhr
aktualisiert: 29.12.2009 17:57 Uhr
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Hautnah und unverstärkt

radio.string.quartet.vienna überzeugte vor nur 50 Zuhörern
  • Der Geiger Bernie Mallinger und die Bratschistin Cynthia Liao vom radio.string.quartet.vienna.
    FOTO Angelika Silberbach
Bild von

(as) Das radio.string.quartet.vienna ist emotional, hochmusikalisch, technisch brillant und humorvoll. „Wir sind weit gefahren und freuen uns, dass sie gekommen sind“, sagte Band-Leader und Arrangeur Bernie Mallinger zum Schluss und bedankte sich augenzwinkernd bei den nur 50 Zuhörern im Weißen Saal des Regentenbaus. Ein wenig enttäuscht war das Streicherquartett schon über die geringe Zuschauerzahl, denn von Hamburg bis Wien füllt es große Konzertsäle und spielt fast immer elektronisch verstärkt.

Dies war der Vorteil des Entdeckerkonzerts beim Kissinger Winterzauber. Es gab Musik pur, hautnah und unverstärkt. Keine Angst vor der Nähe des Publikums hatten die Geiger Bernie Mallinger und Johannes Dickbauer, die Bratschistin Cynthia Liao und Cellistin Asja Valcic. Im Gegenteil, sie flirteten mit den Zuhörern.

Das radio.string-quartet.vienna tourt derzeit mit Arrangements von Stücken der in den 1970er Jahren bedeutenden Jazzrock-/Fusionsband Mahavishnu Orchestra von John McLaughlin durchs Land. Alle vier Streicher absolvierten eine klassische Ausbildung, sind technisch brillant und Jazzer, Rocker und Swinger par excellence.

Rockopernhaften Charakter verbreitete das Introstück „Meeting of the Spirit“, denn dramatisch aufwühlende und rhythmisch peitschende Linien wechselten sich ab. Nahtlos und sinnlich leitete die Bratsche über in „Dawn“, das zwischendurch einen zigeunerjazzigen Charakter entwickelte und in einem schier nicht enden wollenden Piano verklang.

Die Klangvielfalt und Spieltechniken erstaunten: Mal schnarrte die Geige wie ein Schlagzeug, dann tönte die Bratsche wie ein Keyboard oder das Cello gab den Bass-Beat vor. Das waren Fundamente für das Improvisieren der Solo-Geige. Mal sprühten die Instrumentalisten kämpferisch fordernde Parolen aus, dann wieder erzählten sie in epischen Tönen melancholische, wehmütige und nachdenkliche Geschichten. Oft einander in die Augen beziehungsweise auf die Finger schauend, traumwandlerisch sicher ineinander verwoben.

Stücke mit und von dem Bandoneon- und Akkordeonspieler Klaus Paier gab es nach der Pause. Paier stellte das Bandoneon in „Cathedrale“ vor: Mit geschlossenen Augen schien er die Töne zu schmecken, verzog dabei sein Gesicht, als sei es ein innerlicher Kraftakt, die orgelhaften Melodien herzugeben.

In „Prelude & Circulo“ zelebrierten Streicherquartett und Akkordeon fesselnde, kapriziöse und in sich versponnene Tango-Rhythmen: erdig und dunkelfarben, flirrend und virtuos.

Den Soundtrack einer hektischen, treibenden, eskalierenden Großstadt verströmte der dritte Satz von „Musical Journey in three Movements“, der offizielle Schlusspunkt eines intensiven Konzerts. Eine Zugabe gab es noch, dank des fordernden Applauses der Zuhörer.

    
    

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