publiziert: 03.02.2012 14:53 Uhr
aktualisiert: 03.02.2012 14:55 Uhr
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Immer die Sicherheit der Badegäste im Blick

Nach 31 Jahren geht der Bischofsheimer Bademeister Siggi Weber in den Ruhestand
  • Abschied im Schnee: Nicht nur von den hölzernen Badegästen, sondern vom ganzen Bischofsheimer Freibad verabschiedet sich Siggi Weber. Nach mehr als 31 Jahren als Bademeister geht er demnächst in den Ruhestand.
    Fotos (2): Thomas Pfeuffer
  • Wie man sie kennt: Lydia Weber versorgte Schwimmbadbesucher mit Eis, Speis und Trank. Für die nächste Saison sucht die Stadt einen neuen Pächter für den Kiosk.
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„Ich habe probiert, alles gut zu machen und ich hoffe, ich habe die meisten Besucher zufriedengestellt!“ Mit diesem Wunsch verabschiedet sich demnächst eine Bischofsheimer Institution in den passiven Teil des Vorruhestands. Siegfried Weber, den beinahe alle nur „Siggi“ nennen, war mehr als 31 Jahre lang Bademeister im Bischofsheimer Freibad und er ist Generationen von Besuchern bekannt.

Dabei hatte er nicht nur den Anspruch, dass sich die Gäste wohlfühlen. Er hat sich vor allem darum bemüht, dass möglichst keinem etwas passiert. Voraussetzung dafür war Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein. Tugenden über die Weber gar nicht groß spricht, er hält sie für selbstverständlich.

Dabei kam er nur durch Zufall zu seiner Stelle. Mit dem Freibad oder dem Beruf des Bademeisters hatte der heute 62-Jährige überhaupt nichts zu tun. Er war 13 Jahre als Betriebsmaler bei Paul & Co in Wildflecken beschäftigt, als er 1981 gefragt wurde, ob ihn die Stelle im Freibad interessierten würde.

Zwei Wochen ließ er sich für die Entscheidung Zeit. Mit dem Berufswechsel war nämlich auch verbunden, dass er den Kiosk pachtet, den seine Frau Lydia betreiben sollte. Dafür waren wiederum Absprachen nötig, denn die damals noch kleinen Kinder mussten von den Großeltern betreut werden. Mit Rückendeckung der Familie sagte er schließlich zu.

Irgendeine Ausbildung in dieser Richtung „war damals nicht erforderlich“, erinnert sich Weber. Er hatte auch keine. „Mir war klar, dass ich die Verantwortung habe, wenn was passiert“, also absolvierte er die Rettungsabzeichen, die erst weit später verpflichtend wurden.

Fortan bestanden seine Aufgaben unter anderm darin, beim Badebetrieb für Ordnung zu sorgen, das Freibad über sechs Wochen im Frühjahr für die Saison vorzubereiten und am Ende der Saison wieder winterfest zu machen, das Gras zu mähen, zu kassieren, das Wasser zu reinigen, die technischen Anlagen betreuen, Liegewiese, Kabinen und Sanitäranlagen sauber zu halten. Genauer will er den letztgenannten Punkt aber nicht ausführen: „Das wäre zu schlimm.“

Ganz versessen sei er darauf gewesen, dass die Wasserqualität passte, berichtet Lydia Weber über ihren Mann. Ständig und weit öfter als vorgeschrieben habe er gemessen. In den Augen von Siggi Weber hat sich das gelohnt. So habe es nie Beschwerden bei den Kontrollen des Gesundheitsamts gegeben, dafür immer wieder Lob von Badegästen.

In einem Freibad gehören kleinere Blessuren dazu, weiß Weber. In seinen mehr als 30 Jahren hat es auch drei schwere Unfälle gegeben. So ist ein Mann vom Turm gegen den Beckenrand gesprungen, eine Frau erlitt einen Hitzeschlag. Aber alle Vorkommnisse seien letztlich gut ausgegangen. Umgekommen ist im Bischofsheimer Freibad in seiner Zeit niemand, betont er stolz.

„Dazu gehört auch viel Glück“, weiß Siggi Weber. Aber um das Glück nicht über Gebühr zu strapazieren, hat er sich Regeln gegeben: „Bei Gesprächen dem Gegenüber nicht in die Augen schauen, sondern immer das Becken im Blick haben und nie mit dem Rücken zum Becken stehen“. Außerdem, so meint Weber, brauche man so etwas wie eine Vorahnung. Man müsse es einfach sehen, wenn ein kleines Kind unbeaufsichtigt in der Nähe des Beckens unterwegs ist.

„Lieber ein schönes, altes Freibad als gar keines mehr“

Siggi Weber zum Thema Sanierung des Bischofsheimer Bads

Entscheidend zur Sicherheit im Freibad hätten die Helfer von der Wasserwacht beigetragen, die hier in ihrer Freizeit Dienst machten und denen Weber sehr dankbar ist.

Natürlich musste er auch ab und an für Ordnung sorgen. Aber Weber hat nicht nur die Statur – schließlich hält er sich durch Turmspringen für seine Arbeit fit – sondern auch die Autorität: „Da musst ich mal richtig guck, dann ham se schon gefolgt.“

Blickt Weber zurück, hat sich in den mehr als 30 Jahren viel geändert. Nicht nur, dass im Bad das ein oder andere modernisiert wurde. Kommen jetzt die Enkel derer, die zu seiner Anfangszeit das Bad besuchten, verlangen sie am Kiosk Burger, Pommes oder Chicken-Nuggets. „Früher haben wir an guten Tagen säckeweise Wurstbrötchen verkauft“, erinnert sich Lydia Weber. Die gehen nun gar nicht mehr.

Heutzutage undenkbar waren auch die Arbeitszeiten. Passte das Wetter, war Siggi Weber bis zu zwölf Stunden am Tag im Bad aktiv – und das an sieben Tagen in der Woche. Da kam einiges an Überstunden zusammen. Und an Urlaub in der Ferienzeit war natürlich nicht zu denken. Im Winter und bei schlechtem Wetter arbeitete er im Bauhof oder im Hallenbad.

Überhaupt das Wetter. War es schlecht, waren alle Vorbereitungen „für die Katz“. War es gut, strömten die Massen. Der Besucherrekord in Webers 30 Jahren lag bei 1500 an einem Tag. Das blieb aber die absolute Ausnahme. Ansonsten wurden an sehr guten Tagen 800 bis 1000 Gäste gezählt. Im Normalfall kamen 300.

Die beiden besten Jahre waren 1983 und 2003, so Weber. Kalt blieb es stets in den Schaltjahren. Und als allerschlechtestes Jahr, wird ihm seine letzte Saison in Erinnerung bleiben. Da fiel sogar die Abschiedsfeier ins Wasser.

Wie geht es nun weiter? Da hofft Siggi Weber, dass „das schöne alte Bad“ weiter besteht, auch wenn es mal eine Sanierung nötig hätte. Denn für ihn persönlich ist die Schwimmbadgeschichte in Bischofsheim mit dem Ruhestand noch nicht abgeschlossen. Statt dessen kündigt er an: „In der nächsten Saison werde ich auf der Liegewiese relaxen.“

Mit dem Weggang von Siegfried Weber ist im Bischofsheimer Freibad ab der nächsten Saison der Kiosk neu zu verpachten. Das erforderliche Inventar (Küchengeräte, Geschirr, Bestuhlung) kann vom bisherigen Pächter erworben werden. Infos bei Siegfried Weber, Tel. (0 97 72) 18 59, und im Rathaus bei Joachim Dierolf, Tel. (0 97 72) 91 01-25.

Von unserem Redaktionsmitglied Thomas Pfeuffer
    
    

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