publiziert: 13.07.2009 18:36 Uhr
aktualisiert: 13.07.2009 22:43 Uhr
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Insel der Seligen

Die Bamberger geben Joseph Haydn die Ehre

Zwei Hochzeiten und kein Todesfall. Ein bescheidenes Resümee vielleicht in Zeiten, wo Filmschönling Hugh Grant die Latte längst höher gesetzt hat. Aber nach der Haydn-Soiree mit den Bamberger Symphonikern am Samstagabend im Max-Littmann-Saal war die Welt nicht mehr so wie vorher.

Plötzlich strahlte ein musikgeschichtliches Fundstück heller als alles, was eine Unterhaltungsmaschinerie heutzutage in Gang setzen kann. „L'isola disabitata“, die zehnte Oper Joseph Haydns, hatten sich Jonathan Nott und seine Bamberger Symphoniker vorgenommen. Das ist eines jener Werke, die gemeinhin Rarität genannt werden, mit einer barock-schwülstigen Handlung von zwei Geschwistern auf einer verlassenen Inseln, die nach eineinhalb Stunden ihre passenden Männer finden. Man nimmt womöglich auch mit dem Gedanken Platz, nun einer pflichtgemäßen Nebenwerks-Aufführung im Haydn-Jahr zu lauschen. In Bad Kissingen aber erlebte ein enthusiasmiertes Publikum eine Sensation.

Die Bamberger in kleiner Besetzung spielten von der ersten Note an bezwingend schön. Jonathan Nott konnte die Ouvertüre-Sinfonia gelassen langsam angehen, trotzdem war der Spannungsbogen durch das eineinhalbstündige Werk nie gefährdet. Da war keine Phrase dabei, die nur mit Beiläufigkeit gespielt worden wäre. Frische und Sorgfalt ihres Spiels waren ein Ereignis für sich. Vivica Genaux als unnahbare Costanza nahm mit ihrem kraftvollen Mezzosopran gefangen, Christiane Karg als ihr Schwesterchen Silvia stand technisch in nichts nach. Wie sie mit ihren Blicken ins Publikum die gedachte Szene quasi auferstehen ließ, war besser als jeder Kinotrick. Tenor Lothar Odinius und Bariton Miljenko Turk vervollständigten das Quartett, dem nach dem Schluss-Rondo (mit Violin- und Cello-Soli) das Publikum zu Füßen lag. So quicklebendig und zeitgemäß war Haydn lange nicht mehr.

gerhard Fischer
    
    

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