publiziert: 29.01.2010 18:55 Uhr
aktualisiert: 23.09.2010 10:08 Uhr
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Irene und Leopold Müller

Den Opfern der Nationalsozialisten ihre Identität zurückgeben – das ist eine der Kernaufgaben der Bad Kissinger Stolpersteine. Zu diesen kleinen Denkmalen, die der Kölner Künstler Gunter Demnig jeweils auf dem Gehsteig vor der letzten freiwilligen Wohnung der Betreffenden setzt, erstellt die Kissinger Initiativgruppe Biografien der Opfer. Diese Biografien dokumentiert die Main-Post mit einer Serie.

Irene Müller wurde am 1. November 1898 als einziges Kind des Textilkaufmanns Samuel Hofmann und dessen Ehefrau Sara in Kissingen geboren. Die Familie lässt sich hier bis in die Anfänge des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Irene kam im Elternhaus in der Unteren Marktstraße 12 (heute Hausnummer 3) zur Welt und lebte dort bis zur Deportation. Im Erdgeschoss befand sich das Textilgeschäft, im Obergeschoss war die Wohnung. Am 4. November 1926 heiratete sie in Frankfurt am Main den Kaufmann Leopold Müller. Der zog ins Elternhaus seiner Frau, und das junge Ehepaar übernahm den Betrieb des elterlichen Textilgeschäfts. Nach den Ausschreitungen der Pogromnacht 1938 verkauften Irene und Leopold Müller ihr Geschäft an einen so genannten arischen Kaufmann. Obwohl ihnen ihre Existenzgrundlage genommen war, konnten sich die beiden nicht zur Auswanderung entschließen, denn sie wollten Irenes inzwischen verwitwete Mutter nicht allein zurücklassen. Als diese im August 1941 starb, war es für Irene und ihren Ehemann zu spät, das Land zu verlassen. Am 24. April 1942 wurde Irene Müller gemeinsam mit ihrem Ehemann und 21 weiteren jüdischen Kissinger Bürgern nach Würzburg und einen Tag später im dritten Deportationszug der Würzburger Gestapo ins Ghetto Izbica bei Lublin deportiert. Ob sie noch dort oder in einem der nahen Vernichtungslager zu Tode kam, war ebenso unmöglich zu ermitteln wie ihr genaues Todesdatum.

Leopold Müller wurde am 25. Februar 1889 in Wertheim am Main geboren. Als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg wurde er verwundet und behielt einen steifen Arm zurück. Müller lernte Kaufmann und lebte in Frankfurt am Main. Dort heiratete er Irene Hofmann und betrieb mit ihr deren elterliches Textilgeschäft in Bad Kissingen. Im Zuge der Ausschreitungen in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde Leopold Müller zusammen mit 27 weiteren Kissinger Juden in Schutzhaft genommen und ins Amtsgerichtsgefängnis gebracht. Wegen seiner Kriegsbeschädigung entging er damals der Deportation ins Konzentrationslager Dachau und wurde am 18. November wieder aus der Haft entlassen. Am 24. April 1942 wurden er und seine Frau deportiert. Sein Leben endete im Ghetto Krasnystaw.

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Mehr über die Stolpersteine unter badkissingen.mainpost.de

    
    

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